
Die ganze Modeblogosphäre bastelt wunderschöne Dinge und das ist wie damals in Textilarbeit in der Grundschule: Während alle virtuos unglaublich tolle Kunstwerke herstellten, feuerte Klein-Lia das Häkelzeug gefrustet in die Ecke und wünschte sich, die Lehrerin möge sich die Nadel doch bitte in den Arsch schieben. Ich bin eine Niete in filigraner Handarbeit. Nähmaschinen kann ich genauso gut bedienen wie die Steuerkontrollen von Raumschiffen. Von Feinarbeit mit Kleber und Scheren ganz zu schweigen. Eigentlich gibt es da nur diese eine handwerkliche Sache, die ich draufhabe: Zeichnen.
Was macht man also, wenn eine modebloggende Rockstarlady ihren Ehrentag feiert und die Kasse leer ist? Richtig: Man bemalt ein Shirt. Höchstpersönlich und eigenhändig. Dazu kauft man im besten Fall drei Wochen vorher motiviert ein weißes Shirt, ‘nen Kuli und ‘n paar Eddingstifte und lässt den Plan ruhen. Bis zum Tag der Party, an dem man um zehn Uhr morgens aufhört zu arbeiten und um vier Uhr nachmittags noch ein Meeting hat. Was in der Zeitspanne dazwischen passierte? Mehrere Dinge, die zu folgender Erkenntnis führten: So sollte man ein Geburtstagsgeschenkshirt auf keinen Fall vorbereiten. Ein Protokoll.
Die Vorbereitung

Also. Das Motiv. Marina And The Diamonds, weil Lady GaGa ja jeder beim Klamottenladen um die Ecke kaufen kann. Die Vorlage ist im Schnellverfahren ergoogelt. Was mindestens dreimal so lange dauert: Die Wahl des passenden Marina-Songs auf YouTube, weil man sich ja auch irgendwie in voll die kreativprozessartige Stimmung versetzen muss. Ähem. Man kramt das Panzertape, das Shirt und einen alten Karton raus und drapiert diese wie zufällig mitten im Raum, weil man ja später noch Fotos für einen Artikel machen will.
Dann legt man auch mal los. Am besten werft ihr noch am Notebook ‘nen Tontrennungsfilter über das Foto, weil man im Zweifelsfall dann immer sowas sagen kann wie: Hey, das soll ja gar nicht so realistisch rüberkommen, sondern künstlerisch, du unwissender Kacknoob! Und: Ich zeichne das Ganze erstmal auf ein Blatt Papier, weil ich feige bin und nie an ein Ersatzshirt denke. Das zerknülle ich ein paar Mal, bis die Vorzeichnung irgendwann steht. So detailliert muss die sowieso nicht sein, is’ ja nur der Entwurf. Klar doch.
Es geht jetzt wirklich los

Am besten benutzt ihr irgendeine Zeitschrift als Unterlage und Maßeinheit und klebt immer alles schön mit Panzertape fest, damit Marinas Auge nicht irgendwann am Kinn klebt. Wenn die Vorzeichnung einigermaßen überragend aussieht, macht man es sich einfach und überträgt sie mit einem Durchschreibepapier direkt auf das Shirt. Geht schneller und so detailliert muss das ja auch nicht ablaufen, sind ja nur die ersten Umrisse. Ähem.
Dann beginnt der langweilige Teil: Man muss richtig ausmalen und sich dabei verdammt konzentrieren (und feststellen, dass die Stunden irgendwie wie Minuten vergehen). Und duschen müsste man irgendwie auch noch. 13:11 Uhr. Habe ich echt drei beschissene Stunden lang an der Vorzeichnung …? Ach, vergesst es, um 13:30 springe ich unter die Dusche. Wenn ich die Haare ausgemalt habe.
Der nächste Schritt

14 Uhr. Knie nackt mit tropfenden Haaren über den Shirt und verfluche die Schwarzhaarigkeit von Marina, die sich irgendwie nicht mit einem schwarzen Edding in Finelinergröße verträgt. Nehmt bloß Lady GaGa, wenn ihr den Scheiß hier wirklich nachmachen wollt (als ob das irgendjemand wollen würde, aber ich tu mal so.)
Eine Stunde später. Bekomme zum ersten Mal richtig Panik, weil mir bewusst wird: Mädel, wenn du das Auge jetzt verkackst, stehst du in ein paar Stunden ohne Geschenk da. Will meine Nerven mit Kaffee beruhigen, aber weil nur grüner Tee (GRÜNER TEE! HALLO?!) da ist, verwandle ich mich in einen makrobiotischen Zombie und bringe die Sache mit bewundernswert ruhiger Hand kurz vor der Ankunft meines Meetingabholservices zu Ende. Bin begeistert. Ihr solltet das aber trotzdem in einem gechillteren Rahmen versuchen. Und wenn ich groß bin, stelle ich euch als willige Ausmal-Sklaven ein, gründe ein weltberühmtes Bandshirtlabel, heirate Mark Zuckerberg und dann verdrängen wir Beyoncé und Jay-Z endlich von der Pole Position der Forbes-Liste. Ha!


Alter Holländer, ich bin begeistert. Wahnsinn!
In meinen Augen brilliant! Mach sowas doch nebenberuflich
boah, das is ja mega.
Groß! Wie wärs, ich koche, du machst mir ein Shirt und danach sitzen wir die ganze Nacht auf dem Balkon, trinken Rotwein und hören Lady Gaga?
Hach <3. Ja! Aber nur, wenn ich den Gewehr-BH aus dem Alejandro-Video tragen darf!
Und überhaupt: Dankeschönst, ihr Lieben
wow.
das ist so ein geschenk, was man am liebsten selber behalten würde oder?
haut mich wirklich ziemlich von den socken! respekt!
oaaah wie geiiiil des ausschaut !
Tight! :-*
Ich würde es kaufen.
Ach, ihr seid süß. Das zukünftige sdbr-Merchandise wird dann handbepinselt, is klar, ne?
@Anna: Teilweise ja, aber irgendwie motiviert mich nur so ‘n Anlass überhaupt dazu, sowas in Angriff zu nehmen …