
Als ich damit angefangen habe, zum ersten Mal in meinem Leben
selbstbestimmte Hosen zu tragen, gab es für mich nur die eine Beinkleid-Variante: Braune Freeman T. Porter Cord Baggys. So schwer, dass Hanteln überflüssig waren und so breit, dass der Stoff normalerweise für drei Hosen (oder wahlweise auch einen geräumigen Pavillon für Lia) reichen würde.
Hat der einen an der Klatsche? Oder zumindest eine schwere Stylegedächtnisstörung?, wird sich der eine oder andere jetzt bestimmt schreiend fragen und da antworte ich doch mal mit Blumentopf, weil die Jungs das ziemlich sexuell auf den Punkt gebracht haben: ” … da bin ich los zu meiner Bank / um meine Kohle zu holen / um mir Baggy-Pants zu kaufen / um in meinen Hosen zu wohnen … ” So ist das also, weil Kleidung irgendwie ja immer ein Statement ist. Bewusst oder unbewusst – und diese Hosen waren damals nicht nur rein schnitttechnische Freiheit. Sie waren eine für alle sichtbare Demonstration meiner persönlichen Lebenseinstellung, die ich heute mit den weisen Worten: “Nehmt euch Platz!” zusammenfassen würde – zeitlich wie räumlich.
Und haltet mich jetzt für einen oberflächlichen Sack, aber eure inneren Werte interessieren mich erstmal nicht. Ebenso wenig wie euer Grinsen oder eure Möpse. Ich schätze euch in der allerersten Sekunde nach eurer Kleidung ein und dabei spielen zwei Dinge für mich die allerwichtigste Rolle: Schuhe und Hosen! Weil sie bei den meisten Menschen eindeutig die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Art von Lebensphilosophie zeigen. Bänker, Punk, Resignationsmuddi oder Pornodarstellerin, ihr kennt das ja. Und genau deshalb hätten enge Hosen damals nicht mal annähernd meinem Style-Horizont entsprochen. Nicht mal nur, weil sie meine räumliche Freiheit eingeschränkten hätten. Bewusst oder unbewusst: Es wäre es damals einfach das falsche Statement gewesen, Skinnyjeansboys, das waren die anderen.
Betonung auf waren, weil ich heute meine Seele verraten und verkauft, dazu einen Pakt mit dem Stilteufel geschlossen habe und überhaupt das Feindbild meines jungen Ichs verkörpere, weil mein Schritt nicht mehr zwangweise in meinen Kniekehlen hängt. Ganz im Gegenteil. Meine Hosen sind mit den Jahren immer enger geworden und jetzt kommt das eigentlich Krasse: Ich habe trotzdem nicht das Gefühl, etwas von meiner Freiheit eingebüßt zu haben.
Und jetzt? Bin ich mittlerweile zur Oberindielusche geworden? Und wenn nein, warum schreit mein junges endcooles Ich dann immer noch: “Mit solchen Hosen hätte ich mir früher nicht mal den Arsch abgewischt, du Spast”? Habe ich die wahren Werte erkannt und doch nur naiv vom gesellschaftskonformen Uniformsystem ficken lassen? Oder heißt älter werden einfach, automatisch andere Hosen tragen (Und sich irgendwann als Endvierziger typisch endevierzigkeitsmovend auf der Tanzfläche zu den Klängen von Mehrzad Marashi zu ertappen?) Ich meine, im Sommer trag ich mittlerweile sogar kurze Chinos. Mann, hätte ich mich dafür mal gehasst.
Und wo wir gerade dabei sind: Vor kurzem brachte mich irgendein nostalgischer Gedanke nicht nur auf diesen Text, sondern auch auf die Homepage von Freeman T. Porter. Und dass dort keine braunen Cord Baggies mehr zu sehen waren, schockierte mich überhaupt nicht mehr, weil auf einmal alles seltsam klar war: Nicht ich hab mich verändert. Nein. Die Welt wars … oder?
Ich glaube das war der philosophischte Beitrag über Baggy-Pants den es je gab.
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Selbstbestimmte Hosen. Nice.
Und was Finestfun gesagt hat!