Die bessere Katy

Was passiert, wenn wir die Haare von Katy Perry, die Schuhe von Lady GaGa und den Make up-Vorrat einer Transe zusammenklatschen? Jessie J. Also hassen wir sie. Aus Konzeptbitchgründen. Wäre da nicht diese unglaubliche Stimme und ein SNL-Auftritt, der unsere Artikel-Idee einmal quer durch den Raum kickte. Ich möchte mich ausziehen und an den Tönen reiben, die aus Jessie Js Mund kommen, ich möchte wieder in einer Radio-Morning Show arbeiten, wegen Price Tag, um fünf Uhr morgens die Studioboxen aufdrehen, schmerzhaft laut, drei Kaffee exen, auf dem Mischpult rumrutschen und Cha-Ching-Cha-Ching gröhlen, genau so, wie es eigentlich nur mit Rihannas Umbrella-Ella-Ella-Eh-Eh funktioniert und dass ich die Letzte bin, die von Jessie Js Existenz erfährt, während sie das ganze Internet schon vor tausend Jahren in der U-Bahn singen hörte, ist tragisch, aber ich schweife ab.


Goldglitzernde 20-Zentimeter-Absätze

Jessica Cornish wird vor dreiundzwanzig Jahren in Essex geboren. Kurz darauf legt ihr das Universum ein fettes Stück Musik-Feingefühl in die Wiege. Beste Voraussetzungen also, um irgendwann mit geradem Stirnpony, zarter Optik und hochnäsigem Akzent auf der Bühne zu stehen und “But I cahaaaan’t” zu piepsen. Aber warum auf Myspace-Mädchen machen, wenn man sich einen Bitch-Namen und eine Bling-Bling-Kette zulegen kann und auf goldglitzernden 20-Zentimeter-Keilabsätzen mal eben die Überreste des Nullerjahre-Sweetheart-Tums zermalmt?

“Stomp stomp I’ve arrived / Drop the beat, nasty face / Why ya lookin’ at me?”, mault sie uns in der aktuellen Single-Auskopplung “Do It Like A Dude” entgegen, verzieht die stacheligen Lippen, gestikuliert pseudomäßig in Richtung Schritt, man weiß Bescheid. Den Song soll sie ursprünglich mal für Rihanna geschrieben haben. Aber selbst die hatte irgendwann Angst vor den Glitzerhooves. Vermuten wir. Bleibt nur noch die Frage, was das eigentlich soll. Hatte ein windiger Manager noch ein paar irre Ganzkörperumhüllungen und so viel Inspiration vom letzten Straßennutten-Beauty-Tutorial übrig, dass er daraus mal eben ein neues Popsternchen zimmerte?


Justin, Miley, Dr. Luke

Nicht wirklich. Justintimberlakeiges Checkertum, ein chrisbrowniger HipHop-Soul-Hauch und mileycyrusmäßiger Bubblegum-Pop ist im Gesamtkonzept vorhanden – aber nur, weil Fräulein J die chartigen Celebrities höchstpersönlich mit handgeschriebenen Tracks versorgt haben will. Und das klingt gar nicht mal so unrealistisch: Nachdem sie sich mit gerade mal achtzehn Jahren von einem leichten Schlaganfall erholt hatte, jobbte Jessie bei Sony. Als Songwriterin. Parallel dazu packte sie sich KatyKeshaAvrilPinkBritney-Hitmacher Dr. Luke und schraubte mit ihm mal eben an ihrem Album-Debüt. Selbstgeschrieben. Fünf-Oktavig. Außerdem hasst sie Betrunkene und liebt Macker genauso wie Mädchen.

Jessie J ist mein weiblicher Bruno Mars. In groß. Mit ganz viel Farbe. Und Absätzen. Und Hoffnungsglitzern: So ganz nebenbei scheinen sich Singer-Songwriterinnen endlich wieder von zarten Selfmade-Gitarrenmädchen mit Laubwald-Knipse-Gesicht in goldkettenbehängte DIY-Sixpack-Bühnenknutscherinnen mit knallpinkem Lippenstift verwandeln. Die die Zähne fletschen – und trotzdem ganz lieblich “We just wanna make the world dance / forget about the price tag” trällern. Manchmal. Liebe Musikindustrie, wir sind begeistert. Und jetzt klickt ihr hier, um euch Jessie Js exorbitante Saturday Night Live-Performance anzugucken. Danach kommt ihr zurück und stimmt mir zu. Los!


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3 Kommentare zu “Die bessere Katy

  1. Günni sagt:

    you’re welcome!
    mal schaun was ich nächste woche auftischen kann ;-)

  2. Lia sagt:

    Günni <3

  3. rs 3 gold sagt:

    deliver rs 3 gold this morning and they are so pleasant and manner.

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