In den späten Nineties beschloss ich eines Tages, mein pinkfarbenes Drittklässerdasein hinter mir zu lassen und mich stattdessen dem harten, dreckigen und echten Leben hinzugeben. Die Uhr tickte also ein letztes Mal, irgendwo rappte jemand “Flugzeuge im Bauch”, dann knacktste die Fernbedienung vernehmlich und ich guckte meine erste GZSZ-Folge. Hach.
Oli.P hieß damals noch Ricky und hatte keinen Wanst, dafür aber volles Haupthaar und einen Ohrring links. Und auch sonst war irgendwie alles besser. Ich war schnell vorbereitet darauf, mein erstes Mal möglicherweise bei Kerzenschein mit meinem Cousin zu erleben, der sich im Nachhinein als meine Oma outen würde. Dass in meiner zukünftigen fancy Mitte-WG der Frühstückstisch immer hotelmäßig gedeckt sein, ich aber mysteriöserweise leider immer nur für ‘nen Schluck frischgepressten Orangensaft Zeit haben würde, war mir klar und hey, dank Jeanette Biedermann wusste ich sogar, wie man sich verhält, wenn man neben dem brandneuen Macker im Kino mal ‘nen fetter Rülpser von sich gibt. Von den kreativen Todesarten ganz zu schweigen (Auch Mäuse übertragen tödliche Viren! Sektenführer vergiften dich grundsätzlich irgendwann! Watch out, sä Strumpfhosenmörder is coming!).
Man könnte also sagen, dass ich für alle Eventualitäten gerüstet war. Und noch mehr: Zum Dank für den Kauf des GZSZ Magazins, das ich brauchte, um mich für die verdammte Hochzeit von Flo und Andy im Berliner Dom fortzubilden, gab’s nen quietschepinken Blow-Up-Sessel und weil wir damals ja nüscht hatten, nicht mal Modebloggerinnen, musste das offizielle GZSZ-Beautybuch herhalten.
Heute ist alles anders. Niemand weiß mehr, dass ein Darsteller-Autausch bei ein und der selben Figur früher noch anständig durch Gesichts-Umwandlungen erklärt wurde. Oder dass Spätkauf-Tayfun und Gay-Lenny auf dem Kiez voll krass peacemäßig zusammen chillen (bis der Knast dazwischenkam), weil ich ja der einzige Mensch auf dem Planeten bin, der auf GZSZ hängengeblieben ist. Ist klar. Macht ihr erstmal eure drei Vaterschaften, zwei Ehen, eine Verlobung, drei Langzeitbeziehungen und 23434 Bumsgeschichten mit unvermeidlichen Jo Gerner durch, dachte ich deshalb auch nur verächtlich, als ich vor kurzem einer Extraladung Hohn und Spott der drei Jungs auf meiner Couch ausgesetzt war, nur weil ich um 19:40 Uhr auf RTL umschaltete.
Sie ertrugen die ersten Minuten mit der herablassenden Geduld, die man auch kopulierenden Bonobo-Affen entgegenbringt, weil sie gerade nicht anders können. Dann nahm Herr X einen verächtlichen Schluck aus seiner Bierflasche, guckte ungläubig und zerstörte mit einem “Hey, seit wann haben die denn neue Berlin-Zwischensequenzen?!” sein Image für immer.
Und damit ihr nicht dasselbe erleiden müsst, liebe Leser, schaffe ich euch zum 18. Geburtstag unserer heimlichen Lieblingssoap hiermit einen Raum für intime GZSZ-Geständnisse. Habt ihr von Leon Moreno Boxen gelernt? Euch von Jo Gerner den Umgang mit exklusiven Callgirls abgeguckt? Oder schon mal heimlich imaginär im Mokka gekellnert? Lasst es raus! Irgendwann erfahren wir es sowieso.
OMG, der Oli war ja ‘ne Schnitte, wenn man ihn jetzt sieht, ist der Verfall schon ziemlich krass!! Zu GZSZ: Kein Kommentar
Jaaaa, genau die Zeit die du beschreibst (Oli P, Jeanette und Co.) habe ich auch verfolgt
Das war schon toll damals, hehe. Allerdings habe ich die Soap irgendwann links liegenlassen, da sich ja doch alles wiederholt. Ich meine, wie viele Gaststätten sind schon zu Jubiläumsfolgen explodiert, eingestürzt oder abgebrannt?
Und hat Jo Gerner eigentlich endlich das Kind was er immer wollte (ich erinner mal an die Leihmutter-Story mit Katja^^).
Und warum vergesse ich auch nach ca. 10 Jahren diese Storys nicht o.O ?