Wenn die Extensions im Sommerwind wehen. Oder so. Denn eigentlich wollte der Haufen durchgeknallte Chicks aus Berlin nur Freibier und geile Jungs klarmachen. Logische Konsequenz: Man formiert sich in einer Girlband, stylt sich wie die Brut von Lady GaGa und Deichkind – und crasht ein paar Straßenbahnen, um auf sich aufmerksam zu machen. Ein paar Monate später ist Deutschlands hoffungsvollste Trash-Combo mehr als nur dick im Geschäft: Ein Deal mit Universal, ein Video auf MTV, einen Stall voller Groupies und jede Menge Sex und Drogen.
Oder? Wie lebt es sich hierzulande eigentlich als neureicher Popstar? Wir haben mit Sängerin Luise über Synchronkotzen, MC-Geiz-Chic und den Netto in Weißensee gesprochen.
Hallo Luise, mal ganz ehrlich: Habt ihr euch euren Bandnamen nur ausgesucht, um bei Google sofort ganz oben zu stehen?
Luise: Ich würd dir dazu gern ‘ne spannende Story erzählen, aber ich kann mich leider nicht erinnern. Wir waren betrunken. Ich glaube, es war unsere Einweihungsparty und neben mir kotzten zwei
Leute synchron vom Balkon. Am nächsten Morgen stand da dieser Name auf einem Zettel. Es war wie ein Zeichen einer höheren Gewalt. Er war einfach da und wurde direkt behalten. Über Google hab ich da noch nicht nachgedacht. Ich hatte auch kein Internet.
sdbr: Ich habe gelesen, dass ihr euren Sound gerne auch mal als Elektro-Pop-Schlager bezeichnet. Gibt’s schon Pläne, um den amtierenden König des Popschlagers aka Michael Wendler vom Thron zu stoßen?
Luise: Nein danke. Der kann seinen Thron behalten. Wir stehen eher so auf Frank Schöbel. Der hat noch Stil. Und für seine 70 Jahre noch ‘nen verdammt knackigen Arsch.
Brennesseltee und die Schulermittler
sdbr: Ihr habt es jetzt ja quasi erstmal geschafft: Universal hat euer erstes Album unter seine Fittiche genommen. Wie darf man sich das Leben als junger aufstrebender deutscher Popstar so vorstellen?
Luise: Ja, so spannend isses nicht. Man steht auf, guckt zur Inspiration und hofft, dass sie freundlich zurückguckt. Ich trinke persönlich viel Brennesseltee zum Entschlacken. Meine Nieren müssen nach dem ganzen Gefeier durchgespült werden. Dann nehm ich mir vor, Sport zu machen, um meine Popstarfigur nicht zu erhalten, sondern erstmal zu erreichen. Das verwerfe ich, weil ja da schon wieder die “Schulermittler” kommen. Dann is der Tag fast vorbei und ich geh Kuchen essen. So ungefähr siehts aus. Manche von uns studieren aber tatsächlich oder tun gute Sachen … dazu kann ich aber nichts Genaues sagen.
sdbr: Ihr habt den gleichen Major-Label-Partner im Rücken wie Justin Bieber. Dürfen wir uns bald auf ein kleines Duett freuen?
Luise: Nein, wir sind eher “Jonas Brothers” Fans … oder was heißt wir. Ich eigentlich. Es is schrecklich. Ich muss hier immer mit “wir” antworten und nachher sind alle sauer, weil ich üble Gerüchte über sie verbreite. Nein, also ich bin “Jonas Brothers”-Fan mit Leib und Seele und erpresse meine Universalfreunde ständig mir Merch zu klauen … vergessen sie leider. Ich bin, glaub ich, nicht hartnäckig genug.
“Ich war ein absolutes Ponymädchen”
sdbr: Als Girlband ohne den üblichen MonroseQueensberryNoAngels-Style so ‘nen Deal zu ergattern, ist schon ‘ne kleine Sensation. Seht ihr euch als Role Models für die Art von Ladies die keinen Bock drauf haben, dem glattgebügelten Style zu folgen?
Luise: Nee, eher nich. Ich mach mir da einfach keine Gedanken. Wenn ich könnte, würde ich mich auch glattbügeln lassen. Zumindest würde ich mal gucken, wie ich dann ausseh. Ich glaub, wir sind einfach nur zu faul, um diesen Girlgroupscheiß durchzuziehen. Bei uns is alles ganz gemütlich.
sdbr: Was hast du eigentlich gemacht, bevor die Sache mit den Crackhuren so richtig losging?
Luise: Oh Mann, ich hab in Gummersbach bei Köln angefangen zu studieren. Es war schrecklich. Nur komische Menschen und ich hab auf einem Berg gewohnt. Es war Winter. Da war nix gestreut. Ich hab mich in meinem Zimmer verschanzt, sehr viel Billigwein getrunken, mir dumme Sachen ausgedacht.
Irgendwann hat mich meine Mama endlich nach Hause geholt. Dann hab ich kurz bei so einer … na, ich nenn’s mal Flirtline gearbeitet. Dort hab ich sehr viel gelernt. ‘Ne Zeit lang war ich auch Hartz IV-Kunde. Das war ätzend. Jetzt schleif ich mich so mit kleinen Sachen durch. Ach, ich will nicht drüber reden, es ist einfach zu traurig.
sdbr: Eure aktuelle Single hört auf den eindrucksvollen Namen „Ich und Mein Pony“. Lässt das auf eine aktive Wendy-Lesevergangenheit schließen?
Luise: Auf jeden Fall. Ich war ein absolutes Ponymädchen. Ich hatte mein Pflegepferd Josi und war in den Ferien immer auf dem Ponyhof Popcorn in der Lüneburger Heide. Aber dann kamen die Jungs und haben alles kaputt gemacht.
sdbr: Fies. Aber mal ehrlich: In welchem Zustand schreibt ihr die Songs eigentlich?
Luise: Betrunken auf jeden Fall nicht mehr. Da kann ich mir nix merken. Mir fällt das immer alles spontan ein. Beim Laufen und Duschen hauptsächlich. Oder beim Straßenbahnfahren. Eigentlich immer da, wo man nix aufschreiben kann.
“Mir fällt das immer alles spontan ein”
sdbr: Mit welchem Künstler würdest du sofort ‘nen Track aufnehmen?
Luise: Mit den “Jonas Brothers” natürlich, und mit Nina Hagen und “KIZ” und “Hans-A-Plast” und “DAF” und “Die Bong Bande” und “Eisenpimmel” und und und und …
sdbr: Du twitterst, außerdem gibt’s einen T.C.H.I.K-Blog. Ist das für eine Newcomer-Band eigentlich Pflicht?
Luise: Naja, Pflicht isses eigentlich schon, wenn man äh, uptodate sein will … aber wie man sieht, is unser Blog nicht besonders aktuell. Ich vergess ständig Zugangsdaten und den ganzen Kram. Die Einzigen, die ich aus dem Kopf weiß, sind die von Facebook. Und danach bin ich auch süchtig.
sdbr: Gibt’s denn trotzdem ‘ne Art Lieblingsliste deiner absoluten Blog-Favoriten?
Luise: Oh ja! Ganz vorne Promiflash. Das is überall meine Startseite. Den Blog von Thefuckingfucks mag ich und den von meiner Freundin aus Australien … manchmal lese ich auch noch den Blog vom Hype Magazin und den Sixteen Blog. Aber ganz ehrlich, ich komm kaum dazu, Blogs zu lesen … Schande über mich!
“Man nennt das auch MC-Geiz-Chic”
sdbr: Kommen wir zu ‘ner Sache, die bei ‘nem Gespräch zwischen zwei Mädels klischeemäßig immer angesprochen wird: Euer Style, der tendenziell ja sogar mit Lady GaGa mithalten kann. Wer ist dafür verantwortlich?
Luise: Wir. Das Ganze ist ja eher aus der Not heraus geboren. Wir sind ja manchmal bis zu 10 Mädchen auf der Bühne und das kann dann natürlich alles etwas teuer werden. Da waren Mülltüten schon das Einfachste, was uns eingefallen ist. Generell shoppen wir unsere Klamotten auch nur in so Billigläden. Man nennt das auch MC-Geiz-Chic. Alles, was es dort gibt und glitzert, wird gekauft. Auch ganz wichtig: Klebeband. Nadel und Faden, drauf geschissen. Klebeband kann alles und geht noch viel schneller.
sdbr: Schon mal über ‘nen eigenen Film á la Spice World nachgedacht?
Luise: Oh, ich würde so gerne einen Film drehn. Am liebsten so ‘nen Ponyfilm wie Immenhof oder so ‘ne Art High School Musical. Gedreht im “Netto” in Weißensee. Das wäre sehr romantisch.
sdbr: Worauf dürfen sich eingefleischte Crackhuren-Groupies denn bald freuen? ‘Ne Tour? Besondere Gigs? Die Übernahme der Weltherrschaft?
Luise: Weltherrschaft geht leider nicht … weil da is ja, naja, wieder dieses Faulheitsding. Aber ‘ne Tour gibt’s. ‘Ne etwas Kleinere jetzt im Oktober und hoffentlich ‘ne Größere im Januar. Außerdem gibt’s hoffentlich ein paar schöne Features mit Weltstars.
also die musik ist nichts für mich, aber das mädel antwortet zu geil..
das lied “ich und mein pony” ist der wahnsinn
ich liebs und die crackhuren auch
und du genialen antworten von luise auch
Oh ja, die sind überragend – ich hatte selten so viel Interview-Spaß
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