Arschtritte in Heels

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Bild: Connie Miller 

“Beziehungen sind überflüssig, seit die Frau den Kopf aus der Höhle steckte,
sich umsah und sagte: Das kann ich auch!” Dieser Satz könnte auch von einer sexuell gefrusteten Latzhosenmuddi stammen (und die würde dann zweifellos auch Props dafür bekommen), aber weil ihn die prosexuelle Samantha irgendwann mal auf Zwölf-Zentimeter-Absätzen im Rahmen einer US-Serie rausgehauen hat, zweifelt man seltsamerweise daran, dass das Ganze feministisch gemeint sein könnte.

Dabei waren Carrie, Miranda, Charlotte und notgeile Frau Jones schon von Anfang an nicht die vier Muschis, die auf die Herd-Dauerkarte in Form eines reichen Supermackers mit goldener Amex plus BlingBling-Ring gewartet und sich es halt in der Zwischenzeit notfalls auch schon mal mit einem Blahnik-Absatz besorgt haben. Wer behauptet, dass “Sex And The City” nur Labels, Love und literweise Champagner wäre, hat sich noch keine der frühen Folgen reingezogen (oder kann vor lauter Geheule über seinen Style im Vergleich mit dem der Mädels gerade keinen klaren Gedanken fassen).

Aber von vorne. Wenn man mit klassischer “Du machst die Küche und er die Asche”-Rollenverteilung und “Du gehst mal ins Büro (damit dir in den Jahren zwischen Altar und Brut nicht ganz so langweilig ist, is klar)” groß wird, ist der Lifestyle von Carrie & Co. erstmal ungefähr so weit weg wie das erste eigene Paar Manolos. Jaja, Anwältin, blah, PR-Bitch, blah, eigene Kolumne, schön für sie, aber ich und dieses “Independent Woman Fuck Yeah”-Leben? Never ever.

Und dann fangen die Vier an zu labern, über kleine Schwänze und größere, über Muschis und Dildos, Liebe, Waxing und über Ziele, Heiraten, Fendi-Taschen, Freundschaft und die “Verdammt! Ich will bloß richtig gefickt werden, bloß richtig gefickt werden!”-Sache – ich weiß nicht, warum, aber irgendwann kommt dir das so vertraut vor, als würden die Mädels neben dir auf der Couch sitzen. Man ist also angefixt. Vielleicht, weil bei den vier Ladies jedes noch so krass rausgehauene Details irgendwie charming rüberkommt. Weil Themen ernsthaft behandelt werden, ohne sich dabei zu ernst zu nehmen. Und weil es vor allem um Respekt geht, verdammt. Gegenüber den Jungs, sich selbst und den Dingen, die einen beschäftigen. Und wenn das gerade mal Heels, Klöten, Kunden und Blowjobs sind, so what?

Ich würde jetzt nicht behaupten, dass “Sex And The City” mein Leben nachhaltig beeinflusst hat. Aber irgendwie haben die Mädels schon ein kleines Stückchen dazu beigetragen, dass ich der Welt immer mit Selbstverständlichkeit anstatt diesem “Mimimi, ich könnte das ja eigentlich auch, obwohl ich ‘ne Frau bin”-Ansatz gegenübergetreten bin. Dass es mir keinen Stress macht, hier drei Mal Muschi (Muschi, Muschi) zu schreiben. Dass ich meine Meinung sage, nie die Fresse halte und nicht auf meine Titten reduziert werde, es sei denn, ich brauche es gerade.

Und ich könnte jetzt auch handfeste Argumente in Sachen Vorbild-Credibility bringen – von Miranda und Steve zum Beispiel, aus deren Mitleidsfick sich eine Family mit oh so untypischer Rollenverteilung entwickelt hat, von Samantha, deren Toyboy ausgerechnet zum ernsthaften Beziehungstyp wird, von einer Carrie, die sich von dem Russen nicht zur Croissants knabbernden Ische-von in Paris machen lässt und zu Mr Big auch schon mal sowas wie “Hey, ich regel das hier gerade und es ist echt nicht nötig, dass du mich rettest!” sagt.

Und bevor ihr davon anfangt – klar hat sich mit den Jahren das revolutionäre Pussypowertum von SATC mal mehr und mal weniger verflüchtigt. Von dem ersten Leinwand-Epos ganz zu schweigen (auch wenn die Kackszene rund um Charlotte eigentlich schon wieder ganz großes Kino war) – und trotzdem werde ich mir die Fortsetzung angucken. Vielleicht gerade deshalb. Alte Freundinnen nach einer gefühlten Ewigkeit wiederzutreffen und sich mit einer wohligen Mischung aus Schock, Interesse und Lästerlust reinzuziehen, was gerade bei ihnen geht, ist sexy. Sich danach zu schwören, nie so zu enden, inklusive.

Was bleibt, ist die Tatsache, dass uns Candace Bushnell mit ihrer Story rund um Carrie & Co. ein bisschen mehr verpasst hat als just another TV Show. Möglicherweise ja sogar einen Hauch von Lifestyle á la “Ich trage die Klamotten, die ich will, und blase jedem einen, der mir gefällt, und das, solange ich noch atmen und knien kann!”, den wir allen Ladies, die sich für Frauenrechte den Arsch aufgerissen haben, schuldig sind. Ein bisschen weniger flennen und ein bisschen mehr machen.

An die Tür vom Chef klopfen und Klartext sprechen und das gerne auch mit knallpinken Fingernägeln. Weil wir uns heute nicht mehr mit Dresscodes und “Ist das denn jetzt Mädchen-Mädchen und somit untragbar”-Kleinscheiß abgeben sollten. Und wenn mich jemand deswegen stressen sollte, trete ich ihm in den Arsch. Auf Heels, versteht sich. Weil sie uns nicht etwa die Bodenhaftung oder Zielstrebigkeit nehmen, oh no, ganz im Gegenteil. Eine Lady, die auch noch auf zwölf Zentimetern fest mit beiden Beinen auf dem Boden steht, kickt so schnell keiner aus der Bahn und dass einem alles darunter nur noch wie ein besseres Paar Sneakers vor kommt, spricht doch für unsere Standhaftigkeit. Baby, du musst Feministin sein und das Beste – du darfst auch noch gut aussehen dabei. So läuft das nämlich.

Von Lia R / 26. Mai. 2010 / 23:34 Uhr

 

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Kommentare zu Arschtritte in Heels

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  1. laura

    → am 26. Mai 2010 um 23:38 Uhr (#)

    yo! lieblingssatz: “Ich trage die Klamotten, die ich will, und blase jedem einen, der mir gefällt, und das, solange ich noch atmen und knien kann!”
    hahahaa

  2. ichgehschlafen

    → am 26. Mai 2010 um 23:39 Uhr (#)

    erst flattr-invite, und dann nicht einbauen? ;) Zum Text: !

  3. Lia R

    → am 26. Mai 2010 um 23:47 Uhr (#)

    Ahhh, ich weiß, ich bin doch so busy mit die Weltherrschaft auf Heels an mich zu reißen und so … kommt aber noch ;) Jetzt aber!

  4. Tirolblogger

    → am 27. Mai 2010 um 02:09 Uhr (#)

    :-) Sehr gut! Ein Posting für die Weiblichkeit.

    Wenngleich zur Zeit auch eine Gegenströmung ausbricht, die von einer holländischen Autorin losgetreten wurde. Sie schreibt in ihrem Buch “Mc Sex” über die Ähnlichkeit von Pornographie mit dem nur kurzfristig befriedigenden Geschmackserlebnis bei Mac Doof.

    Dabei sieht sie selbst aus, wie die perfekte Domina… :-)

  5. Candyce

    → am 27. Mai 2010 um 14:39 Uhr (#)

    Seeehr guter Entry.
    :D mein lieblingssatz ist der selbige wie bei laura ;D

  6. Nina

    → am 27. Mai 2010 um 15:19 Uhr (#)

    Amen!

  7. Scissorella

    → am 28. Mai 2010 um 15:14 Uhr (#)

    Ja! Liebe Lia R,
    das ist ein absolut kompetent verfasster Artikel dem nichts hinzuzufügen ist. Punkt.
    In Begeisterung,
    Frau Zett

  8. Marie

    → am 30. Mai 2010 um 14:32 Uhr (#)

    unglaublich geiler Artikel! danke dafür ;)
    du hast es echt genial auf den Punkt gebracht,
    außerdem liebe liebe liebe ich deinen Schreibstil!

    ebenfalls in Begeisterung,
    Marie

  9. Lia R

    → am 31. Mai 2010 um 01:46 Uhr (#)

    Danke für die Blümchen, ihr Lieben ;)


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