Britney Spears ist fast dreißig und hat mindestens so viele Comebacks hingelegt. Das letzte Bekannte endete mit einem Bierbauch im Glitzerbikini. Hab ich gehört. Dass es “…Baby One More Time”-Produzent Max Martin jetzt nochmal richten soll und ihr ein paar Tracks verpasste, ist mir aber scheißegal. Weil sie für mich immer die wundervolle Retterin meiner Elfjährigkeit bleiben wird. Und mir folgende Lebens-Lektionen beibrachte: (Ungefähr so wie Peter Lustig. Nur mit einem glitzernden Wohnwagen mit von Xzibit gepimpten Reifen, kurzen Röcken und Justin Timberlake als Bastelpartner.)
01 Englisch. Britneys “…Baby One More Time” machte uns in den späten Neunzigern alle zu Schuluniform-Nachstylerinnen: Echter als die Spice Girls, tittiger als die Backstreet Boys. Doch was sang die Lady da noch gleich? Wir beratschlagten uns auf dem Grundschul-Pausenhof energisch. Am nächsten Tag kam Anna triumphierend in die Klasse: “Meine große Cousine hat schon Englisch und sagt, es heißt: ‘Schlag mich, Säugling, noch einmal!’”. Ich war entsetzt. Und beschloss noch am selben Tag, mich so lange mit dieser Sprache zu befassen, bis ich das widerlegen konnte.
02 Chillen. Kennt ihr das? Ihr habt gerade die siebte Klasse abgeschlossen und kapiert, dass irgendwas nicht stimmt. Mit euch. Ihr findet neuerdings, dass ihr der einzige Mensch des Planeten seid, der weder viermal pro Woche Party macht noch das gesamte Taschengeld für Kondome ausgibt. Ich war das uncoolste Mädchen der Welt – und fest davon überzeugt, nie einen abzukriegen. Dass ich nicht heulend allen Penissen abschwor, lag nur an ihr: Schließlich würde Britney trotz Justin Timberlake Jungfrau bis zur Ehe bleiben. Und damit wäre ich selbst beim ersten Mal im Rentenalter noch cooler als sie. (LALALALA UND DASS BEI FRAU SPEARS UNTENRUM ALLES GANZ ANDERS WAR WILL ICH GAR NICHT HÖREN).
03 Dass es okay ist, auch mal nicht zu gewinnen. Wir guckten die Grammy Awards 2000 und waren uns sicher. Britney Spears hatte so ziemlich alles abgeräumt, was die frühen Nullerjahre musikalisch am Start hatten. Inklusive unserer Herzen. Dann kam der große Luftanhalte-Moment: Ein paar Ladies betraten die Bühne, öffneten den Umschlag und verkündeten den “Best New Artist”: Christina Aguilera. Wir nannten sie Bitch (heimlich), mussten es aber akzeptieren (offiziell). Der optische Vergleich im Jahr 2011 ist unsere spätere Rache.
04 Dass er wirklich auf mich steht. Irgendwann kommt der Punkt in der Karriere eines Celebs, an dem er Dinge tut, für die er niemals vorgesehen war: Madonna machte Theater, Charlie Sheen eine Entziehungskur – und Britney? Drehte einen, ähm, Blockbuster namens Crossroads. Dass es tatsächlich einen Teenie-Macker gab, der scharf genug auf mich war, um sich 89 Minuten lang geballte Bubblegum-Roadmovie-Grütze reinzuziehen, macht noch heute ein Drittel meines Selbstwertgefühls aus.
05 Dass öffentlichkeitswirksam mit Frauen knutschen und sich betrunken ‘ne Glatze schneiden keine sexy-rebellischen Akte sind, sondern der Anfang vom Ende. Britney und Madonna lösten durch ihre VMA-Aktion nicht nur eine endlose Flut von schwarz-platinblond gefärbten Damen aus, die sich vor dem Partyfotografen für XxXsexypartychickzZz-in-kleinwayneistan.de die Zunge in den Hals steckten. Nein: Heimlich glaube ich immer noch, dass Frau Spears’ 2007er Frisen-Faildings der Grund für den anhaltenden Streichholzkurzhaar-Trend ist. Und der verpasst praktisch jeder normalgesichtigen Frau die erotische Ausstrahlung von Doug Heffernan. Außer, wenn du Natalie Portman heißt. Ehrlich.
Unterschreibe ich alles genau so! Ok, außer das mit Crossroads, denn ich war noch uncooler und musste es mit meinem schwulen besten Freund gucken!
Danke.
Geschmunzelt. Nachhaltig sogar. Bringt uns Jungs Euch Aliens wieder ein wenig näher. Und jetzt geh ich grillen. Ein Hühnchen.
HAHAHA sehr schön, vielen Dank!
Danke, ihr Lieben! Jetzt muss mir ThilliMilli zum vollkommenen Glück nur noch ein Stück Grillhühnchendings vorbeibringen.
Wird man heutzutage eigentlich verurteilt, wenn man als pubertierender kleiner Junge auf Britney Spears steht?
@Tirolblogger – ist doch egal, oder? Die meisten hören sich Britney Spears selber immer noch an, sonst wär sie ja nicht ständig auf der #1. Toller Artikel!