
Wenn du bei deinem Nutellafrühstück auf einmal nur noch an das runde
Leder denken kannst und sogar das Klopapier in der Schwarz-Rot-Gold-Sonderedition daherkommt – dann steht demnächst wahrscheinlich sowas wie ‘ne Fußball-WM an. Die Erste nach “unserem” Sommermärchen, wohlgemerkt, und da kann man schon mal sowas fragen wie Sag mal, bist du eigentlich noch Deutschland?
Oder ist das, was als “neues unverkrampftes deutsches Selbstverständnis” nach 2006 so hochgelobt wurde, einfach nur peinlich? Springst du bald im wieder im Schwarz-Rot-Gold-Latexanzug über die Bierbänke? Weinst du mit Ballack? Hattest du während dem letzten Halbfinale den besten Sex deines Lebens? Oder isst du dein verdammtes Nutellabrot garantiert ohne auch nur einen Gedanken an unsere Elf zu verschwenden? Hannah, Torsten, Christine, mannfRed und Katja haben in der vierten Staffel unserer sexuellen sdbr-Gastautorenrunde “Ausgesprochen” nach Antworten gesucht – Poldis Oberkörper und Heimweh inklusive.
Torsten von pirgofabrik.de
“Nacksteaks und Bier”
Der Deutsche an sich neigt in seinem Größenwahn nicht unbedingt zur Maßlosigkeit. Das erkannte ich das erste Mal im Jahre 2006 als die Welt zu Gast bei Freunden war. Die unsägliche Fußballeuphorie, die über Deutschland flog wie vor kurzem die Aschewolken über Island, sorgte dafür, dass wir als gute Gastgeber nicht die Farben der Gäste präsentierten, sondern unsere eigenen. Schwarz-Rot-Gold Fahnen hingen aus den Wohnzimmerfenstern, den Küchenfenstern und stellenweise konnte man auch aus den Luken der öffentlichen Toiletten jene Flaggen sehen. Aber nicht nur das. Schwarz-Rot-Goldene Socken, Unterhosen und an jedem Auto fünf oder sechs Fahnen in eben erwähnten Farben prägten das gesamte Bild einer ganzen Nation. Von den Fahnen der Gäste, die ja zu Gast bei Freunden waren, fehlte fast jede Spur. Deutschland, ein einziges Fahnenmeer.
Nun ist es wieder soweit. Unser Land hüllt sich in seine Farben, was natürlich auch vollkommen legitim ist – wir sind ja diesmal keine Gastgeber – und die Sportfreunde werden wieder einen beträchtlichen Batzen auf ihre Altersvorsorge packen, weil jeder die Zahlen 54, 74, 90, 2010 durch die Straßen brüllt. Der Fußball an sich ist Nebensache, denn viele, die sich die eben erwähnten Fähnchen ans Auto packen, haben nicht mal den Hauch einer Ahnung was den auslösenden Ballsport betrifft. Aber egal. Ich habe auch keine Ahnung. Ich bastel mir aber auch keine Fahnen ans Auto.
Dies ist übrigens mein dritter Versuch, etwas Positives über die Fußball-WM zu schreiben, aber es will mir außer Nackensteaks und Bier partout nichts einfallen. Muss es aber ja auch nicht, denn die Vorfreude auf das Großereignis stellt ja alles in den Schatten. Auch die Ahnungslosigkeit. Ganz Deutschland wir d in den kommenden Tagen vereint vor den Fernsehern, Großleinwänden und über diverse Kredite finanzierten Flachbildschirmen sitzen. Egal ob Jung, Alt, Lehrer, Polizist, Arbeitssuchender oder Schüler: Fußball ist Ehrensache und damit in den nächsten Tagen so etwas wie Vaterlandspflicht. Wer gegen die Deutschen ist, ist ein bescheuerter Spielverderber und wird von der Gesellschaft ausgeschlossen, was so viel bedeutet wie „Keine Salzstangen für die Sau.“
Ein ganzes Land fiebert im kollektiven Fußballfieber und springt bei jedem Angriff aus den Sesseln, wenn sie sowie so nicht schon stehen. Die Mehrheit wird bei jedem Tor wieder von „unseren Jungs“ und am Ende hoffen alle, dass sie den geilsten Satz überhaupt in der Bildzeitung lesen können. „Wir sind Weltmeister“.
Noch ist es aber nicht soweit. Derzeit stehen wir alle vor einer Stunde der nationalen Euphorie. Die Deutschen werden zu einer Nation von Kämpfern die den verlorenen Patriotismus wieder gefunden haben und stolz die Fahnen schwenken. Und wenn ich so darüber nachdenke, dann fällt mir doch noch etwas Positives zur WM ein. Letzten Endes ist in den nächsten Tagen ganz egal welcher politischen Couleur oder ideologischen Herkunft man ist – unser ganzes Land vereint sich um gemeinsam die Spiele zu schauen und sich gemeinsam über Siege zu freuen und über Niederlagen zu weinen.
Und in Anbetracht dieser Tatsache muss ich sagen, dass ich auch dabei sein werde, wenn unsere Jungs aufs Feld laufen. Ich werde mir keine Farben ins Gesicht malen, keine Fahnen schwenken und auch kein Trikot anziehen. Ich werde mich nicht für die Spiele interessieren oder schimpfen wenn etwas in die Hose geht. Ich werde einfach nur dabei sein und mich freuen, dass in diesen vier Wochen sämtliche Sorgen der Welt vergessen sind und die Menschen in allen Teilen der Welt eine Sache verbindet: König Fußball.
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Torsten von pirgofabrik.de “Nackensteaks und Bier” |

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Putensteak, Herr Luttsen, ist viel zarter und schmeckt echt besser zum Holsten.
Also mir persönlich reicht Bier ja schon voll und ganz, um die WM positiv zu sehen
Ich muss ja sagen, ich hab die WM2006 als sehr farbenfrohes Erlebnis im Kopf. Liegt aber auch und vielleicht vor allem am Volunteerjob damals. War ne schöne Zeit mit Aussies und Trinis und Amerikanern und vielen anderen. Und ich habe auch jetzt neben meinem Deutschlandtrikot mein Australientrikot aus dem Schrank geholt. Natürlich nicht für Sonntag. Da zählen dann doch nur unsere Jungs.