Immer, wenn ich meine geschätzte Kollegin beim Arbeiten beobachte, würden sich meine Bandscheiben aus Solidarität am liebsten selbst pulverisieren. Die Verrenkungen, die sie unternimmt, um sich vor den Rechner zu knallen, treiben beobachtende Physiotherapeuten in den Beinahe-Selbstmord. Ihr ehrlich verwunderter “Oh, mein Bein ist eingeschlafen und mein Rücken tut weh wie Sau. Strange!”-Ausruf nach acht Stunden maximalverkrüppelter Haltung könnte in dieser Gesichte die Pointe sein. Oder das tragische Highlight. Und ein Grund, das nächste Mal anders vor der Kiste zu sitzen? Never!
Handelt es sich dabei am Ende noch um eine moderne Form der Selbstgeißelung? Keine Ahnung. Madame scheint sich offensichtlich nur so beim Arbeiten wohlzufühlen. Sobald sie versucht, fünf Minuten am (durchaus vorhanden) Schreibtisch zu sitzen, zappelt sie unruhig vor sich hin. Eine irritierende Ausnahme? Vergesst es. Nach vier Jahren Großraumbüro habe ich jede nur erdenklich-kranke Vorm-Rechner-Sitzposition gesehen: Liegend, schräg, krumm, gerade oder auch mal auf’m Klo. Es gibt die Gummiball-”Ich lebe so gesund, dass ich mir den Arsch mit Sellerie abwischen würde, wenn ich könnte”-Verfechter, die In-Embryo-Position-am-Monitor-Chiller und – das Allerschlimmste – die Nichtsitzer. Bevorzugt Chefs, die für 20.000 Öcken einen Konferenzkreativstehtisch erwerben, um Meetings abzukürzen und das vor jeder Zusammenkunft laut verkünden. Kein Wunder, dass wir uns nach acht Stunden Brainstormingdiktatur zu Hause extra anti-ergonomisch vor das Notebook fläzen.
Natürlich wissen wir, dass eine kerzengerade Haltung, zentrierte Tastaturen und null Abstützen das Beste für uns wäre – aber hey, das soll ein monatlicher Kaffee-Einlauf auch sein (jetzt mal ehrlich: Wie fühlt man sich, wenn man sich ein koffeinhaltiges Getränk aufbrüht und genau weiß, dass es für’n Arsch ist?). Also legen wir uns den Rechner bei jeder nur erdenklichen Feierabend-Aktivität auf die Schenkel – und nehmen irre Positionen ein, die das formschön erstellte Kamasutralap überragend zusammenfasst. Ich bin trotzdem raus. Weil ich ab sofort lieber in meinem Hi-Tech-Mega-Polster-Bürostuhl chille und die imaginären Jubelschreie meiner perfekt gestützten Bandscheibe genieße. “Loser”, meint meine geschätzte Kollegin verächtlich. Dann erklärt sie mir, dass ich ihre Schneidersitz-Rückenverdreher-Position gefälligst als nächste Evolutionsstufe des Yoga für gestresste Internetmenschen betrachten muss. Extreme-Notebook-Polster-Positioning – soll das etwa unsere furchtbare Zukunft sein?
Bild: VeloBusDriver

Ich sag dazu nur: mein Bein ist eingeschlafen… und DAS IST GUT SO!
Same here!
Schreibtische sind so 20. Jahrhundert …