Lieblingsrewindstücke

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Retro, das hat sowas von Sex mit längst abgelegten Ex-Mackern, die man nur wieder zum Trend erklärt, weil sich in der Gegenwart gerade absolut nichts tut. Irgendwie leicht deprimierend. Deswegen habe ich mich über die ganze Sache eigentlich nie so wirklich gefreut. Also so gut es ging, natürlich. Dass uns der Schwede unseres Vertrauens Kollektionsstück für Kollektionsstück immer weiter zurück in die 80ies katapultiert, kann ich schließlich auch nicht ändern (Woanders einkaufen? Ihr spinnt wohl. Der Laden liegt etwa drei Zentimeter Luftlinie von meiner Wohnung entfernt!).

Dieses Revivalfeiern an sich ist ja nicht mal
irgendwie neu oder innovativ. Retro müsste also strenggenommen mindestens Retro-Retro heißen, weil schon die findigen Fashionistas in den Achtzigern die Bundfaltenhose aus den Fünfzigern geklaut haben. In den 90ies schnappte man sich die Schlaghose aus den 70ies. Ganz zu schweigen von den hochkomplexen Beispielen aus diversen Kunstepochen, die bitte jemand ausführen soll, dessen Aufmerksamkeitsspanne länger ist als – oh, habe ich eigentlich schon die Petticoats erwähnt? Ihr kennt das ja.

Alte Sachen in der Zeitgeistmikrowelle aufzuwärmen und sie dann irgendwie mit dem Etikett “voll knorke” zu versehen, war noch nie so beliebt wie heute. Finde ich zumindest (aber wahrscheinlich haben das auch schon die 80ies-Leute behauptet). Was das über uns aussagt? Dass zum Beispiel klamottentechnisch nicht mehr viel Neues geht, außer vielleicht, nackt rumzulaufen und das ist saukalt und arschunhygienisch. Oder, um die bei Soziologen beliebtere Lösung durchzukauen: Die oh so hektischen Tage des 21. Jahrhunderts lassen uns am Fließband ein Stilcomeback nach dem anderen feiern, weil das das Einzige ist, das uns die Geborgenheit früherer Alles-war-besser-Zeiten vermitteln kann. Bedeutet also im Klartext: Wir sind alle Muschis, die sich am liebsten nicht nur aus Omis Kleiderkiste bedienen, sondern zitternd darin verkriechen würden. Sofern der iPad-Akku voll ist, natürlich. Nicht so toll, was?

Mein Standpunkt war also klar. Bis der pure Sex, bestehend aus den weichen braunen Uschi Obermaier-Lederstiefeln meiner Freundin Katie, eines Mogens den Seminarraum enterte und meine Anti-Retro-Prinzipen mit unvergleichlicher Schönheit niedertrampelte. “Woher! Hast! Du! Die?!” – “Oh, von meiner Mama. Von früher, weißte.” – “Fuck, ich hasse dich dafür.” Dafür, dass sie dieselbe Schuhgröße besitzt wie ihre heiße Muddi in den Siebzigern, wohlgemerkt.

Retrodinge finde ich seitdem jedenfalls verdammt heiß und die Soziologen sollen sich die Weichei-Theorie inklusive Omis Klamottenkiste doch bitte in den Arsch schieben. Mir doch egal. Ich meine, hallo, butterweiche braune Uschi Obermaier-Lederstiefel! Und mittlerweile habe ich auch schon mein erstes eigenes Vintageshoppingstück (ein überragendes Geschenk der wundertollsten Frau N aus einem Mannheimer Second Hand-Laden): Eine dunkelgrüne Miniclutch mit Ausweispapier-Fach und 80ies-Köpfen im Sichtfenster, siehe oben. Sie riecht nach Klamottenkistenomi unter’m Arm und ist heiß und mein neues Geldaufbewahrungsdingens, das ich nie wieder hergeben werde. Und fuck yeah, ich will mehr.

Also, liebe mitlesenden Modemenschen, was ist euer bestgehütetes Vintageschätzchen? Woher habt ihr es? Warum braucht ihr es? Und wann schickt ihr mir es zu?

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2 Kommentare zu “Lieblingsrewindstücke

  1. stiller sagt:

    Ich habe kürzlich, 2 Tage nach dem Kauf einer Casio-Retro-Digitaluhr, mein Original aus den späten 80ern gefunden. Allerdings ohne Armband, mit Grund, eine Halterung ist abgebrochen. Ist also nix mit Nutzung. Wobei, die Batterie klappt noch. Vielleicht papp ich sie mir an die Wand. Oder so.

    Aber das ist nicht mal mein größter Retroschatz. Den hab ich vor ein paar Monaten auf dem, ich sage es gerne immer wieder, unerschöpflichen Speicher meiner Eltern gefunden. Eine Sportreisetasche von adidas in der Olympic Games 1988 in Seoul-Edition. Inklusive Namensschildchen, auf das mein Vater meinen Namen und unsere alte Telefonnummer geschrieben hat. Das ist hot!

  2. Vintage (von mir liebevoll alter Plunder genannt) ist meine beste Freundin seit ich vor etlichen (ETLICHEN) Jahren in London wohnte und dort mein Herz für die Flohmärkte entdeckt habe. Sachen mit ihrer eigenen Geschichte. Wahnsinn! — Und perfekt für alle, die sich beim Anblick einer zweiten Person im gleichen Outfit sofort Harakirimässig ein Schwert in die Brust rammen würden.

    In meinem heimatlichen New York habe ich ca. 5 Vintageläden des Vertrauens, die mich gut sortiert mit den Dingen des täglichen Modebedarfs versorgen.

    Die Frage nach dem Liebslingsteil oist natürlich fies. Du fragst deine Mutti doch auch nicht, ob sie dich oder deinen Bruder lieber hat, oder? (Aber da gibt es zum Beispiel einen Rock aus den 70ern von Chloe, rote Seide mit runden Knöpfen und Malereien in Dunkelblau, Gold, Grün und Pink. Und dann gibt es eine blaue Tasche aus den 60ern, von Piero Guidi, auf die Zirkusartisten gemalt sind und dann ein Modeschmuckarmband, an dem eine Art Discokuller mit bunten Steinen hängt.)

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