Es ist alles nicht so schlimm, sage ich mir, wenn mir
irgendeine gefrustete Kinderwagenfotze absichtlich den Weg versperrt, der Dozent im Mai den Abgabetermin für die Hausarbeit von Ende August auf Mitte Juni verlegt und der fuckin’ Postbote samstags um 8 Uhr (nachts!) klingelt, um ins Haus zu kommen, weil mein Namensschild dummerweise ganz oben in der Klingelreihe steht. Es ist alles nicht so schlimm, rufe ich mir zu, wenn ich mehr Zeit beim Doc verbringe als in der endcoolen Raucherecke, vierstellige Beträge von mir gefordert werden und die Pumpgun zu weit weg liegt, um die Vuvuzela-Tröter vor meinem Fenster zu entfernen.
Hey, es ist alles nicht so schlimm, weil es wirklich nicht schlimm ist, sondern anders. Früher, ja okay, da hat man in die Zitrone gebissen und sich geschüttelt, vor Lachen, einfach so, weil man es konnte. Heute verzieht man die Fresse und pinnt sich den stummen Vorsatz “When life gives you lemons, make lemonade, and then throw it in the face of the person who gave you the lemons until they give you the oranges you originally asked for!” über das Bett.
Natürlich sagt man nie was – und noch schlimmer, man lächelt ja sogar noch, “Einen schönen Tag noch”, obwohl man der kleinen Nutte hinter dem Tresen am liebsten ins Gesicht kotzen würde. Und sogar das ist anstregend, weil sich sowas anfühlt wie Blei, nur nicht in den Füßen, sondern irgendwie überall. Also Blei, auf jeden Fall. Blei, das die Mundwinkel nach unten zieht. Vor sechs Jahren waren wir tickende Zeitbomben: Achtung, Achtung, treten Sie näher, die nächste Lachssalve steht schon für sie bereit. Rausplatzen, am liebsten dann, wenn alles ruhig ist. Über einen Insider, auf den man durch den Tangastoff der Klassenschlampe gekommen ist, bis es echt nicht mehr lustig ist, weil es weh tut und dann nicht aufhören können. Wann aus der Überspanntheit Anspannung wurde? Keiner hat es gemerkt, aber irgendwann war es vorbei, recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit, auf Wiedersehen.
Schuld ist übrigens diese asoziale Region rechts vorne im Stirnhirn, die mit der Anzahl der Jährchen auf dem Buckel klammheimlich zum Brain-Bin Laden mutiert. Großhirn, Gefühlszentrum, Lachmuskeln? Pah. Kleine postrevolutionäre Spacken, die kurz mal Bäng Bäng machen, aber eigentlich längst irgendwo in Versenkung verschwunden sind.
Könnte man meinen. Bis man zerknirscht zugeben muss, dass sie es doch noch draufhaben. Spätestens dann, wenn man zwischen Vielzuernstheit und von Wochenende-zu-Wochende-Hangelei auf einmal anfängt, beim Anblick von Poldis “Doppelpass Alleine”-Mimik lachtechnisch auszuflippen. Viel zu laut, viel zu lang. Tomatenrot angelaufen. Und für einen ganz kleinen Moment ist man der verkackte Jack Johnson auf seinem verkackten Surfbrett. Sonne und Eis und Lagerfeuer-Blowjobs und Smoothyfutsy-Feeling für alle, es geht doch. Und ihr so? Anfallartiges Lachen und das mindestens zehnmal täglich, wie damals in den wunderbaren Teenie-Jahren, geht das bei euch noch?
Manchmal geht das. Und immer, wenn gerade manchmal ist, erinnere ich mich daran, dass ich stets hoffte, Peter Pan würde mich eines Tages zu sich ins Nimmerland holen. Die Morbidität dieses Wunsches außer Acht lassend, lache ich dann noch lauter, um nicht die Stimme in meinem Kopf zu hören, die mir sagt: Vergiss es, kein Nimmerland mehr für dich, außer, wenn Hook dich auf die Seite der Erwachsenen zieht.
Jack Johnson schreit mich an mit seinen Liedern: “Du machst was falsch, denn Du bist total unentspannt…hey, alles easy!” Teeniemäßiges ausflippen mit Tränenlachen geht nur per Zeitreise: 90er Jahre Videos auf Youtube mit der Busenfreundin gucken, mitsingen und Dancemoves kopieren.
Alles eine Frage der richtigen Leute um einen herum, finde ich.
Vorhin hab ich so eine gefrustete Kinderwagenfotze auch gesehen. Als ich gerade zuschlagen wollte, hab ich sie erkannt. Es war
MEINE MUDDER!
geht.. wenn etwas wirklich witziges passiert
Stimme notquitelikebeethoven zu. Ein Grund mehr endlich aus der WG auszuziehen
Nun Schätzelein, es ist ja so. Also, wo fange ich an. Wir führen ja alle einen inneren Dialog. Kennste bestimmt. Die Kackbratze im Kopf, die Dir immer ständig einreden will, wie scheiße alles ist. Im linken Frontallappen, also links über Deinem Auge ist die Region für positive Emotionen, Gefühle und den ganzen Scheiß. Rechts, Schätzelein, sind natürlich die ganzen scheiß Gefühle untergebracht. Denkt man jetzt also jeden Tag an die Scheiße, wird der rechte Gehirnlappen größer. Andersrum,Andersrum.
Man kann die Dinger übrigens auch trainieren, aber das, würde nun wahrlich zu weit führen.
Über meine schier grenzenlose Intelligenz bin ich immer wieder selbst erstaunt!