
Die offizielle Rollenverteilung des Musikbusiness ist eigentlich klar: Ladies sind größtenteils heiße Popmiezen und somit gerne auch mal chartiges Kanonenfutter, Macker dagegen die coolen Bandmenschen mit legendärem Potential. Ja, es gab und gibt natürlich Ausnahmen. Aber wenn wir nach der öffentlichen Mainstream-Wahrnehmung gehen, sieht es doch erstmal so aus: Madonna lässt sich gefühlt täglich rundumbotoxen, um in den Outfits ihrer Teenie-Tochter auf den Bühnen der Welt auch jetzt noch Verrenkungen vorführen zu können, während Mick Jagger dasselbe fröhlich zerknittert tut. Wenn auch ohne Teenie-Tochter-Klamotte.
Don’t sleep with him if you want him (or her) long term in your band. (Tierney Sutton)
Natürlich sind Damen wie Lady GaGa, Beyoncé & Co. mindestens so hardcore kohlescheffelnd wie erfolgreich – doch heißt das auch automatisch, dass sie im Musikbusiness genauso viel zu sagen haben wie ihre männlichen Kollegen? Vermutlich ja, aber wir sprechen hier schließlich auch von auf Hochglanz polierten und sowieso glitzernden Ausnahmefällen. Wird es für Ladies an den Gitarren, Drums und Mikros dieser Welt nervig, wenn weniger Ruhm und Kohle im Spiel und die Titten nicht ganz so bekannt sind?
Ich meine, selbst ich bin teilweise (!) gegen Frauenstimmen in meiner Musik. Damit meine ich speziell die Songs, die bei mir überhaupt erst den Grundstein für bewusstes Musikhören gelegt haben. Weil sich in diesem Fall nicht nur mein Trommelfell gerne wild mit den Lautsprechern, aus denen mein liebster Sound kommt, paaren will. Nein. Auch ich würde mit Demjenigen, der den Sound verursacht, sofort den Beischlaf vollziehen. Und bei solchen Gedankenspielen würde hörbare weibliche Konkurrenz offensichtlich nur stören. Dank zahlreicher wunderbarer Ladies ist es für Musikerinnen natürlich trotz meiner Spinnerei absolut möglich, nicht nur als Mikrodeko wahrgenommen zu werden, sondern als ernstzunehmende Künstlerin. Die Songs schreibt und produziert und was drauf hat, mit allem Drum und Dran.
Wobei irgendwie immer noch gerne davon ausgegangen wird, dass bei der Konstellation “Singende Frontfrau mit Mackerband im Rücken” schon irgendwer von den Penisträgern texten und komponieren wird. Bestes Beispiel: Jennifer Rostock, deren Text zu “Du willst mir an die Wäsche” von mir (leider) irgendwann für äußerst genial befunden wurde. Also googelte ich sowas wie “jennifer rostock songwriter” und konnte kaum fassen, dass Frau Jennifer höchstpersönlich so geil mit Worten spielen kann. Und so ist das immer. Was lernen wir daraus? Ich bin eine verdammte Musik-Sexistin.
Our looks will always be a consideration, at least as much if not more than how we sound. (WOOM)
Nehmen wir also mal an, dass Leute wie ich der Auslöser für eine US-Studie waren, die sich “Hey Ladies. Being a Woman Musician Today” nennt und auch schon hier von Sonja Eismann und hier von Barbara Streidl ausgiebig besprochen wurde. Dafür hat das National Public Radio über 700 Musikerinnen aus allen möglichen Genres befragt. Wie das denn jetzt so ist in ihrem Job. Wann sie bemerken, dass die ganze Sache irgendwie immer noch eine Männerdomäne ist. Ob das dann für ein Tittenwesen Vorteile bringt oder eher weniger. Und überhaupt, ob Mädchen nicht eigentlich sowieso die besseren Musiker wären – wenn sie denn nicht von so viel nervigem Testosteron umgeben wären?
“Back in the late 80′s early 90′s we would walk into the club with the other people in the band and it was assumed by the people who worked there that we were either ‘just the girlfriends’ or ‘groupies’ and some comment would be made at some point that alerted us to that. Also any technical opinions we might have had were sometimes dismissed by people who did not know us. I think it is a lot better these days, it seems like it is far less unusual for there to be women in punk rock bands and bands in general now. When I tell people I am in a band now, I still do occasionally get immediately asked if i am the singer.”, erklärt die zweiundvierzigjährige Bassistin Laura Ballance dazu in der Umfrage – und das klingt ja erstmal schon fast wieder versöhnlich.
Zu Ginger Brooks’ “Name one female producer. One!” spare ich mir mal jeden Kommentar und Leanne Macomber, 24, gibt sich auch eher genervt: “You must proove you’re a superhero to be taken as an equal (to your male counterparts)!”. Eine elf Jahre ältere Gitarristin namens Jane Herships ergänzt: “Guys used to come up to me after the show and say, ‘wow, you can play!’ That never would have happened to a guy!”. Lily Chapin, 28, geht es da ähnlich: “Soundchecks are always interesting. Especially when it’s just us girls up there. The sound guys often don’t take us seriously, until they know us, and they can be patronizing, like ‘this is a monitor, that’s where the sound will come out’.”
Tausendmal besser und auf Tour immer diejenige sein zu müssen, wegen der man anhalten darf, weil es für Mädels doch eher schwierig ist, in eine Flasche zu pissen, suckt also nach wie vor ganz gewaltig. Ebenso wie die Sache mit dem Ernstgenommenwerden. Denn spätestens, wenn es um knallhartes Business geht, fühlen sich viele Mädels laut der Studie wieder wie ein nutzloses Stück Bühnenfleisch. Ein Dekoobjekt, dem man die Kohle aus der Tasche ziehen will oder wahlweise nochmal gönnerhaft erklärt, wie man eigentlich einen Verstärker einschaltet.
Women always go crazier for the male musicians more than female musicians. (Allison Iraheta)
Aber weil nur Flennen auch wieder irgendwie doof ist, gibt es in den Umfrageergebnissen ebenfalls ein paar Ansagen an die nachfolgende Musikmädchengeneration. Zum Beispiel von Sängerin Jordan Valentine: “One of my mom’s favorite expressions has always been: ‘Don’t let the bastards get you down.’ I use that a lot. If somebody asked for my advice [...] I’d say the most important thing is to never ever let anybody else tell you what you’re supposed to be. And bring a pillowcase full of peanut butter crackers with you on tour. Just trust me on that one.”
Und vielleicht gibt es ja neben der Menge an unglaublich geilen Soloperformerinnen dann auch bald mehr weibliche Produzentinnen, die man in einem Atemzug mit Timbaland & Co. erwähnen könnte – ganz zu schweigen von der weiblichen Boss-Besetzung der Major Labels, mit der es im Moment auch nicht gerade so umwerfend aussieht.
Oder sehe ich das Ganze hier – angetrieben von der Studie – vielleicht ein bisschen zu pessimistisch? Liebe Musikmädchen und Businessinsider, wie findet ihr die Aussagen der Bandladies, die sich beim National Public Radio zu Wort gemeldet haben? Einzelschicksalsgeflenne oder ernsthafte Angelegenheit? Und das Wichtigste: Gibt es wirklich keine Möglichkeit für die weibliche Seite, unterwegs schnell mal in eine Flasche zu pissen?

Missy Elliot ist auch Producerin. So.