If the doors of perception were cleansed every thing would appear to man as it is: infinite. For man has closed himself up, till he sees all things thro’ narrow chinks of his cavern.
- William Blake
Der Typ Mann, der mich regelmäßig dazu bringen würde, vor Begeisterung spontan aus meinem Kleidchen zu hüpfen, verbarg sich in den guten alten Sechzigern hinter Namen wie Keith Richards oder Jim Morrison – und war wohl der Inbegriff des Hypes. Warum heute an deren Stelle Leute wie Mehrzad Marashi und Justin Bieber getreten sind, ist viel zu deprimierend für eine ernsthafte Analyse und bevor ich anfange, hysterisch die aktuelle Bravo zu zerreissen, schwelgen wir doch mal lieber in Erinnerungen.
“When You’re Strange” von Tom DiCillo (“Coffee and Cigarettes”) kommt da genau zum richtigen Zeitpunkt. Ein Biopic über die Doors, das eigentlich keines ist, sondern eher eine Doku auf Leinwandniveau, für die sich der feine Herr Regisseur durch tonnenweise Originalmaterial gewühlt hat. Herausgekommen ist eine ziemlich ansprechende Aneinanderreihung von Archiv-Aufnahmen, Live-Mitschnitten und Jim Morrisons Kurzfilmen, die von einem noch viel ansprechenderen Herren kommentiert wird: Johnny Depp. Der gibt auf erotisch-ernsthafte Weise den Dokusprecher und hilft einem erstmal über den Attraktivitätsschock hinweg, den man notgedrungen erleidet, wenn man Jim Morrison als dicklichen oder vollbärtigen Druffi zu Gesicht bekommt, der teilweise ja nicht so wirklich viel mit dem Typen von dem Bild gemeinsam hat.
Es ist also alles authentisch und richtig und original und so, beteuert der Film, um in der ersten Szene gleich mal Jim Morrison höchstpersönlich durch die Wüste cruisend zu zeigen, der im Radio hört, dass er gerade in Paris tot aufgefunden wurde. Aber damit muss man wohl rechnen, wenn man einen “Doors”-Film über die “Strange Days” des Blumenkinderjahrzehnts guckt und dass man am Ton ein bisschen rumgefriemelt hat, geht ja noch, meint Tom DiCillo. Künstlerische Freiheit muss erlaubt sein, wir sind hier ja schließlich nicht bei der Space Night.
Und dann wird geraucht, getanzt, ausgerastet und viel Mukke gemacht, weil das damals anscheinend so lief. Vögelei, Drogen und Gitarrensound mit Blumenkränzchen plus Joint waren in den Sechzigern trendy, ohne selbstverständlich zu sein – das versucht der Film mit kleinen Schnipseln Zeitgeschichte so oft es geht rüberzubringen. Details oder bahnbrechende Neuigkeiten? Fehlanzeige. Was jedoch einschlägt, wenn man den feinen Herrn Morrison mal wieder total knülle über die Bühne schlingern sieht, ist folgende Erkenntnis: Einer Gesellschaft nach und nach in den verschiedensten Bereichen den Stock aus dem Arsch zu ziehen, erfordert ‘ne ordentliche Portion Mut und ist auch noch verdammt anstrengend. Und deswegen würde ich allen “Ich hätte so unglaublich gerne damals gelebt”-Leuten jetzt empfehlen, nochmal darüber nachzudenken.
In der Zwischenzeit kann man ja erstmal wieder Johnny Depps Stimme aus dem Off lauschen, der weitererzählt und dabei erstaunlich verschwörungstheorienfrei bleibt. Jim Morrison lacht auf seiner Karibik-Insel übrigens gerade herzhaft darüber, während er bei Elvis den nächsten Cocktail ordert. Aber das ist eine andere Geschichte.
[ → Ach ja, falls ihr euch selbst davon überzeugen wollt: Das Ganze läuft ab sofort in diesen deutschen Kinos und zwar in der Originalfassung mit Untertiteln. Puh. ]
Also ich glaub’ ja eher, die Spliffs in den 60ern waren selbstverständlich, ohne trendy zu sein (zu wollen).
Ansonsten Danke für den JM-reminder.
Hast Du den Doors-Film gesehen, also den mit Val Kilmer als JM?
Auch super.
Pingback: links for 2010-07-01
Klingt schon interessant. Ich hab Jim Morrison mal getroffen. Auf dem Pere Lachaise in Paris, wo er angeblich beerdigt ist. Hat uns den Weg zu seinem Grab gezeigt. Ernsthaft, er war es, er ist nicht tot.
@MC Winkel: Nope, hab ich leider noch nicht gesehen, aber ich meine, in den ganzen Kritiken zu “When You’re Strange”, die natürlich schön Vergleiche dazu gezogen haben, gelesen zu haben, dass der angeblich gar nicht so toll sein soll?
@stiller: OMG! Erzähl! Details! Oder besser gesagt: Pics or it didn’t happen