Mumblecore klingt irgendwie nach einem strangen Fetisch, den man mal bei
Domian aufgeschnappt hat, aber nein, wir reden hier von Ami-Kino und zwar ohne Happy End. Genauer gesagt geht eigentlich gar nichts und das ist so ziemlich das herausragendste Merkmals des neuen Hipster-Film-Genres mit dem komischen Namen. Es gibt nur sparsam eingesträute Regieanweisungen, Schnitte und Kamerafahrten und überhaupt wirkt das Ganze rein optisch irgendwie so, als hätte man dem deutschen Kino den Wannabe-Hollywood-Stock aus dem Arsch gezogen.
“The Exploding Girl” flimmert in dieser Woche als erstes Vorzeige-Baby seiner Gattung auch bei uns über die Leinwände. Warum es ausgerechnet dieser Streifen von der Berlinale ins Mainstream-Kino geschafft hat, weiß man erstmal nicht genau, weil Ivy eigentlich nur gefilmt wird, wenn sie das tut, was wir auch am liebsten machen: Nichtstun. Und telefonieren. Zum Beispiel mit ihrem Macker Greg, den man nie zu Gesicht bekommt, macht aber nichts, weil die beiden sich nicht gerade viel zu sagen haben und dann macht er sowieso Schluss. Und Ivy geht in die Luft. Innerlich zumindest. Was bedeutet, dass sie schweigt und saufen geht, obwohl sie eigentlich keinen Alkohol trinken darf, weil sie Epileptikerin ist, aber scheiß drauf.
Al, der Typ, der irgendwas zwischen bester Freund und großer Liebe ist und während der Sommerferien bei ihr wohnt, ist auch auf dieser Party und wäre das jetzt ein Blockbuster, würde sie sich ihm flennend an den Hals werfen, aber wir erinnern uns, das hier ist ja Mumblecore und deswegen bekommt Ivy ruhig einen epileptischen Anfall und guckt sich ein paar Szenen später mit Al einen Bilderbuch-Sonnenuntergang an, mit gefühlt achthundert Tauben, die vorbeifliegen, was denn auch sonst. Sie kacken ihnen nicht auf den Kopf und das nervt in diesem Moment mal, weil das mit der zuckrigen Zweisamkeit in “The Exploding Girl” nicht so cupcakeknallhart auf den Rezeptoren hämmert, sondern eher subtil stattfindet.
Was bleibt, sind ein paar Schönwettertage, in denen alles möglich wäre, wenn man sich mal dazu aufraffen könnte. Das wird unser Tag, Baby, wenn wir aufstehn. Dass zwischen Ivy und Al was laufen könnte, liegt in jeder Sekunde der Story flirrend in der Luft, aber anstatt wilden Sex in den Büschen zu haben, hängen sie lieber stundenlang in Parks ab und wechseln unwichtige Sätze. Und irgendwann willst du echt ausflippen: Warum zur Hölle macht er beim “Gute Nacht”-Sagen nicht nochmal kehrt, nimmt ihr Gesicht in beide Hände und knutscht sie? Und jetzt noch mal alle so: Weil das Mumblecore ist, stimmt ja. Wer damit leben kann, von unausgesprochenen Möglichkeiten und Anti-MTV-Schnitten berieselt zu werden, wird von der keinohrhasenangehauchten Hipster-Variante des Ami-Indie-Kinos wohl auf ewig angefixt sein.
Offen bleiben folgende Fragen: Wer hat die Art von Männern erfunden, bei denen man genau weiß, dass sie der perfekte Macker wären, und umgekehrt ebenso und alles mysteriöserweise trotzdem immer nur eine Möglichkeit bleibt? Kommt Möglichkeit von Mögen? Oder doch eher von Mumblecore? Wer hat den bescheuerten Namen eigentlich erfunden?
Und darf “The Brown Bunny” als Paradebeispiel (ich kenne keinen Film, der Tanken, Schlafen und Einparken so zelebriert) nicht in diesem Genre mitspielen, weil Vincent Gallo am Ende seinen Penis rausholt?

Also im Kino würde ich mir das Mumblecore-Zeug auch nicht angucken, aber zum Beispiel nachts nach ‘n paar Bierchen zum Chillen ist das nicht mal die schlechteste Unterhaltung, glaub ich
Ich glaube nachts würde ich eher ausschalten, im Kino kann ich mir den Film besser vorstellen. Auch wenn ich ein bisschen hin und her gerissen bin. Ich mag zwar ruhige Filme und der Trailer hat tolle Bilder, aber irgendwie könnte das auch zu langsam sein. Mal schauen, ob es hier ne Nachtvorstellung gibt.
Pingback: thestiller.de » » The Exploding Girl