Endboss

 

Endlich mal wieder ‘n Typ, bei dem ich euch sofort um die Ohren hauen kann, dass ich den schon seit einer halben Ewigkeit kenne. (Hach, wie ich dieses “Wir haben’s euch ja gesagt”-Gefühl vermisst habe.) Aber genug von den Bonbons für mein schwarzes Seelchen, wir haben hier schließlich was zu (er-)klären. Dieser optisch durchaus ansprechende Junge ist nämlich nichts anderes als die personifizierte Dauer-Hoffnung des aggrofreien Heimat-HipHops.

Gute Songtexte auf Deutsch zu schreiben ist … ja, sagen wir mal: anspruchsvoll. Nicht schwülstig, peinlich oder prollig zu klingen geradezu unmöglich, vor allem, wenn das Ganze auch noch gerappt vorgetragen werden soll. Die Übergänge zwischen Wortolymp und Wall of Shame sind fließend und Buchstabendribbling im muttersprachlichen Raum beherrschen sowieso nur eine Handvoll Protagonisten wirklich gut. Und mit gut meine ich überragend. So, dass ich auf Knien vor meinen Boxen rumrutschen und mit Schaum vor’m Mund was vom ganz großen Wortekino brabbeln will.

Das schafft zum Beispiel Dende. Wir Sind Helden auch, teilweise. Denyo. Blumentopf. Oder (jetzt mal ehrlich, mit der Musik der Combo kann man mich problemlos foltern, aber dass die Dame das und das und das hier so genial getextet hat, macht mich fertig:) Jennifer Rostock. Und eventuell bald auch Marten Laciny, den die coolen Szenemenschen unter euch natürlich längst als Marteria identifiziert haben. Wer unser Online-Etablissement schon etwas länger frequentiert, wird mitbekommen haben, dass mir Jungs mit Gitarre ein bisschen mehr zusagen als die mit Baggy und dann sehe ich den feinen Herrn Mar auf einmal und alles ist anders. Kennt ihr das, wenn man erstmal sowas denkt wie: Ähm, hallo, hatte ich wirklich schon so lange keinen Sex mehr oder warum feier ich den hier gerade so? Die Antwort ist wohl: Charisma. Star-Appeal. Nennt es, wie ihr wollt, aber jedenfalls futtert Marteria genau das jeden Morgen mit Milch zum Frühstück.

Was da so aus seinem Mund und von der Band neben ihm kommt, hat einfach was. Löffelweise Wortwitz trifft Beats, die positiv plattwalzen, ja, sowas funktioniert selbst bei mir. Okay, okay, die Modelvergangenheit bei Diesel und Hugo Boss in Manhattan, für die er seine Vorzeigelaufbahn als Nachwuchs-Nationalkicker geschmissen hat, ist daran natürlich auch nicht ganz unschuldig, aber wir bleiben hier professionell. Natürlich.

Wenden wir uns also “Zum Glück in die Zukunft” zu. So heißt die zwölfteilige Songsammlung, mit der uns Marteria demnächst beehren wird, und Leute, ich glaube, das wird ganz groß. Sagt Jan Delay auch und da der ja bekanntlich ständig neue deutsche Rap-Hoffnungen ausgräbt, sollten wir ihm in dieser Sache vertrauen. Auch, weil das Sounddesign der kommenden Marteria-Platte die fabulösen Krauts übernommen haben und Herrn Fünfmal-Platin aka Peter Fox hat dieser Umstand schließlich auch nicht gerade geschadet.

<3

<3

Ein Kommentar zu “Endboss

  1. R sagt:

    Die revolutionären Textskills, die ihn auf eine Stufe mit Dende stellen würden, kann ich zwar nicht raushören, aber schlecht ist er nicht, der Junge..

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