Leia vs. Amélie

Am Anfang war das Wort.
Oder: Was ins Internet geschrieben wird, stimmt. Das virtuell verkündete Umfrage-Ergebnis von 20th Century Fox hat mich trotzdem erstmal verstört. Die Herrschaften wollten nämlich von den befragten Mackern wissen, welchen weiblichen Celebrity-Body sie denn jetzt so am Heißesten fänden. Und die Mehrheit stimmte - wir ahnten es bereits - klar für “Transformers”-Bitch Megan Fox. Außerdem wäre jeder fünfte klötenbesitzende Umfrageteilnehmer sofort dazu bereit gewesen, seine Freundin mit der Hollywood-Lady zu bescheißen.
An dieser Stelle würde ich gerne resignierend meinen Kopf gegen den Schreibtisch donnern. Ich meine, Megan Fox - hallo? Wie schaffen es die Penisse auf diesem Planeten eigentlich immer, auszublenden, dass eine Frau stressig und anstrengend ist, nur weil sie (neben zwei ordentlichen Argumenten) eine Vorliebe für Comics, Games Conventions und Star Wars hat?
Und so wäre ich aus Verzweiflung beinahe spontan lesbisch geworden - hätte mir nicht Marcel - der Blogger, dem die Geek Girls vertrauen - mit seinen Thesen über den “sexuellen Wandel der Neuzeit” die Augen geöffnet. Er teast darin nicht nur schamlos auf ‘nen Tumblr voller tittenzeigender Brillenschlangen, der auf den Namen fuckyeahgeekgirls hört, sondern erklärt uns auch, dass Mann im Gegensatz zu den guten alten Plastic-Fantastic-Zeiten “jetzt am liebsten zu Klängen von La Roux, Tegan & Sara und The xx mit der Streberin aus der ersten Reihe in der Schulbibliothek vögeln” will, “weil Mädchen, die Nintendo zocken und ‘Batman’ lesen einfach von Natur aus unglaublich sexy sind.”
Und deswegen habe ich jetzt auch endlich kapiert, wie eine auf den ersten Blick wirklich gruselige Krönung von Megan Fox als Vorzeige-Fantasie zustande kommen kann. Is’ die Alte denn jetzt komplett durchgeknallt? Nein. Ich erklär’s euch ja schon - oder probiert es am besten selbst aus. Klickt man sich nämlich mal durch den Brillenschlampen-Tumblr, weiß man mindestens ab Seite 3: Megan Fox ist nichts anderes als der goldene Schnitt aller fuckyeahgeekgirls.


Spätestens jetzt wird offensichtlich: Eine eigene Prinzessin Leia, das hat schon was. Leia-Mädchen sind die neuen alten Traumfrauen der hipstermäßigen Web 2.0-Gemeinde. Sie dürfen gerne Riesenbrillen und -Titten haben, müssen aber nicht, so lange sie Fähigkeiten beherrschen, die sonst eindeutig nerdigen Mackern zugeschrieben werden. Sowas wie alle Star Trek-Folgen auswendig mitsprechen können. Zocken. Extrem gut Gitarre spielen. Oder Raumschifffliegen. Denn das ist jetzt cool.
“Wobei wir heute nicht mehr wissen was cool ist und was nicht, was überhaupt die Definition von cool ist, weil es keine Grenzen mehr gibt. Es gibt keine klassischen Außenseiter mehr, wir sind alle uncool. Deswegen auch die ganzen Nerdbrillen.”, meint Franzi in ihrer sensationellen Generationsanalyse, die wir uns alle über’s Bett hängen sollten. Ist die Mainstreamigkeit des Uncoolen also daran schuld, dass das, was vor ein paar Jahren noch absolut anti-hot war, ausgerechnet im Kreis der zwonulligen Menschen höllisch sexy rüberkommt?
Oder - um mal eine völlig gewagte These aufzustellen - ist die ganze Sache etwa einfach nur logisch? Die Entscheidung, dass man jemanden heiß findet, ist schließlich vor allem von einem bestimmten Idealbild abhängig, das jeder von uns im Kopf hat und sich aus nichts anderem als dem Durchschnitt von allen betrachteten Gesichtern, ob jetzt live oder auf Bildern, zusammensetzt.
Somit könnte das Problem also gelöst sein - wenn das Web denn wirklich nur von nerdaffinen Brillenträgerinnen bevölkert wäre. Die Leias machen zwar bestimmt keinen kleinen Teil in unserer virtuellen Kuschecke aus (wenn auch meistens mit mehr Klamotten als bei fuckyeahgeekgirls) - ein Mädchen-Prototyp, der einem hier allerdings mindestens ebenso oft begegnet, ist Amélie.

Für alle, die ihre fabelhafte Welt schon mal im Film begutachten durften,
ist eine Beschreibung sowieso absolut überflüssig. Allen anderen sei nur so viel gesagt: Das sind die zarten Zuckerschnecken, die von Natur aus den Charme eines verschreckten Kätzchens haben, kaum geschminkt, aber detailverliebt sind und zum Beispiel den Geruch nach einem Gewitter mögen. Ein Amélie-Image wirkt auf viele Ladies in Sachen Selbstdarstellung faszinierend, leider aber auch nur dann authentisch, wenn nicht zu viele Pseudo-Wolken und Wannabe-Arty-Statements durch die Profilbilder schweben. Was für die Leias übrigens genauso gilt.
Beim Einteilen der virtuellen Mädchenschubladen stellt sich also ebenfalls irgendwann mal die Frage, ob man jetzt eher Kumpel oder Kätzchen ist - genau wie damals, auf dem Schulhof. Nur eben digital. Ich würde euch ja jetzt gerne einen Facebook-Test anbieten, der euch über eure Tendenz aufklärt, aber dafür bin ich dann wohl doch zu sehr Amelié als Leia. Oder einfach nur zu faul.

Fest steht jedenfalls: Die Web Zwonull-Welt ist voller heißer Schnecken.
Zeigefreudige Nerdmädchen melden sich bitte direkt bei Marcel, der Rest darf sich gerne hier auslassen. Liebe Ladies, wollt ihr mit großen Rehaugen beschützt werden oder eurem Macker lieber gönnerhaft die Konsole aus der Hand nehmen und das nächste Level durchspielen? Liebe Jungs, sind Amélies nicht wenigstens ‘n bisschen heiß?
Begegnen euch auf dem Weg durch den digitalen Profil-Pausenhof am Ende noch andere Tussi-Prototypen, die wir hier dreist unterschlagen haben? Und geht es im Grunde genommen nicht sowieso immer um die alles entscheidende Fragen: Ficken oder gefickt werden?
Von Lia R / 23. Feb. 2010 / 20:04 Uhr





→ am 23. Feb 2010 um 21:13 Uhr (#)
Also zunächst mal kommen Megan Fox und diese Geek-Girls niemals an Prinzessin Leia ran. Das grenzt ja an Blasphemie.
Aber auch sonst hätte ich Megan Fox nicht gewählt. Vermutlich Natalie Portman (die hat immerhin wirklich in StarWars mitgespielt) oder Keira Knightley. Spielen die beiden Videospiele?
Und, nein, der Amélie-Typ ist nicht heiß, sondern toll. Das ist viel besser als heiß, denn heiß kann nach drei Nächten schnell langweilig werden. Toll dagegen ist was für Beziehungen. Genauer betrachtet, sehen tolle Frauen auch viel attraktiver und schöner aus als heiße Frauen oder Megan Fox.
→ am 23. Feb 2010 um 21:48 Uhr (#)
Wie wärs mit folgender Interpretation: Die Außenseiter von früher haben früh gelernt sich durchzusetzen und sind die selbstbewussten Hipster von heute, während die Fussball-Teamchefs und Abiballköniginnen nie lernen mussten wie man sich behauptet und neue Freunde macht, und deswegen immer noch auf den selben Dorfdiscos rumhängen.
Weil sie vor lauter Weinfesten und Fußballtrainings nicht so oft im Internet rumhängen, haben sie auch gar nicht bemerkt, dass die Streber von früher jetzt cool sind und wenn, ist es ihnen egal. Also sind alle alle glücklich und uns ehemaligen Mauerblümchen bleibt die genugtuende Gewissheit, dass wir unsern früheren Mobbern inzwischen haushoch überlegen sind, intellektuell wie auch sozial, und noch dazu auf bessere Parties gehn und die heißeren Kerle abschleppen.
Ich saß übrigens in der Schule immer in der ersten Reihe, hatte Pferdepullis an als alle andern schon längst Bauchfrei trugen und wurde aus der letzten Reihe mit Papierkügelchen beworfen. Heute bin ich Hipster, Partyanimal und Physikstudentin in Heidelberg…
→ am 25. Feb 2010 um 11:49 Uhr (#)
Hach herrlicher Beitrag
→ am 1. Mär 2010 um 17:46 Uhr (#)
Sven E.: Ich glaube, die Natalie hat ja auch so ‘n Geek Girl-Image und dann auch noch so ‘n bisschen den Amélie-Look, wat will man mehr …
Clara Croissant: Physikstundentin? Wow, Respekt. Dann bist du ja quasi ‘n Paradebeispiel für das hotte Geek Girl von heute
Thx, Chris