Bitch-Bashing
Er wollte doch einfach nur bumsen. Und mit dieser Einstellung ist Boris Becker höchstwahrscheinlich der Unschuldigste im Spiel. Vermutlich wollte er Sandy Meyer-Wölden mit seiner Videobotschaft auch nicht nochmal reindrücken, dass sie die hohle Nuss ist, die noch dachte, dass er sie heiratet, als er längst wieder mit seiner Ex Lilly angebandelt hatte.
Der gute Boris hat sich wohl einfach überlegt, dass sie da nach eineinhalb Jahren Funkstille, einem neuen Macker in der gleiche Promi-Kategorie und einem frisch geworfenen Töchterchen schon irgendwie drüber stehen würde (und natürlich kann nur ein Macker auf sowas kommen). Man kann über unseren einlochenden Chef-Stutenchecker ja denken, was man will - assi kommt er in dem Clip oben jedenfalls nicht rüber.
Zugegeben, ein bisschen naiv war die Aktion vielleicht schon. Denn dass Oliver Pocher, der von Sandy schnell mal vom Übergangsmann zum Superdaddy befördert wurde, die Performance als Steilvorlage betrachten würde, hätte ihm ja eigentlich klar sein müssen. Dass es eher uncharming wird, ebenfalls, denn wenn Pocher mit seinem Lieblings-Parodieopfer Poldi eins gemeinsam hat, dann ist das ja wohl sowas wie: Immer schön Draufbolzen. Okay, sorry, ich muss mich korrigieren: Das Gefühl, das Lukas Podolski beweist, wenn man ihm den Ball zuspielt, hat der Oli irgendwo zwischen “Vollidiot” und Schmidt-Arschkriechen verloren.
Jedenfalls hat Geburt von Amadeus Benedict Edley Luis (Becker) und Nayla Alessandra (Pocher-Meyer-Wölden) die Fronten im B-Promi-Paarungs-Battle absolut verhärtet. Was man in Pochers Clip nämlich leider nicht gesehen hat: Im Original macht uns Sandy gleich nach seiner Ansage die Lilly, den aktuellen Playboy mit Monica Ivancan (wir erinnern uns: Die Pocher-Ex) auf dem Cover in der Hand, weil wenn schon, dann richtig, und erklärt: “From a new mom to an old mom, I wish you lots of happiness and …” - ach, sparen wir uns den Rest doch einfach.
Just say fuck you and smile? Von wegen!
Denn: Na und? Oder besser gesagt: Wayne?! Da steht die Lilly doch drüber. Schließlich hat sie ja auch den Typen abgekriegt, den beide haben wollen, also ist doch zumindest für sie alles easy - könnte man meinen. Doch leider chillt sie nicht mal ein bisschen und beleuchtet somit ein Phänomen, dass absolut charakteristisch für uns Ladies ist: Das sogenannte Bitch-Bashing. Mein (natürlich überragender!) Ausdruck für die Tatsache, dass es zwar durchaus richtig ist, dass Männer die Schweine sind, die einem das Herz zerfetzten, man im gleichen Atemzug aber auch erwähnen sollte, dass sich Frauen im Gegenzug auch gerne mal in Bluthunde verwandeln, die sich danach auf dein kaputtes Gefühlsorgan stürzen und es genüsslich in seine Einzelteile sezieren.
Jetzt mal ehrlich: Wir Ladies können untereinander viel grausamer sein als jedes penistragende Vorzeige-Arschloch. Das Fiese am Terror mit Titten ist nämlich, dass er immer noch etwas feiner und subtiler stattfindet als der mit Testosteron. Das zeigt uns Lilly Becker gerade nahezu mustergültig: Anstelle die schlechte Parodie, die Sandy durchgezogen hat, als Schulhof-Style abzutun, von dem man annimmt, dass er irgendwie unter ihrer Würde sein müsste, kommentierte sie die Sache auf Facebook folgendermaßen:

Reaktionen aus dem schmuckdesignenden Hause Meyer-Wölden blieben bisher aus. Macht aber nix, weil sich bei dem Gebashe doch sowieso viel mehr folgende Frage aufdrängt: Warum zur Hölle stressen sich die beiden gegenseitig, und nicht etwa den klötenbesitzenden Urheber des Problems, der mit B anfängt und mit oris aufhört?
Schließlich ist er daran Schuld, dass sich Frau M.-W. und Frau B. überhaupt verbal die Köpfe einschlagen. Eine Szene, die man nicht nur im Fall Lilsandy, sondern nahezu in jeder Mädels-Clique beobachten kann, in der sich die eine schon mal den Ex/Übergangsmann/besten Freund/Banknachbarn/Sandkastenfreund/Lieblingspenis der anderen geangelt hat.
“Hey, ihr anderen Tittenwesen da draußen: Ich mag euch nicht!”
Doch es muss gar nicht so weit kommen. Nehmen wir als Beispiel doch mal eine andere Parade-Pussy - mich. Hallo, mein Name ist Lia und ich habe ein Problem - mit Frauen. Anderen Frauen. Weil sie mich stressen. (Und jetzt alle so: “Hallo Lia”, ach nee, die Selbsthilfegruppe ist ja erst morgen).
Ihr denkt jetzt, dass ich einen an der Klatsche habe? Klar, aber das tut an dieser Stelle nichts zur Sache. Liebe Ladies, fasst euch lieber mal an die eigene Mumu Nase und ihr, liebe Macker, dürft brav ruhig sitzen bleiben oder euch zumindest das “Hab ich doch schon immer gesagt” sparen. Denn jetzt erklärt erstmal eine Expertin, dass mein Problem in der Welt der Pussies durchaus Allerweltspotential hat: “Offenbar lieben Frauen es im beruflichen oder privaten Umfeld geradezu sich gegenseitig schonungslos bloßzustellen.”
Dieser Satz stammt von Anja Busse, die in ihrem Buch mit dem eindeutigen Titel “Zicken unter sich” das, was ich hier Bitch-Bashing nenne, seriös beleuchtet hat - und wer ihre Aussage bestreiten will, hat sich noch nie die Kommentarfelder diverser Fashionblogger durchgelesen. Und ich behaupte jetzt einfach mal, dass auch außerhalb der Blogosphäre ziemlich viele Görls nach meiner Definition von Chancengleichheit leben: Hey, ihr anderen Tittenwesen da draußen, nett finde ich erstmal keine von euch. Während ich Männern mit einer Mischung aus naiver Nettigkeit und Aufgeschlossenheit (höhö!) gegenüberstehe, müssen mir Mädels erstmal beweisen, dass sie es wert sind, gemocht zu werden.
Weniger Pausenhof, mehr Gechilltheit. Oder?
Dass gerade auch das Verhältnis unter Kolleginnen (nicht nur bei mir) gerne mal in Richtung Kugelschreiber-Kleinkrieg ausartet, ist deshalb also nicht gerade eine bahnbrechende Erkenntnis. Denn Frauen operieren nicht, sie intrigieren. In der Job-Welt meist zu ihrem eigenen Nachteil: “Wir haben immer Männer dafür verantwortlich gemacht. Bis wir darauf kamen, dass einige unserer schlimmsten Verletzungen von Frauen verursacht werden.”, erklärt zum Beispiel eine Ami-Professorin namens Phyllis Chesler, und das klingt ja fast schon theatralisch (wenn auch so ‘n kleines bisschen logisch).
Klar gibt es trotzdem noch Chefs, die vor lauter Pseudo-Testosteron nicht in ihre Birne kriegen, dass wir Ladies nicht nur zur Deko da sind. Aber dank dem Bitch-Bashing machen wir es genau solchen Spacken nur leichter. Sie müssen uns ja nicht mal mehr von der Karriereleiter kicken, weil wir uns schön gegenseitig die Pistole an die gutfrisierten Köpfchen halten.
Die Message ist also: Weniger Pausenhof, mehr Gechilltheit. Die nervigen Mit-Pussies, ob jetzt im Job, beim Feiern oder auch beim Dreier, einfach mal labern lassen und sich dabei an etwas anderem erfreuen: Dem peinlichen Rumgebitche von Lilly und Sandy zum Beispiel. Oder wie war das noch gleich mit dem Pausenhof?
Wir fassen zusammen: Schmuckdesignerinnen sind immer nur die abgelegten Ex-Freundinnen von irgendwelchen Z-Promis. Poldi ist lustiger als Pocher. Ein Glück, dass Boris so viel rumvögelt, sonst hätten wir ja gar keinen Content mehr. Und hey - ihr könnt das auch! Also freut euch, dass ihr einen Penis habt. Und wenn nicht, dann seid lieb zu eurer Mit-Mumu. Sie könnte schon morgen eure Bossöse sein.
Von Lia R / 17. Feb. 2010 / 13:02 Uhr





→ am 18. Feb 2010 um 22:36 Uhr (#)
großartiger text!! daumen hoch!
warum kannte ich diesen blog bisher nicht?!!
wird sofort verlinkt.