SchulzBoehmermann

Hohe Erwartungen vs. Pommes Schranke: ein Schulz und Böhmermann Resümee

 

Folge 3 von 4, da will man nach einer angemessenen Zahl an Stichproben mal Bilanz ziehen und dann ist der Sendeplan von „Schulz und Böhmermann“ auch fast schon wieder vorbei. Fürs Erste. Oder für immer?

Ey, was hab ich mich auf die durch die Zauberkugel geschickte Neuauflage der Talkshow gefreut. Einiges wird anders, das war schon klar. Aus Roche wurde Schulz, der Viva-Zwei-Traum aller 00er Jahre Indieboys (und -girls) gegen den singenden, etwas cholerischen Mann aus der Box ersetzt, der am liebsten jede Frage mit einer Anekdote über sich selbst einleitet. Schade, aber nicht unbedingt schlecht. „Sanft und Sorgfältig“ gibt immerhin meinem Sonntag das, was andere Leute nur im Tatort zu finden scheinen.
Dann ist da wieder das Internet, das mir, noch bevor die erste Ausgabe von „Schulz und Böhmermann“ überhaupt zu 100% gepuffert ist, schon einen reinwürgt. Befehl Z – ich tue einfach so, als hätte ich das Prädikat arg berufsjugendlich und den Vorwurf, man komme an die eigene Vorlage nicht heran, niemals gelesen. Tab zu, Affe tot. Und dann drücke ich Play.
Drei Wochen und genauso viele Sendungen später zappe ich mich auf YouTube durch diverse Interviews um herauszufinden, woran das wunderbare Talkshow-Märchen von Jan Böhmermann und Charlotte Roche noch mal genau zerbrochen war und wie das von mir erkannt und – viel wichtiger noch – verhindert hätte werden können.
Die Kombi Schulz und Böhmermann ist wirklich nicht verkehrt, ob jetzt im Radio, der eine beim anderen als Gast auf der Couch oder sich zusammen zwei Stunden lang durch die Late Line blödelnd, die beiden sind Homies und das merkt man. Nur dummerweise eben auch, wenn sich Jan Böhmermann gekränkt selber 3,5 Minuten Sendungs-Klippo verpasst und durch das Hai-(Five)-Maskottchen des Kölner Irgendwas-Clubs ersetzen lässt, weil Olli sein emotionales Traum-Geständnis nicht ernst genug nehmen will.
Generell fragt man sich bei den neuen „Gimmicks“ im Konzept – besagtes Klippo, angesägte Stuhlbeine, umfunktionerte wie sinnlose Uno-Karten – dann auch heimlich, warum jetzt eigentlich ausgerechnet der Zensierknopf dem Studio-Make-Over zum Opfer fallen musste, wo doch sonst irgendwie auch noch alles aussieht wie vorher.

Was ich, glaube ich, eigentlich mit alledem sagen möchte ist: Charlotte, ich vermisse dich! Man kann eben nicht einfach bei Pommes Schranke die Mayonnaise durch Magerquark ersetzen und erwarten, dass es am Ende genauso geil schmeckt. Fett ist Geschmacksträger. Und … jetzt verrenn’ ich mich hier in irgendwas – jedenfalls: „Sanft und Sorgfältig“, das können Olli und Jan richtig gut! Aber bei der Sendung mit dem Whiskey und der Heiligenschein-Beleuchtung: Team Roche und Böhmermann. 4Life.

Foto: obs/ZDFneo/ZDF/Philippe Fromage

<3

<3