
Während mein geschätzter Kollege Herr M die vergangenen drei Wochen urlaubend verbracht hat, war ich arbeitstechnisch beschäftigt wie schon lange nicht mehr. Was ja nicht unbedingt schlecht ist, weil August bekanntlich der böse Monat der Uni-Gebühren und Semesterticketüberweisungen (und des Fundes eines göttlichen French Connection-Mantels für 60 anstelle von 200 Euro bei TK Maxx!) ist und mein Konto dringend ein paar Auftrags-Streicheleinheiten nötig hatte.
Trotzdem muss ich an dieser Stelle mal zugeben: Das Ganze hat mich geschafft ohne Ende. Und ich weiß nicht, ob ihr das schon mitbekommen habt, aber ihr befindet euch bereits mittendrin im Tagebuch einer depressiven schuftenden Sumpfmatratze sdbr-Hälfte. Man muss ja zwischendurch auch mal ein bisschen rumflennen. Wo waren wir? Ach ja. Mimimi. Anstrengend. Und damit meine ich gar nicht das Texten. Buchstaben sind meine besten Freunde, wir kennen uns, wir stressen uns nicht, wir wissen, wie wir miteinander umgehen müssen, ohne dass es den jeweils anderen nervt. Nebenbei stand aber noch die Kürzung von anderthalb Stunden Video-Rohmaterial auf ein paar ansehnliche Teaser- und Film-Minütchen an, aber das wisst ihr ja schon.
Und nicht zu vergessen: Das Fotoprojekt. Für (Drama-Button einmal drücken) die Uni, natürlich. Ein Semester lang ein bisschen was über die richtige Blende, Belichtung, den Bildaufbau und so zu hören und dann das Augenzucker-Shooting meines Lebens zu knipsen – so lautete der Plan. Und so machte mich eines Nachts mit meiner Freundin Katie, einer Taschenlampe und einem Kilo Rouge im Gepäck auf, um genau das zu tun. Fancy Lichtmalereien hatten wir unter anderem im Sinn und das, was ihr da oben seht, sind die narzisstischen Outtakes des Produktionsduos für’s Familienalbum. Wahlweise auch eine Therapie, um meine bekannte Internetfotoscheu bis zum Tag X langsam aber sicher zu überwinden, aber das klappt ja selbst hier im virtuellen Zuhause nur so bedingt.
Die Bilder, die wir für den Schein im Foto-Seminar abgeben werden, sehen (im Gegensatz dazu) dank eines richtigem Plans plus Motiv plus Nachbearbeitung übrigens ganz ansehnlich aus – auch wenn unfassbar viel Knipserei dafür nötig war. Ich falle also hiermit vor jedem wunderbaren Fotografen auf die Knie, der es wirklich drauf hat, schnell ein paar gute Bilder zu schießen, ohne vorher das Stativ dreimal empört getreten und mit Fäkalausdrücken betitelt zu haben.
Kreativ arbeiten, also so richtig, mit bewegten und unbewegten Bildern, ist verdammt anstrengend und macht mich fertiger als eine Doppelpackung Korrekturlesematerial. Die Komposition ist schwerer (mit einzelnen Sätzen jongliert es sich definitiv leichter) und am Interessantesten dabei ist, dass man sich noch viel mehr in Einzelheiten verliert als beim Schreiben. Weil die Szene oder der Ausschnitt natürlich perfekt werden muss. Ich glaube, deshalb könnte ich nie hobbymäßig fotografieren, weil ich einfach nur an einer doppelten Portion Sauerstoffmangel, einer fetten Sehnenentzündung und einer Prise “LASS MICH DAS JETZT SCHNELL NOCH FERTIG MACHEN” sterben würde. Liebe Kameramenschen, wie schafft ihr das nur? Ich brauche jetzt jedenfalls erstmal etwas Ultrastumpfsinniges zum Ausgleich. Vier Stunden Privatsender-Nachmittagsprogramm am Stück, gemixt mit einer “Snakes On A Plane”-Dosis und einer Runde Klingonisch Online-Sprachkurs. Das klingt gut.
Also. Deine Fotoscheu die solltest Du aber mal ablegen. Ernsthaft. Bist doch ein hübsches Mädel und nicht so ein fieser Typ wie ich… Trau Dich…
Ach, ich bin mir sicher, dass mindestens genauso viele Leute fluchend vor irgendwelchen geplanten Texten sitzen.. das ist Routine. Auf Talent kommt es auch an, aber nicht nur, weil Üben hier der Schlüsselbegriff ist.
@Torsten: Haha, dankeschön
Jajajaja, ich arbeite doch schon dran …
@R: Wahrscheinlich haste Recht. Ich hab mir die Sache nur eindeutig einfacher vorgestellt!