Was bringt Olaplex? Ein Selbstversuch

 

Wenn man nicht blond ist, aber blond sein möchte, ist der Weg dahin ungefähr so dramatisch wie alle „Star Wars“-Filme zusammen. Ich hatte schon pissgelbe Ansätze, 100-Euro-Strähnensalat, richtig schöne Farbverläufe und neuerdings wieder Khaleesihaare. Eine komplette Blondierung halten meine Haare – ja, sie sollen überschulterlang bleiben – aber genau dreimal aus. Danach brechen sie und verwandeln sich in zu lang gekochte Spaghetti. Vom heiligen Gral unter den Haartreatments las ich im April zum ersten Mal im Nylon Magazine: Blondieren, aber schonend. Geht jetzt. Angeblich. What?

„Kennst du Olaplex?“, frage ich meine Freundin Katja bei WhatsApp. Sie lebt in Bushwick und hat hellblonde Haare, seit ich sie kenne. „Ich bin natürlich schon Nutzerin.“, textet sie zurück. Ich bin kurz davor, unser Vertrauensverhältnis extrem anzuzweifeln, weil sie mir nichts davon erzählt hat. Das drücke ich mit 14 Fragezeichen aus. „Ich war total skeptisch, es klang zu sehr nach Wundermittel. Aber meine Haare sind so weich und schön.“ Katjas Stylist, der ihr die Sache an Herz gelegt hat, arbeitet im Seagull Hair Salon NYC, schreibt Artikel wie „Why It’s Time To Start Breaking Hair Rules“ und ohne ihn getroffen zu haben, glaube ich, dass er mich letztendlich überzeugt hat, das Ganze zu testen.


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„Kennst du Olaplex?”, fragt mich eine Woche später meine Freundin Jules, mit der ich sonst gemeinsam glitzere. Ihre Naturhaarfarbe ist ein paar Nuancen heller als meine, seit 1,5 Jahren trägt sie aber Schneewittchen-Dunkelbraun. Helle Haut, knallblaue Augen, Bombe. Trotzdem vermisst sie ihr Blond und wir (ganz ehrlich) auch. Also zurück? Ja, aber wenn, dann an einem Tag. Von Schwarz auf Blond. Lauri und ich feuern sie an, obwohl es ein kleines Vermögen kosten wird. Vielleicht, weil wir uns alle mit blonden Haaren kennengelernt haben und sich das Ganze deswegen so nostalgisch sweet anfühlt wie damals die gemeinsamen Mittagspausen auf dem Hügel im Park am Nordbahnhof.

Als wir uns entscheiden, gemeinsam zum Friseur zu gehen, haben wir natürlich keinen Schimmer, dass wir uns das einzige Wochenende mit 38 Grad in Berlin aussuchen. Und gemeinsam ist auch übertrieben, weil Jules ab 10:30 Uhr für die Schwarz-zu-Blond-Komplettverwandlung antritt, während ich sieben (ja, sieben) Stunden später zum Ansatz nachfärben dazukomme. Natürlich haben wir Angst, aber das lassen wir uns nicht anmerken. Unsere Wangen funkeln (oder ist das der Schweiß?). In meinem Kopf läuft ein Superhelden-Intro auf Repeat. Olaaa-plex!

Olaplex ist übrigens keine Blondierung, sondern ein Drei-Schritte-Haarstruktur-Helfer aus Kalifornien. Wie er genau funktioniert und was drin ist, kann man auf der Website nachlesen. Zusammengefasst: Nummer Eins wird zur Blondierung, Tönung oder Farbe gemischt, Nummer Zwei nach dem Auswaschen auftragen, Nummer Drei gibt’s optional für Zuhause zum Nachbessern. Chemie, aber ohne Silikone.


Olaplex, the Chewie to my Han Solo, the Robin to my Batman?


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Sonntagnachmittag. Es ist immer noch brütend heiß, als ich neben Jules mit in Plastikfolie gepackter Mähne auftauche. Ihre Haare sind noch alle dran und… hell. Superhell. Supergut. Ist aber noch gar nicht fertig, weiß ich ja. Jules ist Zen, überhaupt sind alle bei Andreas Kurkowitz Colouring, unserem Friseur in der Brunnenstraße, wahnsinnig Zen. Ich fühle mich nicht hip eingeschüchtert, und ich bin wirklich socially awkward, und nicht mal als Lauri und ich mit einer Banane für Snapchat telefonieren, werden wir schief angeschaut. Man weiß hier, was man tut und ist gleichzeitig unangestrengt lieb.

Außerdem gibt es Mini-Magnumeis am Stiel, was diesen Artikel natürlich keinesfalls beeinflusst hat.


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Als ich im Waschbecken liege und die Farbe abgespült wird, rutscht mir dann doch noch kurz das Herz in die Kniekehlen. Es wird nämlich „aschiger als vorher“. Mein innerer Ansatzhulk baut sich auf und gibt mir die Kraft, meine Haare trotz Hochsommer-Temperaturen zu Ende zu föhnen, um gleich darauf… wieder nackt mit einem Cocktail über die Wiese zu hüpfen (der Hulk! der Hulk!). Mein Khaleesihaar ist nämlich jetzt real, genau richtig aschig, irgendwie natürlicher und wäre ich nicht so schüchtern, würde ich wohl jemanden abknutschen. Stattdessen bedanke ich mich brav und schüttle beim Bezahlen im Sekundentakt mein Haar.

Erstmal ein, zwei Tage nicht waschen (mein Spezialgebiet) und nicht zu viel Hitze, wird uns als Empfehlung mit auf den Weg gegeben. Außerdem gelernt: Olaplex macht nicht, dass jeder Haarschaden wieder gut wird, aber die Haare fühlen sich nach dem Blondieren nicht mehr wie Gummi an. Auch jetzt, nach mittlerweile dreimal waschen, ist alles noch weich, fluffig und eher Zuckerwatte als saure Schnüre vom Späti. Jules ist seit mehr als einer Woche wieder blond und langsam erkennen wir sie auch von Weitem:


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Ich glaube, „and they lived happily ever after“ könnten wir uns beide gut als Abspann vorstellen. Wissen aber auch: Wenn Olaplex Chewbacca ist, ist Andreas Kurkowitz mindestens Han Solo.


<3

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