Ein Traum im Traum im Traum und eigentlich ist beinahe gar nichts real. Ein Matrix-Einstieg mit Morpheus’ roter Pille würde diesem Artikel natürlich ein schon ziemlich sexuelles Cineastengesicht verpassen, aber weil mein geschätzer Kollege Herr M sowas gestern schon gebracht hat, käme das jetzt irgendwie nur noch bedingt heiß.
Also rede ich jetzt von Leonardo DiCaprio, sozusagen dem Robert Pattinson meiner Kindheit. Ich hatte ein Bravo-Poster über meinem Bettchen, war dreimal mit meiner Tränenmeermädchencrew im Kino unseres Vertrauens, obwohl die Sache erst ab zwölf war, fuck yeah, zuckersüße Revolution, sogar geschrieben habe ich dem Kerl und ja, lieber Mister DiCaprio, auf das Autogramm warte ich heute noch. Ich finde, Sie sollten es mir möglichst bald zukommen lassen, weil es sonst sein könnte, dass ich eventuell doch noch zu fett für das Grundschul-Shirt mit dem Titanic-Bügelbild werde und das wollen wir ja nicht (früher Oversized, heute Cropped Top, ihr wisst ja wie das läuft).
Das Gute an meinem Ex-Teenietraumstecher ist, dass er heute nicht mit einem verschämten “Die Spätneunziger halt” abgetan werden muss, weil Leo ja irgendwie immer halbwegs gute Filme gedreht hat. The Beach zum Beispiel, wo er bekanntlich die perfekte Mischung aus Drogi-Touri und dickschwänzigem Neandertaler verkörpert. Catch Me If You Can. Blood Diamond. Oder Shutter Island. Ein Film, bei dem ich treudoof zusammen mit meiner Popcorntüte bis zur letzten Sekunde an die Version des eigentlich schizophrenen Verschwörungstherotikers (Leo, of course!) glaubte, während es die intellektuellen Vollhorste neben mir, die sich in Nicht-Leinwandräumen eigentlich als meine Freunde bezeichnen, natürlich schon von der ersten Sekunde an wussten. Und in sowas habe ich exakt elf Öcken investiert? Ähem. Eigentlich dachte ich ja, dass die Institution, in der man für ‘nen Batzen Geld der falschen Theorie folgen und sich am Ende dafür auch noch öffentlich demütigen lassen darf, auf den Namen Uni hört, aber ist schon okay.
Deswegen bin ich echt unsicher, ob ich meinen göttlichen geplagten Arsch für Inception nochmal in den Kinosessel verfrachten soll. Ich meine, zuerst war ich ja Feuer und Flamme und so, aber dann standen da diese drei Zahlen, die zumindest mich knallhart in die Konsumenten-Realität zurückgeschubst haben: 148! (Minuten.) Mit Pause. Das letzte Mal, als ich mir einen Anti-3D-Film in vergleichbarer Länge reingezogen habe, war ich blutjung und datete einen potentiellen Macker auf dessen Wunsch hin während des Herr der Ringe-Epos’, Teil Whatever. (Was tut man nicht alles für – ähm, ein Gefühl der zart aufkeimenden WirwerdenvielleichteinPaarmitKochkursundSchatzBenennungen-Liebe).
Meine Blase ist seitdem so stark wie Godzilla
Mein angeborener Fantasy-Fluchtreflex äußerte sich darin, dass ich ungefähr nach den ersten fünf Minuten gigantomanisch übelst pissen musste. Bedauerlicherweise konnte ich aber weder in der Pause noch direkt nach dem oder gar während des Films offiziell auf’s Klo gehen. Mein dreizehnjähriges Ich wollten den besagten Macker aufgrund dieser miesen Disney-Sozialisation (oder würde sich Cinderella kurz vor der entscheidenden Schuhszene etwa kurz nochmal auf die Schüssel begeben, verdammt?!) schließlich unbedingt von dem Gedanken an körperliche Ausscheidungen in Verbindung mit meinem elfengleichen Wesen abhalten. Meine Blase ist seitdem so stark wie Godzilla, Frodo und der bescheuerte Zauberer zusammen, die Motivation für überlange Leinwandwerke hält sich jedoch trotzdem eher in Grenzen.
Nun ja. Bevor wir hier jetzt noch länger meine Traumata jonglieren, werfen wir lieber mal einen Blick auf die Fakten: Die Industriespionage der Zukunft findet laut Inception im Unterbewusstsein statt. Leo gibt den Typen, der es draufhat, andere Leute mit einem komplizierten Verfahren bis in ihre Träume zu verfolgen und so zellenfrisch-geheime Infos mitgehen lassen kann. Und dann ist alles anders und höchst verwirrend, weil der Regisseur das ungefähr 200 Millionen Dollar schwere Budget ja irgendwie raushauen musste. Drei Handlungsebenen parallel könnten mich eventuell so verstören, dass ich gedanklich sofort aussteige und gelangweilt meine Brüste twittere, die Leute vor mir mit Agrarerzeugnissen bewerfe oder – noch schlimmer – meine Begleitpersonen mit Infos wie “Dieser Eames, also der Schauspieler, meinte, dass er alles und jeden vögelt. Hab ich bei Punkt 6 gehört!” penetriere, während sie konzentriert zwischen Traum, Traum und Traum switchen.
Also, liebe Pre-Pre-Pre-Preview-Checker und Cineastennerds, das Mindeste, was ihr mir nach dieser psychoanalytisch-biografischen Schilderung schuldet, ist eine Tendenz. Wart ihr zufrieden? Habt ihr den festen Vorsatz, am Wochenende vor die großen Bildschirme zu pilgern? Geht ein Film, der Donnie Darko vom Komplexitätsthron stoßen könnte, gar nicht? Oder schlicht und einfach: Inception – Do Or Don’t?
christopher nolan ist einfach ein genialer regisseur. vor allem memento is einer der besten filme überhaupt (finde ich). ich mag es wenn man bis zum ende mitgrübelt und nichts vorhersehbar ist. UND er hat es geschafft aus einem verulkten george clooney batman einen unnahbaren heißen christian bale(ich liebe ihn)batman zu machen
deswegen werde ich mir auch inception anschauen und ich denke nach verwirrung folgt irgendwann begeisterung und schließlich ist es einer der filme die man unbedingt gesehen haben sollte.
Definites Do! Habe den Film ohne Vorwissen in den Staaten gesehen und war mehr als begeistert. Meiner Meinung schafft er es die Handlung so herüberzubringen, dass sie keinesfalls zu abgedroschen oder Sci-Fi mäßig rüberkommt. Dazu geniale Kameraeinstellungen und großartige schauspielerische Leistungen. Ich habe den Film sofort auf meine Lieblingsfilm Liste gesetzt!
Anschauen!
Der Film ist ok, kein Meisterwerk, aber auch nicht schlecht! Totaler Mindfuck auf höchstem Niveau, den man sich einfach mal geben muss!
Go!
Aber vermeide es pinkeln zu gehen! Könnte dir den Abend verderben.
Und Leo ist ein grandioser Schauspieler. Er verkörpert nicht den absoluten Actionhelden aber eine super Mischung bei dem Streifen.
Naja einzig die Musik und Atmosphäre hat mich sehr an den letzten Batman erinnert. Nolan halt. Bisschen düster und verregnet
Ich schwanke irgendwie zwischen ‘Story klingt interessant’ und ‘Ausgelutscht’. Also eigentlich ja Letzteres und Actionsequenzen in Trailern haben mich zuletzt zu Zeiten interessiert, in denen du noch das Leo-Poster über deinem Bett hattest. Aber…Christopher Nolan! Der hat ja bislang eigentlich immer großartige Filme mit recht guten Stories gedreht. Mit Charakteren, die das Wort auch wirklich verdienen. Ich glaub, ich werf auch mal ne Münze, ob ich mir den Film gebe.
do! bin cineastisch nicht sonderlich bewandert, kann nicht rumprahlen mit irgendwelchem insidersuperwissen, aber ich kann mit gutem gewissen sagen, dass leo meiner meinung nach so ziemlich unverkennbar DER schauspieler des jahrhunderts ist (und ich bin nicht von teenieschwärmereien beeinflusst und heute ist da ja auch nicht mehr so viel vom tollen aussehen, dass einen das beeinflussen könnte). donnie darko ist sowieso geil und es könnten sich ja schließlich auch zwei filme den thron teilen wenn es denn so sein sollte. und zur länge: nach blood diamond war ich drei tage lang so in diesem meisterhaften, künstlerisch einfach absolut anmutigenden stück filmgeschichte gefangen, dass ich praktisch vergaß aufs klo zu müssen.und für andere dicaprio-filme gilt das auch min. für die filmdauer. also in dieser hinsicht – keine sorge!
Danke für die Umfrage. Der Film hat es ja sogar in die Nachrichten des öffentlich rechtlichen Fernsehens gebracht, erhielt dort aber nur eine zurückhaltende Bewertung. Seitdem hatte ich keine so große Lust darauf, aber jetzt denke ich, ich werde ihn mir ansehen.
Ein guter Film! Und ich sage das obwohl ich Leonardo eigentlich nicht leiden kann.
Auf jeden Fall DO! Habe mir den Film Sonntag angesehen und wusste da eigentlich nichtmal genau, worum es überhaupt geht. Was du schon richtig gemacht hast: Gelesen, wovon der Film handelt. Tat ich nämlich nicht und war anfangs ein wenig verwirrt. Ansonsten bin ich aber sehr angetan von Inception. Ist ein gut durchdachter Film und am Ende sogar irgendwie traurig. Steht schon auf meiner DVD-Wunschliste