
Die große Frage und so, klar, dass sie uns früher oder später einkreist, ist irgendwie logisch, aber was tust du eigentlich, wenn sie nicht etwa “Was bereust du?” lautet, sondern “Was wirst du bereuen?”.
Vermutlich gar nichts, sagst du jetzt, denn schließlich kannst du es gar nicht wissen und willst es ehrlich gesagt auch nicht, denn wer klettert schon auf den verdammten Baum, wenn klar ist, dass er auf die Fresse fliegen wird?
Aber, hey, Bäume sind als Metapher noch ausgelutschter als Jesse James’ Schwengel – was zur Hölle schreibe ich hier eigentlich? – dafür mag ich aber neuerdings FlashForward. Eine absolut strange ProSieben-Serie, die an einem verwirrenden Wochentag zu einer Uhrzeit läuft, zu der ich normalerweise gerade mein Tagestief überwunden habe und mich eigentlich null interessiert.
Trotzdem bleibe ich irgendwie immer vor den fancy-verwirrten FBI-Agenten hängen und ziehe mir rein, wie sie nervös in ihren Hochglanz-Villen auf und ab schlendern und rausfinden wollen, welches lostmäßige Phänomen denn jetzt eigentlich die gesamte Menschheit für exakt 137 Sekunden ausgeknockt hat, damit sie alle gleichzeitig in den Genuss kommen, einen Blick darauf zu werfen, wie tot, heiß, schuldig, sexy, sündig, lebendig oder assi sie in sechs Monaten eigentlich leben werden.
Ein Blick in die Zukunft? Quatsch. Ein Fehler in der Matrix, diagnostiziert der weltoffene
Geek von heute folgerichtig, doch unsere FBI-Herren sind da ein bisschen pragmatischer und noch mehr: Sie bleiben nervös, meistens wegen dem bösen Münchner Quoten-Knastnazi und dem Ex-Charlie aus Lost, weil die wohl was mit dem “Blackout” zu tun haben, aber vor allem wegen ihrer eigenen Visionen vom “Guck mal, so biste bald”-Ich.
Kleine Kostprobe? Der Ex-Alki säuft trotz ewigem Nüchternheits-Versprechen an seine Lady wieder, die in ihrem Glaskugel-Augenblick passenderweise die große Happy-Family-Show mit einem neuen Macker plus dessen Sohn erlebt hat. Nicht gerade Balsam für die Beziehung. Oder sein Partner, der irgendwie nichts gesehen hat, was verdächtig nach Abtreten riecht. Seine Weltallerliebste wiederum ahnt nichts und versucht die Hochzeits-Vision, die ihr der Blackout eingetrichtert hat, romantisch im Real-Life zu inszenieren und er hat im Moment verständlicherweise doch so gar keinen Bock auf Altar-Action.
Hm. Das war jetzt ziemlich viel Story-Soße für den simplen Grund, den ich eigentlich hier verbreiten wollte: Junge Eins und Junge Zwei haben sich seit dem Blackout hingebungsvoll der Zukunftsschadensbegrenzung verschrieben und manövrieren sich dadurch faszinierenderweise genau in die Scheiß-Lage, die sie eigentlich vermeiden wollten.
Stellt sich dabei nur eine Frage: Ist das jetzt Karma oder einfach nur bescheuert? Durch krampfhafte Pre-Pre-Pre-Krisenintervention zum dreiundachtzigsten Mal zu vergessen, ihr abzusagen, weil man sich den Kopf darüber zerbricht, wer die verkackten Visionen jetzt genau verbrochen hat, weil man ja die Welt retten muss und so. Mimimi. Ober besser gesagt: Checken Sie doch mal wieder Ihre Prioritäten-Parade, Mister FBI!
Vielleicht sollte man die FlashForward-Herrschaften auch mit einem Hauch mehr Toleranz behandeln, schließlich muss dass schon fies sein, ohne Vorwarnung vorgehalten zu bekommen, dass man alles gegeben und es trotzdem nicht gereicht hat. Ich meine, wie krass ist das denn bitte?
Natürlich wird es immer noch neuer, fresher, heißer, fetter, auftoupierter und nie erreichter, hey, das ist die Buchstabenluft, die ich atme und dass dich irgendwann nur noch eine Flutwelle an schlecht riechender Anti-Auftoupiertheit überspült, weil du dein Mehrsein längst verloren hast, wie Alice, die gesteckt bekommt, dass ihr Wunderland eigentlich Unterland heißt, ist assi.
Und jetzt brauchst du gar nichts einzuwerfen, weil gerade Sex and the City auf Comedy Central läuft und die Vogue-Tussi zu Carrie zwischen zwei dressingfreien Salatblättern sowas sagt wie “Es kann klappen. Sie müssen einfach nur aufhören, zu erwarten, dass es so wird, wie Sie sich das vorgestellt hatten.” Ein bisschen bitter, aber irgendwie auch voll easy.
‘N Scheiß. Ich packe jetzt meine Tasche für morgen, setze mich nach dem Aufstehen in die Bahn, mit kiloweise Blättern, dreihundert To-Do-Listen, einen theoretisch bis auf die Minute auskalkulierten Tagesplan, und bin überzeugt, dass alles genauso laufen wird, wie ich mir das gedacht habe und wenn etwas crashen sollte, dann … ja was eigentlich?