
Konfetti husten, durch die Tür hüpfen, am offenen Fenster den Kopf stoßen, der Blondine in den Ausschnitt gucken, oder Seven Of Nine, weil die Star Trek-Nacht auf kabel eins dein Tageshighlight ist, sind noch Chips im Kühlschrank, das war zu viel Plastikflaschenbier, eine Fleischplatte frühstücken oder sabbernd auf der Couch einschlafen, heimlich für den RTL-Justin Bieber anrufen, deine Partyseele liegt irgendwo hinter der Bravo Hits 22, bewegungsunfähig, eingestaubt, Nichtrauchen ist ungesund.
Freitag abend. Wir ziehen die Schuhe aus. Jemand drückt auf Fast Forward und macht unser Leben zu Victors Eurotrip in Rules of Attraction. Wochenende ist gefühltes Tigerbluttrinken oder eine irre Web-TV-Show drehen, nur schneller und auf einmal. Unsere Welt charliesheenisiert sich Woche für Woche, achtundvierzig Stunden lang. Selbst wenn wir uns nicht mal mehr sicher sind, wie man Party eigentlich ausspricht. Koks oder Couch, was du tust, ist irrelevant, wenn ein Stückchen Unendlichkeit vor dir liegt. Der Biorhythmus macht Kopfstände, das Pflichtbewusstsein einen Lapdance, die Synapsen eine Zieh-dich-so-an-dass-du-gevögelt-wirst-Party*, alles ist möglich, der Seelenverwandte wartet direkt nach der großen Samstagsdoku, bestimmt.
Wir surfen auf einer Welle an Nichtsmüssen, blinzeln in die Sonne und werden auf dem Höhepunkt vom perfekten Sonntags-Promidinner gerammt. Hier steht kein Superman, der uns auffangen könnte. Vielleicht knallen wir deshalb so unsanft auf die Pflastersteine der neuen Woche. Hello, Monday.
Sind wir kaputter als früher – oder reden wir einfach nur mehr darüber? Sind wir so vernetzt, dass sich pünktlich mit dem Montagmorgenweckerklingeln ein müdes Grundgefühl einstellt? Ich müsste jedenfalls dringend ins Bett, seit fünf Jahren, ungefähr. Obwohl ich Samstag abend vor der Aldi-Kasse anstehe und nie in der Clubschlange. Das ist gesund, wahrscheinlich. Und trotzdem habe ich Jetlag, wenn die Zeit von Ohmygoditsfridayiminlovesmackmybitchupspeed auf Wochenanfangsunserblauerplanetdokutempo umschaltet.
* Guckt The Rules Of Attraction. Wirklich. Da machen die sowas.
Bild: twkonefal
Naja, warste schonma besser, Süße. Aber: “Charliesheenisierung” gefällt mir.
Und die Vor-Freitagabendparty-Party nicht vergessen
“Ich müsste jedenfalls dringend ins Bett, seit fünf Jahren, ungefähr.” gefällt mir. Kann ich mich mit identifizieren…
Verwechseln der Wochentage, nicht mehr zuordnen können der was-haben-wir-nochmal-wann-gemacht Fragen. Auf den Terminplaner (wenn denn vorhanden) schauen und feststellen dass man nicht weiß wo die Tage sind, wo das Geld ist, wo der Verstand eigentlich steckt. Der hängt meistens noch irgendwo über der Kloschüssel vergangener Nacht und wartet darauf abgeholt zu werden.
Ich glaube wir sind wirklich kaputter als früher. Wirklich ja. Und dann reden wir darüber um Leidensgenossen zu finden in der Welt des Nichtmehraufwachenwollens… oder eben nichtmehrschlafenkönnens.