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Die Sache mit dem Dirndl: von Wiesn-Angst und unbekannten Flugobjekten

 

Da musste ich offensichtlich erst in ein anderes Land ziehen, um mich mal freiwillig für ein Wochenende nach München zu begeben. Es ist nicht so, dass ich nicht schon mal dort gewesen wäre – aber eben nicht so ganz aus eigenen Stücken. Ich habe eine Promotion-Vergangenheit im Keller liegen, ganz hinten, unter Tic-Tac-Toe-Fanalben und Vanilla-Kisses-Deodosen. Bewaffnet mit einem gigantischen Glücksspiel-Ufo (bitte keine weiteren Fragen), geschätzten 87 Mio. Flyern und orangefarbenen Daunenwesten katapultierte diese mich und ungefähr sieben andere an Geldnot leidende Menschen zweimal in einem Minivan über ein langes Wochenende in die Weißwurscht-Hochburg. Die Geschichte mit dem Ufo war erniedrigend, 86.999.975 der Flyer landeten in einer aus langer Hand geplanten Nacht-und-Nebel-Aktion auf der Müllkippe und um ein Haar wären mein Lieblings-Leidensgenosse und ich erwischt worden, als wir uns auf die After-Show-Party der Bambi Verleihung gemogelt haben. Ging grad noch mal gut und ich habe Karl Lagerfeld gesehen. Und Tokio Hotel. Soweit also Münchens und meine History.

In zwei Tagen fahre ich wieder hin. Ohne Ufo, dafür mit Dirndl. Was ist jetzt schlimmer? Ganz sicher bin ich mir noch nicht. Für mich ganz persönlich sind Dirndl und Lederhosen ungefähr so sexy und erstrebenswert wie Kanye Wests Yeezy Season 2, aber wer den Planeten Oktoberfest betritt, der hat wohl gar keine andere Wahl. Jedenfalls habe ich in meinem Leben noch nie so oft „Du musst aber“ und „Du kannst doch nicht“ gehört, wie in den letzten zwei Wochen. Ich muss also. Na gut.


„Nicht jeder, der von der Bierbank fällt, ist betrunken.“

Deshalb ist sie jetzt in der Post, die erste Dirndl-Erfahrung meines Lebens und ich deute es bereits als Zeichen, dass sie am Montag nicht, wie eigentlich für sieben sogenannte Stutz extra geordert, als Express-Lieferung in meinem Briefkasten lag. Wenn ich so drüber nachdenke, halte ich es sogar für höchstwahrscheinlich, dass das Universum – oder Zalando – mir hier eine Botschaft zu senden versucht. Ein zusätzliches Beweisstück ist der Tatort vom vergangenen Sonntag, von dem mir vorgestern nachträglich ein Trailer zugespielt wurde. „Nicht jeder, der von der Bierbank fällt, ist betrunken.“ Ok – O M G! Verängstigt und Hilfe suchend rufe ich meine zwei bayerisch verwurzelten Telefonjoker an und lasse beiläufig im Gespräch auch meine Idee fallen, das durch Abwesenheit glänzende Dirndl am Samstag wenigstens mit einem Star Wars T-Shirt aufzupimpen. Ich kann durch die Fernleitung hören, wie wissend (und ein bisschen missbilligend) Köpfe geschüttelt werden. Jaja, ich hab’s ja verstanden, ich muss.

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Die Unterhaltung nimmt ihren Lauf und führt uns von diversen Bauernhof-Porno-Szenarien – wer schon mal in Dirndlbluse Minus dem Dirndl vorm Spiegel stand, weiß warum – über Kotzhügel- und Pisswand-Anekdoten, mehrfach mit Nachdruck formulierten Gaff- und Grabsch-Warnungen zum spontanen Sprach-Crash-Kurs. Ich notiere: Servus, ok. Der Watschnbaum fällt glei um, aha. A Packerl Fotzen is glei aufgrissn, öh… Also ich fasse noch mal zusammen: Aus Ufo, Flyern und Daunenwesten sind ca 10 Jahre später (k)ein Dirndl, eine Pornobluse und a Packerl Fotzn geworden. München, das ist was ganz Besonderes mit uns, ich freu mich auf dich!

Danke an Carolina für das sensationelle Brezn-Foto ♡!

<3

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