Ich will gar nicht wissen, wie viele Internetmenschen gestern den heimischen kino.to-Stream verlassen und ihren Arsch ausnahmsweise mal in den Kinosessel verfrachtet haben. Schließlich feierte ein nicht ganz so unbedeutendes Hollywood-Epos namens “The Social Network” Premiere – und man muss ja mitreden können. Vor allem über die oh so fiesen Persönlichkeitszüge von Mark Zuckerberg. Der Typ, der schon als Teenie so viel besser an Codes rumfummeln konnte als an Frauen – und trotzdem nur Milliarden verdient, weil er seine Kumpels abgezogen hat. Sagt zumindest der Film, der übrigens von keinem Geringeren als Mister Fight Club aka David Fincher gedreht wurde.
Und weil die eingeschworene Facebook-Crew nicht gerade in Plauderlaune war, hat sich der Drehbuchautor die Facts – wie könnte es auch anders sein – ergoogelt. Teilweise. Okay, es gab natürlich auch noch die Gerichtsakten und die Interviews diesen nicht ganz so unbedeutenden Leuten, aber darum geht es ja gar nicht. Viel mehr wundert mich eine Sache. Ich verzapfte hier vor ein paar Tagen meine allerneuste Zukunftsperspektive: Mark Zuckerberg heiraten, um Beyoncé und Jay-Z endlich von der Pole Position der Forbes-Liste zu verdrängen. Ähm, hallo?
Vielleicht war mein kleiner Aussetzer einfach nur eine erweiterte Version des Gitarristen-Syndroms: Stellt den Typen auf eine Bühne. Gebt ihm ein geiles Instrument in die Hand. Und schon hilft einem die ganze Show über kleine Tageslichtuntauglichkeiten hinweg. Somit wäre Facebook also die Stage des 21. Jahrhunderts und Mark Zuckerberg der glitzernde Frontmann, der den digitalen Steuerknüppel in der Hand hält. Oder so. Es geht auf jeden Fall um Macht. Eine Komponente, die noch viel sexier sein kann als ein Haufen schwarzer Amex-Kärtchen. Und die Arschloch-Attitüde, die in Verbindung mit Zuckerberg über die Leinwände geistert, macht die Sache nur noch ‘n Stückchen spannender. Genau wie damals in Fight Club: Tyler Durden hatte den Sixpack, aber dem eigentlichen Erzähler gehörte die Story. (Obwohl sie eine Person waren. Aber das macht nichts.)
Und jetzt freuen wir uns bitte alle darüber, dass der König unserer Zeit tragisch, unsympathisch und deswegen fast schon wieder heiß ist. Und wenn wir uns mal statt gesehen haben sollten, werfen wir einen heimlichen Blick auf Justin Timberlake. Der gibt in “The Social Network” nämlich den Typen, der Napster gegründet hat. Angeblich erstmal nur, weil er eine bestimmte Lady beeindrucken wollte. Das ist süß, aber irgendwie auch langweilig. Also, her mit den bitterbösen, überforderten und von Grund auf mit der dunklen Seite der Macht verwurzelten Charaktertypen. Ich nehme sie.