Wenn man die virtuellen Fashion-Zeilen der letzten Tage verfolgt hat, könnte man beinahe meinen, Modeblogs wären sowas wie der Hartgeldstrich der Blogosphäre. Diesen Satz tippte ich hier irgendwann im Februar und ich hätte eigentlich nicht gedacht, dass ich ihn nach so kurzer Zeit schon wieder rauskramen kann. Das mit dem Sell-Out haben wir allerdings durch. Dieses Mal geht es um Deals – und zwar um Schlechte. Und wer was zu wem gesagt hat, ist heute ausnahmsweise auch mal ganz easy zu erklären.

Mary Scherpe, ihres Zeichen Gründerin von Stil In Berlin und sowas wie das Mutterschiff der deutschen Modeblogosphäre, hat das Wiener FashionCamp 2010 mit ihrem Auftritt ganz schön ins Schwitzen gebracht. (Ob jetzt vor Wut oder Schadenfreude, bleibt jedem selbst überlassen).
Und für alle, die sich die Aufzeichnung noch nicht angesehen haben, erklären wir das Szenario natürlich gerne nochmal: Mary klickte sich zum Einstieg durch eine Foto-Auswahl wohlbekannter Bloggergesichter, die sich vor nicht allzu langer Zeit auf Anfrage diverser PR-Agenturen bereitwillig mit Champagnerflaschen oder für einen Stylecontest auf Facebook fotografiert haben. Alles Milchmädchenblogger – also Ladies, die sich unter Wert verkaufen, indem sie sich mit ein bisschen Alk, Gutscheinen oder Kleidchen abspeisen lassen. Und das nervt. Sagt sie.
Ist das Business?
Es gibt keinen guten Deal ohne Kohle. Sage ich. Scheiß auf Freundschaft, Schmeicheleien oder hohes Identifikationspotential. Sobald keine angemessene finanzielle Entlohnung fließt, bist du das Opfer. Und das zu Recht. Schließlich bist du so dumm und auch noch darauf eingegangen. Und schuftest dir den Arsch ab. Für nichts. Kein Wunder, dass der Respekt, der dir dafür entgegengebracht wird, von vornherein irgendwo zwischen Abflussrohr und Kellerloch dümpelt. Im Endeffekt wirst du mieser behandelt als der letzte Prakti, immer schön nach dem Motto: Nun ja, sei froh, dass du hier überhaupt was machen darfst. Für uns. So läuft das Business eben. Dabei stellt sich aber die Frage: Reden wir bei den Milchmädchenbloggern überhaupt von Business?
Für die beteiligten Firmen ist es nichts anderes als das, klar. Aber ich wage mal zu behaupten, dass bei den meisten Ladies der Selbstdarstellungsfaktor viel mehr wiegt als irgendwelche Kalkulationstabellen. Nehmen wir zum Beispiel die oh so furchtbaren Facebook-Contests, die ich persönlich liebe, weil man noch nie so viel Outfit-Entertainment für einen Klick bekommen hat.
Natürlich sind alle irgendwie scharf auf den Preis. Aber mal ehrlich, die Beweggründe für die Teilnahme sind doch ganz Andere: Man will sich zeigen. Hat Bock, sich zu messen und den anderen Bitches zu zeigen, wer hier die dicksten … ähm … Editorialskills hat. Will in seinem Marktwert bestätigt werden. Demonstrieren, dass man immer noch die meisten Fans hat. Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit und Traffic bekommen. Oder tut es vielleicht aus Gründen, die manchen Leuten für immer unerklärlich sein werden: Aus Spaß! Und so. Natürlich initiiert von Leuten, die einzig und allein auf Kommerz aus sind. Doch das scheint für die meisten trotzdem ein akzeptabler Deal zu sein. Aufmerksamkeit als Währung: Ist das okay? Ach, ich weiß es irgendwie gerade auch nicht.
Wie viel kostest du?
Über das Champagnerding brauchen wir aber gar nicht reden, weil das genauso bescheuert ist wie der Scheiß mit der Namenskette und den Mädchenhandys. Oder auch: Herzlich Willkommen auf dem virtuellen Hartgeldstrich und das eigentlich Bittere daran ist, dass man den nicht mal so nennen kann – schließlich gibt es ja keinen Cent für diese Art von PR-Prostitution. Die allgemeine Ausnutzungstaktik ist zwar assi von den Firmen, aber, ich meine, hey – wenn es immer wieder Leute gibt, die sich dafür hergeben …
Dass das Ganze den Wert der gesamten fashionbloggenden Branche drücken würde, finde ich aber … naja, grenzwertig. Und selbst wenn: Es muss einem einfach scheißegal sein, für wie viel bzw. wenig es die anderen machen. In der Medienwelt gibt es sowieso immer jemanden, der deinen Job für umsonst erledigen und dem Chef noch dazu einen blasen würde. Aber meistens sieht man das dann auch.
Also Ladies, legt fest, wie viel ihr kostet und steht dazu. Mehr ist es nicht. Es funktioniert.
Bild: Vengel Crimson
Gilt übrigens auch für sämtliche andere Bereiche der Blogosphäre. Und wenn man so will eigentlich auch fürs ganze Leben.
liarrr, bitte heirate mich.
dito: http://tinyurl.com/3y8ppv4
Danke für den Bericht! Besser könnte man es nicht sagen. Wenn man den Blog kommerziell nutzt und auch Angebote von Firmen präsentiert, dann sollte man wenigstens dafür eine Vergütung erhalten, alles andere ist einfach nur schade.
Und vor allem scheckt das Prickelwasser noch nicht mal!
Ich gehöre auch zu diesen Milchmädchenbloggern. Und ja man muss erstmal auf die Schnauze fliegen und sich fragen was hier gerade passiert. Aber die Hauptsache ist doch, dass man dazu steht und sich selber nicht untreu wird.
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