Es gibt vier unvermeidliche Fragen, die fallen, wenn man zum ersten Mal mit Anna, Jonas und seinem Kumpel die Mittagspause verbringen muss. Auf die Heyichbindingsunddusos, Wasmachtsdus folgt HastdueigentlichnFreund und – bei bravem Nicken – ein “Ach, wie lange seid ihr denn schon zusammen?”
Hat man die bessere Hälfte nicht gerade mit den Worten “There are only two reasons to date a girl you’ve already dated: breast implants!” (Barney Stinson, natürlich.) vom Bar-Tresen gefischt, wird geschluckt. Und gerechnet.
Das “Ähm, zwei Jahre. Ungefähr?” ruft leises (bis mittellautes) Jaulen hervor. Man verschluckt sich demonstrativ an den Drinks, prustet theatralisch und mimt einen siebenfachen Herzkollaps. Mit Einnässen. Denn Twentysomething-Menschen sind überzeugte Singles. Und glauben, dass die Dauerbeziehung das WeTab unter den zwischenmenschlichen Zusammenlebensformen ist. Wer etwas auf sich hält, ist frei, hat Spaß, poppt jeden Tag 3,5 Frauen, 1,2 Männer und manchmal auch ein Schaf. Weil er es kann.
Man verknallt sich auf den ersten Blick, entliebt sich auf den Zweiten
Die Suche nach der großen Liebe ist was für IKEA-Blümchenbettwäsche-Käuferinnen – und schlimmer sind eigentlich nur noch die, die glauben, sie schon gefunden zu haben. Statt bescheuerter Kosenamen haben wir “Friends With Benefits” zu sammeln und zwar so wie Oma Dingens Payback-Punkte.
Man verknallt sich auf den ersten Blick, entliebt sich auf den Zweiten. Und hat akzeptiert, dass man sein Liebesleben in Abschnitte einteilt, die Sandra, Amélie oder Brigitte-Pascal heißen. Keine Kompromisse, hallo, hier, ich. Ausleben. Das ist wichtig. Denn woher sollen wir wissen, dass uns morgen nicht die Reinkarnation von Kurt Cobain oder Prinzessin Leia über den Weg läuft?
Es gibt diese Szene in “Boston Legal”, die Anna, Jonas und seinen Kumpel zum Strahlen bringt. Denny Crane und Alan Shore stehen ein bisschen bedröppelt nebeneinander, weil sie gleich verheiratet werden. Aus höchst unromantischen Gründen: Geld und eine schlechte gesundheitliche Verfassung. Malte Welding, seines Zeichens Blogger und Die-Digital-Natives-über-die-Liebe-Aufklärer, erklärt im Interview mit jetzt.de, dass seine Recherche-Gesprächspartner arrangierte Ehen “gar nicht so schlecht fänden” und überhaupt, früher war das doch üblich. Wir alle kennen den Deal mit dem besten Teenie-Freund: Sollten wir mit Dreißig immer noch nichts Ordentliches am Start haben, wird sich gegenseitig vor den Traualtar geschleppt. Dann rückt die magische Grenze in greifbare Nähe – und die Ansagen werden zu Fragen. Warum müssen wir der Idealvorstellung des ewigen Zusammenseins nachjagen? Weil Disney und GZSZ das sagen?
Sattfummeln
Vielleicht ist die Liebe zu dem oder der Einen gar nicht mehr das erklärte Ziel. Vielleicht sind wir erst bereit, die richtige Dosis Zeit und Verantwortung zu geben, wenn wir uns an uns selbst sattgefühlt, sattgefummelt haben. Und mal ehrlich, wann soll das bitte sein? Pärchen sind süß, ja. Aber man kann sie nicht ernst nehmen, weil sie entweder in das Deutsche-Fünfzigjährigkeit-Paralleluniversum abtauchen oder aus Sabber-Gründen nicht mehr gesellschaftsfähig sind. Würde Jonas sagen. Vermutlich. Was ist also los, mit den Menschen, die ihre Twenties mit gemeinsamen Einkäufen, Paarhandschuhen, regelmäßigen Durchschnitts-Sex und “Schatz”-Sagen verbringen?
An seiner Liebe festzuhalten ist wundervoll und gefühlstechnisch sowas wie ein Victoria’s Secret-Model. Möglicherweise. Normalsterbliche Frauen hassen sie, weil zwischen ihren Köpern David Kirsch und unzählige Sixpacks Bier liegen. Man hat etwas, das die wenigsten besitzen und trotzdem gesellschaftlich erstrebenswert ist. Egal, wie sehr man auf Disney und GZSZ scheißt.
An seiner Liebe festzuhalten ist arschanstrengend und unbequem. Wir kämpfen nicht für unser Ego, sondern um ihn. Oder sie. Obwohl es sich nicht lohnt. Sagt die Erfahrung. Die Statistik. Und Jonas. Der siebenfache “Ist doch noch viel zu früh”-Herzanfall mit Einnässen. Also ist es vielleicht ernsthaft so wie in einer dieser Buch-Liebesgeschichten: Du weißt nicht mal, ob du es wirklich für ihn, für sie, tust oder doch nur für dich, weil du dir als Teil eurer gemeinsamen Story so gut gefällst.
Bild: Fey Ilyas

der Schlusssatz ist genial! aber gibt’s bei Ikea Unterwäsche??
Wieso ist das Thema so präsent, oder besser: Um welchen heißen Brei wird derzeit eigentlich geschrieben? Spricht aus all diesen Texten, die da in letzter Zeit über die Single-Beziehungs-Frage aus dem Äther springen nicht eben gerade diese unglaubliche Einnäss-Mentalität, dieses permanente Schwanzeinziehen – vor Verantwortung, Stabilität oder eben allem anderen, was mit einer Beziehung einhergeht?
Denn eigentlich sind es doch genau diese Überlegungen voller Unsicherheiten und Pro-Contra-Gedöns, die noch viel böser sind als GZSZ, Disney und Co . Denn Letztere leben ihre Philosophie wenigstens mit vollster Überzeugung – und ohne Panikattacken – aus. Ich weiß nicht, ob ich richtig liege: Aber ist nicht genau das das Ziel?
Kacke, jetzt kling ich böse, dabei ist der Text ja hervorragend und trifft es und alles. Aber doch frag’ ich mich, woher derzeit dieser gewisse Argwohn kommt. Beschissene 50-Jährigen-Pärchen gab’s schon immer. Aber auch die Gegenteile. Es gibt auch beschissene Singles, herrgott. Und die Gegenteile.
Jetzt weiß ich nicht mehr, was ich sagen wollte (die Luft hier auf Arbeit ist scheiße, ich hab Kopfschmerzen und trinken könnt ich auch mal wieder). Aber ich denke, es lohnt sich, an etwas, an jemandem festzuhalten. Wenn man’s halt fühlt. Kein Hörnerabstoßen, kein Sattfummeln mehr braucht – und es sich auch nicht einreden lässt, nur weil es 39489348 Hipsterfotzen brauchen.
Und wenn man auch mal bereit ist zu kämpfen. Mann!
Irgendwie so.
(Hab ich den Text überhaupt verstanden? Hm, egal.)
@galleur: Unterwäsche? Hehe, hätteste wohl gerne
Bettwäsche!
@Kleinod: “… und es sich auch nicht einreden lässt, nur weil es 39489348 Hipsterfotzen brauchen” = <3 … ich glaube, diese Einnäss-Mentalität entsteht, weil theoretisch alles möglich ist und jeder glaubt, er dürfte nichts davon verpassen, bloß nicht. Deswegen die vielen Ichweißnichts, Malsomalsos, mimimimimi. Und dass dieses Unsicherheitsding viel böser ist als Disney (& Co.) unterschreibe ich sofort.
Die viel wichtiger Frage ist doch Rio Reiser oder Freundeskreis? Die Antwort lautet: FM Belfast, You are not alone.
Der eigentliche Soundtrack zu diesem Text ist definitiv Gisbert zu Knyphausen – Wer kann sich schon entscheiden.
Wie Gisbert sagt (und du ja auch Lia) sind wir unentwegt “auf der Suche nach was Besserem und einer Liebe die mir steht”, aber dabei irgendwie auch nicht happy. Klar beneiden wir Er-war-mein-erster-Freund-Pärchen insgeheim um ihr einfaches Glück, und genau deswegen finden wir glückliche Pärchen ja so scheiße. Schutzmechanismus und so. Aber jetzt mal ehrlich, was ich dafür schon alles erlebt hab…
Aber die letzte Hoffnung ist noch nicht versumpft, entweder wir werden endlich ruhiger mit dem Alter (oder genügsamer), oder wenn ER da ist, der Richtige, dann ist ja eh alles egal, ne?, da machts BOUM und man muss gar nichts mehr diskutieren.
Glückliche Pärchen sind halt nur so lange scheiße, solang man selbst keins ist…
Ich glaube das ist eine Urangst die momentan so wachgerüttelt ist. Was ist wenn nochmal etwas Besseres kommt? Und das Verrückte daran ist, alles was man nicht gerade hat, ist besser, bis man es hat. Einmal sich selbst durchschaut, fällt es leichter auf das zu schauen was man hat. Es zählt für mich nur die Frage: Ist man glücklich und kann und mag so sein Leben verbringen? Das führt zum richtigen Weg. Amen.
“Nur 99 Euro pro Person im Doppelzimmer”, “1+1 gratis”, “Kommen Sie mit Begleitung” oder “Verwöhnen Sie sich und Ihren Schatz doch mal”…. rückt der Valentinstag etwa näher?
Ich lebe in einer zu heilen Beziehungswelt. Um mich rum sind Blümchen und rosa Schleimspuren… die einen packens dann jetzt 4 Jahre, ich selber 2,5, die dritten 3 Jahre und nja… die Ausenseiter hatten nach über 2 Jahren kein Durchhaltevermögen mehr. Aber insgeheim hören wir ja schon irgendwie alle die Hochzeitsglocken und Geigenmusik auf dem Weg zum Altar… aber nur insgeheim, denn es könnt ja noch was bessres kommen. Nervig.
Warum wird über sowas überhaupt diskutiert? Versteh ich irgendwie nicht. Die einen sind nunmal gerne Single, ficken rum und denken sie wären damit die Freiheit überhaupt.
Und die Anderen haben einfach gerne nur diesen einen Menschen, den man lieben kann. Etwas auf das man bauen kann. Vertrauen kann. Da nimmt man gerne die sogenannten “Pflichten” an (für Außenstehende). Für mich sind das übrigends keine Pflichten. Oder Einschränkungen. Und ich teile verdammt gerne. Es ist schön jemanden zuhaben. Einen, der wirklich immer für dich da ist. Bei dem man weiß, dass er/sie dein Zuhause ist. Die Gesellschaft da draußen ist schon nervig genug. Freunde kommen und gehen. So isses nunmal. Aber ER (oder SIE).. die Person bleibt.
Wenn es dann auch ehrlich gemeint ist. Die, die dafür nicht fähig sind, sollen bitte schön in ihre unkomplizierte Singlewelt bleiben und uns “GernBeziehungshaber” einfach in Ruhe lassen. Jeder wie er will. Es gibt nunmal die Einen und die Anderen. Fertig aus. Da brauch man nicht lästern.