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Apple Music Skepsis und die unendliche Jagd nach Taylor Swift

 

„Today we’re announcing Apple Music – the next chapter in music. And I know you are going to love it. It will change the way that you experience music forever.“ Ähm, joa Tim, war meine Reaktion auf die bescheidene Aussage des Apple-Chefs auf der WWDC diese Woche, is’ klar! Es gibt ja auch noch so gut wie keinen anderen Musicstreaming-Dienst…

„Kids today don’t know the struggle“

Ich war vor knapp drei Wochen auf einem Geburtstag, zu dem jemand ein völlig verrücktes Geschenk mitgebracht hat. Eine selbst gebrannte CD mit eigenhändig erstellter Lieblingsmucken-Playlist. Das ist ja beinahe schon retro. Und irgendwie wahnsinnig cool. Wann hat mir das letzte Mal jemand eine extra für mich zusammengestellte CD geschenkt? Und wann habe ich das letzte Mal für mich oder irgendwen anders eine CD gebrannt? Wenn man erst mal so anfängt, müsste man eigentlich bis ins Kassetten-Zeitalter zurücksinnieren und sich an die aus dem Radio aufgenommenen Mixtapes erinnern, bei denen auf jedem zweiten Song noch der dämliche Moderator mit im Anschnitt war, der mal wieder nicht rechtzeitig die Klappe gehalten hat. Aber das führt jetzt wahrscheinlich zu weit. CDs also. Als ich letztens in meinem Insta-Feed auf ein Meme gestoßen bin, auf dem ein Typ in einem fetten CD-Sammelalbum blättert, mit der Punchline „Kids today don’t know the struggle“, wollte ich ihn sofort high-fiven. Ich meine… So! Wahr! Sollten wir vielleicht alle wieder ins Compact-Disc-Bizniz einsteigen, unseren Sammelalben neues Futter geben und die Künstler happy machen?

Wenn es nach Tim Cook geht, nicht. Der schmeißt am 30. Juni seine Apple Music auf den Markt – und hinkt damit ausnahmsweise mal ganz schön hinterher. Streamen wir nicht alle schon seit tausend sieben Jahren bei Spotify? Bei Simfy? Napster? Deezer? Wimp? Whatever? Ich muss an „Not another Teen-Movie“ denken und träume von einer Web-Reality-Serie mit Tim, Spotify-Gründer Daniel Ek, den Deezer-Boys und Jay Z in den Hauptrollen. „Not another Streaming-Service, bitte. Echt jetzt.“ würde sie heißen und sich in einem hippen Fabrik-Loft abspielen. Ab und zu käme Beyoncé zu Besuch… Ich schweife ab!

Rettet Jay Z die (Musik-)Welt?

Was ich eigentlich fragen will: Braucht die Welt noch einen Musicstreaming-Service und kann der so viel besser sein als all die anderen? Was man fast gar nicht erwähnen braucht, ist die Tatsache, dass es Apple Music vorerst (das ändert sich angeblich im Herbst) natürlich nur für iOS-Geräte geben wird. Haken Nummer 1. Musik-Nerds belächeln außerdem die Datenübertragungsrate, die bei Apple nur 256 und nicht 320 kbps beträgt wie zum Beispiel bei Google Play Music und Spotify, Tidal legt sogar noch was obendrauf.

Apropos. Seit März steht ja auch noch Jay Z als Dark Knight auf dem Plan. Bewaffnet mit Beyoncé, Madonna, Rihanna, Alicia Keys, Kanye West, Daft Punk und Jack White versprach er mit Tidal einen Streaming-Dienst, der von den Reichen nimmt und den Armen gibt… ähm, also PRO-Künstler ist. Keine Gratis-Version wie bei Spotify, nüscht für umme, alles ganz fair. Das Feedback ist bisher verhalten bis kritisch, Jay Z glaubt trotzdem weiter an seine Vision. Und sogar Taylor Swift ist zumindest teilweise am Start – können ja nicht nicht alle Musikstreamingdienste von sich behaupten. Die Spotify-ohne-Taylor-Sache ist übrigens tragisch, Lia und ich haben es bis zum heutigen Tag nicht geschafft, ihr Album 1989 einmal vollständig anzuhören – und glaubt mir, wir haben’s versucht. Also alles außer kaufen (du weißt hoffentlich, was du dieses Jahr zum Geburtstag bekommst, Lia?)!

„Ich will 1989 hören, auch wenn ich dafür 19,89 zahlen muss“

Aber was genau sagt uns das jetzt? Sind wir wirklich alle zu geizig, um für gute Musik zu bezahlen? Sind die jahrelang so mühsam angelegten Vinyl-, Kassetten- und CD-Sammlungen bald völlig für die Tonne? Und wird Tim Cook mit Apple Music unser Leben revolutionieren? Eher nicht. Ich will 1989 hören und bin auch gerne bereit, dafür 19,89 zu zahlen. Ich brauche nicht 795 verschiedene Anbieter, sondern hätte lieber einen, der mir genau erklärt, was er sich in die Tasche steckt und was T-Swizzle am Ende bekommt. Geht das, liebe Musikindustrie? Wär supi, danke.

<3

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