
Bild: Giona
Es begann mit einem Foto. Oder genauer gesagt, der Zeile, die ich schnell darunter geschrieben hatte: “Hey, das ist direkt vor meiner Wohnung – vielleicht läuft man sich ja mal über den Weg!”. Also sinngemäß. Die liebe Woxy hatte sich für ihren Outfitpost nämlich einen unverkennbaren Ort in den Quadraten ausgesucht, wodurch ich auch mal mitbekam, dass wir zufälligerweise in derselben Stadt leben. Auf das vorsichtige Bier im Soho, das Laura, sie und ich mal zusammen trinken wollten, folgten noch so einige und mittlerweile wäre die Sache schon um einiges doofer, wenn die beiden nicht hier leben würden.
Bei einer anderen wunderbaren Dame lief es ähnlich. Nur, dass der Kommentar ein paar Mails waren, in denen wir mal kurz über Lieblingsblog-Vorstellaktionen quatschten. Das Kennenlernbierchen musste leider entfallen, weil Mannheim und Hipster-Williamsburg dann doch ‘n bisschen zu weit auseinander liegen. Doch weil die Herrschaften Google Mail freundlicherweise diese schicke Chat-Funktion entwickelt haben, gab es zwischen uns mehr Getexte als bei einem Kneipenabend hätte stattfinden können. Bis jetzt. Und die liebe Katja und ich quatschen nicht nur, nein, wir arbeiten hin und wieder sogar an dem ein oder anderen Projekt und ich bin verdammt froh, eine Lady gefunden zu haben, die das Texterbusiness beherrscht ohne Ende.
Internetmenschen sind seltsam. Hochgradig unecht, nur am Inszenieren und eventuell ja doch nur dicke bärtige Männer, die nackt vorm Rechner sitzen. So lautet die offizielle Meinung, irgendwie und ich habe mich lange Zeit gefragt, ob ich einfach nur Glück hatte. Mittlerweile glaube ich aber, dass das “Online-Freundschaft killt echte Freundschaft und hat null Real Life-Potential” von Leuten geprägt wurde, deren Aktivität im Netz sich darauf beschränkt, hin und wieder mal einen Blick in ihr Outlook zu werfen. Mal ehrlich: Ich wage sogar, zu behaupten, dass selbst Schakkeline und Kevin im studiVZ schon irgendwie mitbekommen haben, dass das mit den Statusmeldungen von ihren 514 Netzwerk-Freunden was anderes ist als das mit Jennifer-Cheyenne, mit der sie jeden Nachmittag voll gängstermäßig an der Bushaltestelle abhängen.
Die wunderbare Welt des Web 2.0 will die Beziehungen zwischen Leuten nicht eliminieren und uns alle still und heimlich zu chipsfressenden vereinsamten Tastaturspackis mit übergroßen Wayfarers auf der Nase machen. Ganz im Gegenteil: Sie macht es uns leichter. Aber nicht so leicht, dass dadurch das echte Leben überflüssig wäre. Weil man das eigentlich gar nicht mehr so wirklich unterscheiden kann, die analoge und die digitale Seite. Und dieses krampfhafte Unterscheidenwollen von vielen sich für klug haltenden Menschen ist genau das Problem.
Im besten Fall – und ich glaube, so sieht das auch ein Großteil der aktiven Internetmenschen – geht die Netzsache und die Realsache in etwa so fließend ineinander über wie die Uni oder der Job und dein Privatleben. Es ist einfach nur eine weitere Möglichkeit, potentiell überragende Bekanntschaften zu machen. Allerdings irgendwie vorselektiert. Und intimer, weil man ja dank diverser Blogeinträge, Tweets, Fotos oder Statusnachrichten irgendwie schon vor der Face-to-Face-Begegnung im Alltag des anderen mittendrin statt nur dabei ist. Selbstinszenierung hin oder her – bisher wurde ich jedenfalls noch von keiner “echten” Begegnung mit Internetmenschen enttäuscht.
Nehmen wir das ofenfrische Beispiel der Videoaktion gestern: Sechs Bloggerinnen auf einmal habe ich kennengelernt und eine Doof-Quote gab es nicht, weil jede Einzelne lieb, gechillt und irgendwie normal war. Und das war zu erwarten, denn: So sind wir Internetmenschen eben. Wir wurden nicht von irgendwelchen Plattformen assimiliert, sondern haben die Sache in unser Leben integriert. Und sind dort genauso wie an unseren Schreibtischen, der Kippe vorm Büro, der Mensa, an der Dönerbude oder im Club: Manchmal genervt, manchmal lustig, manchmal kurzangebunden, manchmal overdressed, manchmal mitteilungsbedürftig, manchmal traurig.
Normal eben.

Super geschrieben! Und ja, wir sind doch alle nur normal!
Gut getroffen. Überhaupt so, dank des Internets habe ich wirklich gute Leute kennengelernt, die ich nicht mehr missen will. Tolle Freunde, Ex-Mitbewohner, Freundin (ungeplant). Vor allem hat es aber auch geholfen sich so ein bisschen zu entwickeln. Vorlieben zu teilen.
Zu Schulzeiten wurde ich für meine Vorliebe zu Alternative und Grunge schief von all den Eurodancehoppern angeguckt. Keiner wollte mit auf Konzerte, es war nicht ihr Ding. Dann kam dieses Internet, es gab Foren zu Lieblingsbands, man schrieb dort, verabredete sich für Konzerte, fuhr zusammen nach Paris. Und so. Good thing.
Okay, ein paar merkwürdige Vögel waren auch dabei, aber die gibt es ja immer. Und sich irgendwie zu verstellen um cooler rüberzukommen bringt ja echt nix, wenn es doch irgendwann ein reales Aufeinandertreffen gibt und die Seifenblase zerplatzt. Aber spätestens ab Ü20 macht das ja auch keiner mehr. Bis auf ein paar Vögel eben. Die aber auch im realen Leben hier und da den Player geben würden.
jau! zustimmung, aber volle breitseite. was ich alles schon für interessante menschen getroffen habe, läßt sich bald nicht mehr an zwei händen abzählen
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DÖNER!
Loooove!
Und du schmuggelst Augustiner nach Williamsburg. Über kurz oder lang.
@stiller: Eurodancehopper? Mein neuer Lieblingsbegriff … hach ja, auch an deiner Story sieht man’s mal wieder: The Internet ist sowas von ♥-ig
@Vanessa: DÖNERSCHLACHTFELD würd’s eher treffen. Zumindest bei unserem letzten Date.
@Berlinessa: Ja! Ja! Ja! Die Jungs vom Zoll werden sich freuen …
ahh zu später stund noch so viel emotion – ich bin gerührt, ernsthaft, liebe lia! zum glück hast du damals diesen kommentar gesetzt und zum glück gibt es euch in mannheim! HELL YEAH!
Wunderbare und wahre Worte, liebe Lia.
Ich stimm dir in allem zu und bin schwer für ein baldiges Wiedersehen.
Vielleicht dann in ner Dönerbude beim Stuggi crashen?
Yeah! Oh, das wäre toll, ich muss ja zu meiner Schande gestehen, dass ich trotz eineinhalb Jahren BaWü-Leben noch nie in Stuggi war …