
Die neue Ausgabe des Oxford English Dictionary wird uns schwarz auf weiß erklären, was lol heißt. Oder omg. Oder <3. Eine Herzensangelegenheit für den Autor. Also mich.
Ich weiß noch, dass es in einem dieser Chatrooms passierte. Irgendwann, im letzten Jahrtausend. Ich hatte schon davon gehört, war aber noch nie dort. Es fühlte sich … gut an. Komisch gut. Wie Nacktbaden im Dunkeln. Bis mir drei Buchstaben vor die Netzhäute geknallt wurden. lol. Bitte was? Ich hatte keine Ahnung und damit konnte ich mich nicht zufrieden geben. Die Minuten verrannen. Der Sekundenzeiger zitterte. Eine Ewigkeit in Internetzeit. Ich atmete tief ein, nahm all meinen Teenie-Mut zusammen und tippte: “ey, was heißtn lol?”
Das virtuelle Schweigen erdrückte mich. Dann brach es über mich herein. Der vorsintflutliche Shitstorm. Die Digitalwatschn. “lol du opfa!” – “wtf was bistn du fürn vollnoooob!!!!!!111”. Okay. Verstört loggte ich mich aus und schwor mir, diesem trendigen Internet-Scheiß nur noch vorbereitet zu begegnen, verdammte Kacke.
Mittlerweile ist lol aus den dunklen Tiefen der Neunziger-Chatrooms in das Bewusstsein der Welt gekrabbelt. Jeder chattet. Jeder kennt es. Doch wer versteht es? Bei <3 und seinen pixeligen Geschwistern geht es nicht nur um praktische Abkürzungen. Jede Szene, jede Clique, jeder Freundschaft hat ihre Sprache. Sie stärkt das Wir-Gefühl. Schließt alle Unwissenden aus. Und lässt sie erst rein, wenn sie nicht nur die Bedeutung, sondern auch die Dynamik der Begriffe verstanden habe. Das klingt gemein, ist aber praktisch.
Wenn jetzt also sowas wie “lol = laughing out loud” in die Wörterbücher dieser Welt getippt wird, haben wir nicht mehr als eine nüchterne Definition. Was sie für uns bedeutet, ergibt sich erst in unserem alltäglichen Bezugsrahmen. Seit Jahrtausenden werden Gefühle beschrieben. Doch niemals war die Verbindung zwischen Sender und Empfänger so stark. Ich liebe dichs und Ich dich auchs sind unmissverständlich. "<3" und "!” erfordern ein höheres Maß an Empathie. Und das brauchen wir. Die Evolution der Emotionen ist digital.
BILD: Victoria
Nein.
Das finde ich dann doch ein bisschen viel des Guten. Es ist okay, dass es diese Abkürzungen gibt und die Eistütenherzchen (<3 zwei Kugeln, Vanille und Schoko) benutze ich selbst ja auch sehr gern. Allerdings würde ich an den Gefühlen meines Freundes zu mir zweifeln, wenn ihm die Zeichen in einer Sms zu kostbar wären und er nur "ILD" schreiben würde.
oh motd! imnsho, c&p des web zu irl is np. eben alles faulheits und abgrenzungsgedöns. manchmal auch sehr lustig: http://goo.gl/AsNYF
“lol” ist niederländisch und heißt “spaß”. lolig = spaßig. die spinnen doch… dat is toch lolig!