Natürlich stehe ich auf Schmerzen. Warum würde ich mir sonst neben drei großbrüstigen Latte Macchiato-Muttis mit Kokosduftschweiß zu einem Techno-Medley der aktuellen deutschen Single-Charts die Lunge aus dem Leib keuchen? Es gibt diesen Remix. Die Fitnessstudio-Kursleiter dieser Welt kauften ihn im Jahre 5 nach Christus von einem zahnlosen Händler im Marusha-Kostüm. Vermutlich.
Ich nenne es akustischer Amoklauf und weiß, dass die Hölle ein Ort sein muss, an dem ich Sport mache, während die Black Eyed Peas “I’ve h-h-h-had the time of my life” singen (und mit einem “Leute, wollt ihr Party?”-Trenner von der “Freaky Like Me”-Eurodance-Version unterbrochen werden).
Natürlich wähle ich im Kursraum den Platz am Fenster zur Trainingsmuskelpumpfläche. Der herabschauende Hund (die unmöglichste Yoga-Position der Welt) flasht in der Entspannungsphase schließlich nur, wenn man von zehn Arnie-Lookalikes mit Baustammarmen angefeuert wird. Dazu läuft “Grenade” von Bruno Mars. Immer.
Er flennt “Yeah Yeah Yeah”, meine Knochen knacken im Takt, meine Muskeln stöhnen, sein Background-Chor auch. “I’d catch a grenade for ya”? Schätzchen, wenn ich einen Superhelden will, ziehe ich mir einen Spiderman-Porno rein. Bruno Mars kann nichts dafür, aber ich hasse ihn. Weil er das Finale meiner wöchentlichen Selbstfolter rhythmisch untermalt. Und ein bisschen, weil er als Songwriter mit Floridas “Right Round” genauso einen Hit landete wie mit Cee Lo Greens “Fuck you”. Also war er raus. Bis ich in einer großen deutschen Unterhaltungsshow (die Schmerzen, ihr erinnert euch) eine schicke Live-Umsetzung hörte.
Und jetzt bin ich ein bisschen verliebt. Also sperre ich mein schlechtes Indie-Gewissen zu den aufgeschobenen To Do-Listen, drücke den Play-Button und jaule “Easy come, easy go, That’s just how you live, ohhh”. Bis ich bemerke, dass ich im Park um die Ecke sitze und es spätestens jetzt Zeit ist, hinter ein paar Gänseblümchen zu verschwinden.
BILD STARTSEITE: Brothers Le
Komisch, mir ging es genau so. Kann das Lied eigentlich nicht ertragen, aber so gefällt es mir komischerweise schon. TZ.
das ist … die absolut perfekte beschreibung der hölle!
und aus dieser hölle bin ich soeben entkommen…
oh ja, ich verstehe auch nicht, wie man sich so urplötzlich ein bisschen in bruno mars verlieben kann und dieses herzzerreißende lied bis zum erbrechen hören muss, weil man diesem kleinen hawaiianer (schreibt man das so?!
) wirklich jedes einzelne wort wirklich abnimmt.