Kleinscheiß

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Bild: D Sharon Pruitt 

Hallo, hier, Herr Kapitalismus, ich bin willig, bitte schieben Sie ihn
mir – ach, vergesst es, was ich eigentlich damit sagen wollte, ist: Ich bin ein absolutes Konsumkind. Und das äußert sich in einem fast schon perversen Supermarkt-Fetisch: Ich liebe Kleinscheiß.

Es begann schleichend. Aber jetzt ist es soweit. Sogar, wenn ich bei Aldi den Mittelgang betrete, muss ich leider erstmal alles stehen und liegen lassen und gucken, ob ich zwischen den Evergreens (Zehnerpacks Stützstrümpfe!) und der Asia-Bambusprossen-Wochenaktion irgendein Wunder entdecken kann. Jep, richtig gehört: Wunder! Irgendetwas, von dem ich vorher nicht wusste, dass ich es brauche – bis ich es entdeckt habe und überzeugt in den Einkaufswagen befördern kann.

Die Quote des direkt darauffolgenden In-die-Ecke-Schleuderns ist zwar relativ hoch. Doch bei manchen Dingen, und ich spreche hier nicht gerade von einer geringen Anzahl (Autosuggestion? Pah! Von wegen!), stellt sich zu Hause dann tatsächlich das Gefühl von “Hier, wow und so, ich habe die Innovation of 2010 abgestaubt!” ein. Das tröstet über alle elektrischen Nagelfeilen und Edelstahl-Schuhlöffel hinweg, die eindeutig in die Kategorie “Scheißkauf” fallen. Und außerdem gibt es dazwischen auch noch die wahren Bonbons. Mini-Fondue-Sets! Der zweihundertste Sandwich-Toaster! Automatische Luftbettaufblasgeräte! Elektrische Pfeffermühlen mit Licht! (Auch wenn die der wohl stylishte Haushalt Mannheims zuerst hatte, ich geb’s ja zu).

So ist das halt. Das Leben ist nicht immer nur MacBook Pro und Bahn-Reisegutschein mit Klimaanlagengarantie, nein, genauer gesagt muss man sich durch verdammt viele dreiteilige vakuumverpackungsfähige Tupperimitate kämpfen. Es geht um Kleinscheiß, Leute. Eigentlich immer. Sogar der eine Moment, der dich ausknockt und wegfegt wie kein Zweiter, ist heute noch da, ein kleiner Stich, aber verschwindend gering. Hey, und das ist gut so, wirklich. Sonst würde ich ja schon angesichts dieses unsäglichen Elektronagelfeilensets zusammenbrechen. Gefühlte zwanzig verschiedene Aufsätze. Pinke, abwaschbare Beutel-Verpackung. Ehrlich jetzt.

Von Herr M / 15. Jul. 2010 / 1:46 Uhr

 

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Kommentare zu Kleinscheiß

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  1. R

    → am 15. Jul 2010 um 02:06 Uhr (#)

    “Das Leben ist nicht immer nur MacBook Pro und Bahn-Reisegutschein mit Klimaanlagengarantie, nein, genauer gesagt muss man sich durch verdammt viele dreiteilige vakuumverpackungsfähige Tupperimitate kämpfen.”

    Haha, word! Dass Supermarktkacke so ne philosophische Wirkung haben kann..

  2. laura

    → am 15. Jul 2010 um 13:14 Uhr (#)

    hahaa :D


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