
Geben wir es doch einfach mal zu: In mindestens achtundvierzig Momenten am Tag sind
wir alle bekennende Misanthropen. Zum Beispiel, wenn abgrundtief ekelhaft erkältete Menschen deinen Weg kreuzen. Denn:
Zum Glück husten sie ausnahmslose alle immer erst, wenn sie auf meiner Höhe sind. Damit ich auch was davon habe. Nicht zehn Meter bevor wir uns kreuzen. Nein. Einen halben. Mir offen ins Gesicht.
Ein paar Minuten später, bei der Apotheke, der Frisöse oder dem Edelfutter-Lieferanten deines Vertrauens, sieht es meist auch nicht besser aus:
Ich stecke 1 Euro 20 in das hässliche Trinkgeldschweinchen rechts neben der Kasse. Mein geriatrisches Bugs Bunny bedankt sich schwungvoll und wünscht “einen schönen Tag noch”. Komm, halt einfach dein Maul. Einen schönen Tag wünschen ist ätzend. Die reinste Anmaßung. Schlagartig erinnere ich mich an das, was mir bevorsteht.
Und danach führt dich dein Weg auch noch in einen halbwegs öffentlichen Raum? Oh mein Gott:
Grüßen im Flugzeug, in Gängen von Gebäuden, in Umkleideräumen, auf Waldwegen oder im Lift ist nur was für Leute, die an das Gute im Menschen glauben, zur Verlegenheit neigen oder auf Koks sind.
Zähl- und Ritual- und Ordnungszwang inklusive
So gesehen ist Peter Weidner, Protagonist in Robin Felders auftoupiertem Debütroman “Unsympath”, eigentlich ein ganz normaler Typ. Vielleicht ein bisschen heißer als du, schließlich foltert er sich selbst jeden Tag in einem Schickeria-Fitnesstempel.
Vielleicht hat er auch einen etwas besseren Job als du, weil Composer mit Hang zum Charten ja meistens nicht gerade an den üblichen 9-to-5-Rhythmus im Großraumbüro gebunden sind. Und deshalb ist er vielleicht auch noch ein ganz kleines bisschen reicher als du, denn um einen Jaguar zu fahren, eine Eigentumswohnung zu besitzen und das auch noch in München, braucht es schon etwas mehr als den ein oder anderen Top 100-Dümpler.
Lauter Gründe, um ihn so richtig assi zu finden? Right. Denn neben diesen ganzen Eigenschaften ist er natürlich ein unglaublich arroganter und von sich selbst überzeugter Wichser, der keine menschliche Existenz in seinem Beisein ertragen kann – am Allerwenigsten sich selbst. Zähl- und Ritual- und Ordnungszwang inklusive.
“Zusammengebissene Zähne. In mir tobt die schiere Panik. Der ganze übliche Heulsusenkram eben. Huuh, ich zweifle an allem.”
Um sich neben den “Du hast mal wieder ‘nen Top 10-Hit in den USA gemacht”-Meldungen, auf die er übrigens genauso scheißt wie auf den Rest der Welt, nicht zu langweilen, datet und vögelt er Frauen, die er dank “Adrette Venusianerin möchte Stopp auf dem Mars machen, um Dich kennenzulernen”-Kontaktanzeigen in der Zeitung aufgerissen hat. Parallel, versteht sich. Um nicht den Überblick zu verlieren, führt er akribisch per Word-Dokument Buch über seine potentiellen Bums-Kandidatinnen. Deren Freak-Brüder, die während dem Vögeln schon mal auf allen Vieren reinkrabbeln und an Peters Zeh lutschen, muss man dabei schon mal einkalkulieren.
Jetzt glaubst du, dass der Junge ordentlich einen an der Klatsche hat? Möglich. Gäbe es da nicht diese Momente im Buch, in denen einem Peter Weidners Verhalten unglaublich bekannt vorkommt. Wenn ihm bewusst wird, dass er alles hat, wovon er immer geträumt hat, es sich blöderweise aber überhaupt nicht so anfühlt, als würde es ihm gehören. Wenn er überlegt, ob er nicht mal irgendwann anders war. Und nicht darauf kommt, weil es ihm gar nicht einfallen kann. Wenn er auf einmal depressiv ins Bett fällt und sich – anders als die anderen Popliteratur-Muschis – währenddessen selbst verarscht:
Zusammengebissene Zähne. In mir tobt die schiere Panik. Der ganze übliche Heulsusenkram eben. Huuh, ich zweifle an allem. Huuh, ich bin mir nicht gut genug! Und das, huuh, obwohl ich mich doch VIEL BESSER ALS DIE ANDEREN FINDE! Was mich jedoch nicht aufwertet, sonder lediglich die andere abwertet! Dabei ist es vollkommen legitim, sich was vorzumachen: Alles ist okay. Was ich tue, ergibt Sinn.
“Unsympath” ist ein Buch, das einen dazu bringt, Mitleid mit einem absolut ekelhaften Pisser zu haben. Mit ihm zu grinsen. Mit ihm zu hassen. Man hüpft über die Zeilen und kann die nächste Seite kaum zu Ende lesen, weil man so angewidert ist. Authentisch ist dieser Roman hoffentlich nicht. Weil man so ein Leben trotz aller Ehrlichkeit in Robin Felders Worten nur ganz wenigen Menschen wünschen will. Die Geschichte ist einfach zu abgedreht, um auch nur annähernd ein objektives Urteil zu fällen. Weil ich mich viel zu oft mittendrin statt außen vor fühle.
Zackzack: Gewinnen!
Na, angefixt? Dann freut euch mal übelst darüber, dass mir genau an dem Tag, als ich das Buch ausgelesen hatte, mir die passende Pressemitteilung ins Strompostfach geflattert ist: Wir verlosen 2x 1 Exemplar von “Unsympath” – und um das gute Stück zu gewinnen, müsst ihr wie immer nichts anderes tun, als uns eine Mail zu schicken oder einen Kommentar mit gültiger Mailadresse (die bitte einfach brav ins dafür vorgesehene Feld unter “Name” eintragen) zu posten.
Und wenn ihr ganz krass seid, dann erzählt uns an dieser Stelle doch mal, in welchen Situationen ihr eure Mitmenschen so richtig ekelhaft findet. Nicht vergessen: Die Begründung erfreut zwar unsere von Grund auf bösen Seelen, die Bücher abräumen kann aber jeder.
Bitte beachtet die Teilnahmbedingungen in unserem Impressum. Einsendeschluss ist am Dienstag, 23.03.10 um 23:59 Uhr.
Edit: Gewonnen haben Mail-Teilnehmerin Lesley-Ann und Kommentatorin Nr. 12 namens Frau R. aus C.! Herzlichen Glückwunsch, Ladies! Ihr werdet gerade per Strompost benachrichtigt.
Ach ja: Eine Leseprobe findet ihr schon mal hier.
WOW – als hätte da jemand in meinem Gedanken gelauscht – ich will das Buch!
Das mit dem Husten ist so schlimm, da könnte ich ausrasten. Noch viel mehr als Peter..oder doch nicht? Gebt mir das Buch dann weiß ichs
.
Aaaaah.. ich will das Buch auch!
menschen sind besonders morgens in der u-bahn besonders ekelhaft.
generell trifft man eh nur 80prozent spacken in der u-bahn. dönerfressende menschen sollte man auch steinigen dürfen!
Weitere überragende misanthropische Begründungen, die gerade per Mail reingeflattert sind und nahezu nach Veröffentlichung schreien
- Eww! Können wir nur zustimmen …
- Oh no, meine Liebe, ganz im Gegenteil: We like
Na? Geht da noch mehr?
Ich brauche das Buch – unbedingt!
Ich bin viel zu lieb für so etwas – das buch will ich aber trotzdem
Na, das Buch wäre aber wirklich was für mich, denn ich bin manchmal ein Miststück
)
meine sitznachbarin hat mir letztens ausführlich von ihrem lippenherpes und ihrem komplett vereiterten gaumen erzählt
…ich war überrascht, dass ich nicht mit spontanherpes darauf reagiert habe
Ich wills haben
Bücher will ich immer!
ne richtig krass bin ich grad nicht, aber über das buch würd ich mich trotzdem freuen=)
oh ja toll, ich mach gern mit:)
mir sind generell alle menschen unsympathisch.
steine sind ok.