"Dallas Buyers Club" Los Angeles Premiere - Arrivals

Haare: Der Aufstieg der Gentlemähne

 

Eine meiner liebsten Jahresrücksblicksmeldungen entdeckte ich im Dezember bei Facebook: 2014 stieg der Bedarf an Extensions bei Männern um 200 Prozent. Ehm, okay. Warum?

Als Orlando Bloom bei der letzten „Hobbit“-Premiere erklärte, dass er froh sei, jetzt mal abzuschließen, war es schon zu spät. Die Gentlemähne war längst erfunden. Gentle, weil das Haupthaar so unfassbar sanft über die Schultern fällt – bei Kerlen, an denen man eher einen Undercut vermutet hätte.


#LongHairDontCare?

Abgeguckt haben könnte man in Wacken. Metalhaar für mehr Badass-Faktor? Viel zu offensichtlich. Außerdem ist der Mythos durch: Die Jungs von Metallica schnitten sich in den 1996ern die Haare, kurz bevor ihr Album „Load“ erschien und die Fans fühlten Verrat, den wir nur von der Take-That-Auflösung kennen. Gucken wir zurück auf die Leinwand: Orlando Bloom spielte den Elfenhelden Legolas, seine erste große Rolle, mit einer wehenden, platinblonden Mähne. Da mithalten kann aktuell höchstens Daenerys Targaryen, die Drachenlady in „Game Of Thrones“.

Das Problem: Wenn Orlando die Perücke abnahm, hatte er immer noch volles Haar, braune Locken, glänzend, Wahnsinn. Dann kam Jared Leto mit seiner überschulterlangen Ombre-Mähne, dem perfekten Farbverlauf zwischen Blond und Braun. Er gewann 2014 nicht nur einen Oscar, sondern ist mit 30 Seconds To Mars auch längst Rockstar. Diese Woche wurde Jared das Gesicht seiner eigenen, mysteriösen Bauchtaschen-Kampagne. Er steht ohne T-Shirt am Strand, seine Mähne weht im Wind.

Als ich meinen Freund vor ein paar Jahren kennenlernte, hatte er längere Haare als Jared jetzt. Er trug das, was man an Olivia Palermo als messy low Ponytail bezeichnen würde und eine Cap. Irgendwann, kurz bevor er mein Freund wurde, schnitt er sich die Haare ab und ich brauchte zwei Tage, um es überhaupt zu merken. Sind lange Haare nur an Boys wie Jared Leto oder Legolas außergewöhnlich, weil der Held normalerweise getrimmtes Haupthaar zu besitzen hat?


Er hat’s von seiner Mama

Auf den Laufstegen, zum Beispiel bei Saint Laurent, geben sich für Frühjahr/Sommer 2015 die 60er und 70er die Klinke in die Hand. Hippie-Haare inklusive. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied, erklärt Andrew Jose, Hairstylist von Burberry-Model Campbell Bower, der Daily Mail: Langes Männerhaar soll bitteschön gepflegt sein. Es gibt keinen Wildwuchs wie bei John Lennon, dafür aber Texturprodukte. Wer nicht so lange warten will, lässt sich halt Extensions machen. Würdet ihr, Jungs? Die Statistik sagt ja. Jareds Haare wollen alle. Er ist Legolas, Daenerys, „Friends“-Jennifer Aniston und der Saint-Laurent-Boy in einer Person.

Er rauche und trinke nicht, verriet sein Friseur Chase Kusero The Cut, als man ihn nach Jareds Haargeheimnis fragte. Die guten Gene von Mama Constance. Er ernähre sich vegan. Okay, und manchmal ein bisschen Öl (für die Haare).

Lange Haare sind keine Selbstfindung oder Revolution mehr, sondern das Resultat von #Cleaneating. Gentlemähnen eben. Heldin und Held haben die gleichen Superhaar-Voraussetzungen, solange sie gesund essen. Das ist nicht heiß, sondern… laaangweilig. Versteht mich nicht falsch, gesund essen ist super, trotzdem will ich mehr Revolution und weniger Brokkoli. Mwah. Ich besitze seit Jahren keinen Fön, aber viel zu viele Texturprodukte. Schmeißen wir die bitte aus dem Fenster. Boys, seid wild, Mädels, ihr auch. Fuck you Gentlemähne, das schönste messy Beach Hair ohne Strand gibt’s, wenn man mehrere Stunden Kekse im Bett konsumiert und Serien guckt. Jared, du bist herzlich eingeladen!

Auf dem Foto: Constance Leto und Jared Leto bei der Los-Angeles-Premiere von „Dallas Buyers Club“, Photo by Emiley Schweich / PR Photos

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