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TV-Tipp: Neo Magazin Royale und die große Frage: Ach Mann, Dendemann, warum du bist du eigentlich nicht mein Ehemann?

Zugegeben: Die Überschrift verrät schon, dass ich besser keinen Lovesong schreiben sollte. Wäre eh bescheuert, weil der Empfänger für einen der besten, deutschen Lovesongs verantwortlich ist („Lieblingsmensch“ nämlich). Dendemann, vierzig, ist einer der schönsten deutschen Rapper und hat natürlich keine Ahnung, dass ich existiere. Das ist okay, es gibt gerade ja auch viel zu tun. Dendemann ist neuerdings der heimliche Star des ZDF. Ja, richtig gelesen. Inklusive Band gehört er seit letzter Woche zum Inventar von Jan Böhmermanns frisch aufgelegter Late-Night-Show Neo Magazin Royale, die nicht mehr nur bei ZDF Neo läuft, sondern auch im Hauptprogramm, hello!

Ich mag die Show. Jan Böhmermann auch, vor allem, weil ich ein wirklich großer „Roche & Böhmermann“-Fan war – die perfekte Talkshow für alle, die sonst Lanz gucken und heimlich Viva 2 vermissen. Mittlerweile ist „Roche & Böhmermann“ Geschichte, aber es ist nicht alles schlecht: Die Produktionsfirma von damals ist schließlich immer noch mit Jan Böhmermann unterwegs und produziert jetzt auch die neue Show. Wie ich’s beschreiben würde, damit ihr es guckt? Das Konzept wirkt, als hätte Harald Schmidt Internet bekommen. Und hey, wie gut ist bitte der Vorspann?


The Questlove to my Jimmy Fallon, the Heavytones-Herb to my Raab?

Das soll uns aber nicht vom heimlichen Hauptdarsteller ablenken: Dende! ‘Nen Moment hatte er in den letzten 20 Jahren häufiger. Da war Eins Zwo, seine Spätneunziger-Rapcombo. Oder das allererste Soloalbum „Die Pfütze des Eisbergs“, das 2006 rauskam. Trotzdem sollte es da noch ein Jahr dauern, bis wir uns, na gut, okay, ich ihn kennenlernte.

Es passierte bei einem Beatsteaks-Konzert. Ich trug ein Sex-Pistols-T-Shirt, stand ganz vorne und fühlte mich wild. Die Vorband war keine Schrammelcombo, sondern ein einzelner Typ. Die Bühne hätte ihn verschlucken müssen. Tat sie aber nicht. Mwah, Dendemann! An diesem Abend musste ich lernen, dass Rapper mit handelsüblichen Gitarrenboys nicht nur gleichziehen, nein, sondern auch noch wahnsinnig heiß sein können. Ich mochte damals ja gar keine Rapper. Doch allein Dendes Stimme hat mehr Rock’n’Roll als der ewige, gitarrenwechselnde Bandmann. Ich stellte mir vor, wie wunderbar es wäre, mit ihm ICQ-Nachrichten auszutauschen (es waren die Nullerjahre! In Bayern!). Mein Buchstabenfetisch gegen deine Reimeskills. Der bescheuerte Effekt, dass ein Typ sofort attraktiv wird, weil du ihn auf eine Bühne stellst und ihm ein Mikro in die Hand gibt? Ja, aber nicht nur. Deutsche Endneunziger-Rapper sind meistens väterliche Figuren. Ich muss mir dann immer vorstellen, dass wir barfuß in der Küche stehen und sie mir sagen, ich solle doch Socken anziehen. Erkältungsgefahr und so. Das ist nett, aber nicht heiß.

Dendemann ist dagegen schon mal semi-vernünftig. Das stelle ich mir zumindest so vor. 2010 lässt er sich einen Vokuhila und eine Rotzbremse wachsen, um Trucker-Cap-tragend „Vom Vintage verweht“, ein Schrammelbeats-meets-Rapalbum zu veröffentlichen. Eine kurze, unvollständige Liste, warum er jetzt immer noch großartig ist: Dendemann sampelt in „Papierkrieg“ Tocotronic. Dendemann mag außerdem Serien, zumindest, wenn man einem Juice-Interview glauben darf. Ach, Dendemann.


Neo Magazin Royale, du Nyan-Cat der Öffentlich-Rechtlichen


Jetzt ist er Bandleader und Sidekick in einem und machte seine Sache in der ersten Neo Magazin Royale Ausgabe schon mal ziemlich gut. Jan Böhmermanns Show ist lustig, aber auch nischig und wer nicht weiß, welche Hashtags nochmal wann für was standen, kann sie seltsam finden. Andererseits ist das Neo Magazin Royale eine Fernsehshow für deine Timeline und deshalb das Beste, was dem öffentlich-rechtlichen Programm passieren kann. Ich habe einen Fernseher und benutze ihn aus Überzeugung. Deswegen glaube ich: Erst wenn das Verhältnis von Timeline-TV, Schlagershows und dem ramontischen Arzt aus der waldigen Nachbarschaft ausgeglichen ist, darf man über zu viel Special Interest motzen. Neo Magazin Royale, du Nyan-Cat der Öffentlich-Rechtlichen, wir mögen dich! Und Dendemann, dich auch.

Vermutlich mag ich das Neo Magazin Royale vor allem wegen Dendemann. Aber hey, wie sieht seine neue TV-Rolle denn jetzt eigentlich wirklich aus? The Questlove to my Jimmy Fallon, the Heavytones-Herb to my Raab? Ja und nein. Auf jeden Fall kein Hauch väterliche Figur trotz Cap und Sakko im Fernsehen, sondern mehr so der Typ, mit dem man bei einem Bier quatscht. Breaking Bad auf der Couch guckt und sich wünscht, man hätte früher mal bei ICQ geschrieben. Dass sich Dendemann so gut auf Ehemann reimt, kann kein Zufall sein.

Das Neo Magazin Royale läuft Freitagnacht im ZDF. Und ja, #ZDFiscool ist echt das Sendungshashtag.

<3

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Ein Kommentar zu “TV-Tipp: Neo Magazin Royale und die große Frage: Ach Mann, Dendemann, warum du bist du eigentlich nicht mein Ehemann?

  1. Eliana sagt:

    Oh du sprichst mir aus der Seele! Wobei bei mir das Neo Magazin Royale daran schuld ist, dass ich erst vor kurzem auf den guten Dende stieß und dieser tatsächlich im Alter meines Vaters ist. Aber seit etwa zwei Wochen läuft bei mir Dendemann rauf, Dendemann runter und macht mich unglaublich glücklich.

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