Die Blogosphäre ist der Penis des Internets: Das beste Stück, mit dem wir alle irgendwie rumspielen wollen. Und das ist großartig. Wir müssen uns nicht mehr bescheuert vorkommen, wenn wir im strangen Outfit einen Park-Mülleimer als Kamera-Stativ benutzen, weil jeder weiß, dass wir die nächste Tavi werden könnten. Wir freuen uns, dass alle diesen seltsamen Katzen-Fetisch haben. Nerden ist cool und die strickende Kommilitonin aus der Vorlesung die Trendsetterin von morgen. Oder heute?
Das Selbermachen im Selbstmachmedium wird erwachsen: Jasmin verwandelt alte Schühchen in Miu Miu-Lookalikes, Katjusha hat die wohl beneidenswerteste handgemachte Accessoire-Sammlung, die ich kenne. Die Chancen für den eigenen kleinen Online-Shop, den die Berlinerin angekündigt hat, stehen also nicht schlecht.
Dass der Lieblingszeitvertreib zum Brötchengeber wird, ist auf einmal keine Ausnahme mehr. Das erste deutsche DIY-Magazin “Cut” etabliert sich als Print-Adoptivschwester der Modeblogmädchen – und verwandelte die Handarbeitsecke der Macherinnen letztes Jahr in einen Fulltime-Job. Während der Krise! Das moderne Gründermärchen der dreißigjährigen Müncherin Lucie wurde also nicht nur einmal durchgekaut. Kurzfassung: Die Grafikerin besucht einen trendigen Nähkurs, verknallt sich in Nadel und Faden – und hat einfach keinen Bock mehr, stundenlang im Netz nach neuen Schnittmustern zu suchen. Was macht eine eingeschworene DIY-Anhängerin, wenn nicht mal der internationale Zeitschriftmarkt was Ordentliches zu bieten hat? Richtig! Sie schnappt sich ein paar ultramotivierte Ladies und bringt das Heft einfach mal selbst auf den Markt.
Unserer Lieblingsblog-Madame Katja ging es im fernen Williamsburg nicht anders. Sie wurde gleich zweimal Patentante. Die erste Fashion-Mission für Klein-Molly und Eleanor klappte aber nicht wirklich: “Wie soll ich bitte was Tolles finden, das alles mitmacht? Ein Teil, dem es nichts ausmacht, dass die Kleinen sich bekotzen, bekleckern und verboten schnell wachsen?” Irgendwann gab sie auf und griff selbst zu Schere, Filz und Leder. Ihre wunderhübsch-handgemachten Baby-Accessoires können per Druckknopf an die passenden Shirts geklippst werden. Die guten Stücke sind unempfindlich und wachsen mit, weil sie vom Mützchen über den Body zum Oberteil wandern. Klingt nach einem stoffgewordenen Mama-Traum? Yes. Und gestern gab’s den allerersten Einblick in die Verkaufs-Kollektion. Frau Berlinessa ist jetzt Business-DIY-Lady und sorgt auf BABYSNAPPY.com (BETA) dafür, dass der Nachwuchs der Internet-Generation bestens gekleidet ist.
Ich bin superstolz! Und sauneidisch auf ihr geschicktes Händchen. Gebt mir eine Nähmaschine – ich verspreche, dass ich es schaffe, mich an einem Nachmittag versehentlich zu töten. Bevor ich meine Finger mit Sekundenkleber-Experimenten gefährde, wühle ich mich lieber durch die Mini-Shops bei Etsy und Konsorten. Handgemachtes ist das neue Mainstream-Lieblingsding. Entsteht da klammheimlich die Designer-Szene von morgen? Habt ihr empfehlenswerte Favoriten? Oder nervt die Kommerzialisierung des DIY-Kults, weil auf einmal jeder glaubt, die nächste Vivienne Westwood zu werden?
Bild: Lorena Cupcake
“Die Blogosphäre ist der Penis des Internets: Das beste Stück, mit dem wir alle irgendwie rumspielen wollen”
Wirklich herrlich Formuliert und irgendwie stimmts auch!
Ich glaube, dass DIY dadurch vielleicht etwas die Unschuld verliert. Ob das gut oder schlecht ist, wird man sehen. Ich selbst finde es aber gar nicht nervig, weil Geld und Kunden genauso motiverend sind wie viele Leser.