
Höher, schneller, besser, weiter. Wir liegen neben der Spur, unter der Gürtellinie und schaffen es meistens trotzdem irgendwie, die Kurve zu kriegen. “Ist das alles?” ist unsere Lieblingsfrage, weil Rien ne va plus sowas von Spielplatz ist und das hier übrigens kein Spiel, sondern bitterer Ernst. MACHEN ist das Stichwort der dritten Staffel unserer sexuellen sdbr-Gastautorenrunde “Ausgesprochen” – und wieder haben zauberhafte Kollegen aus der Blogosphäre für uns die richtigen Worte gefunden.
Roitsch von bettertastethansorry.com
Machen
Hmm … Machen. Machen ist ein tolles Wort. Für mich bedeutet Machen die Welt. Etwas realisieren, umsetzen, verwirklichen … das ist Machen. Und genau deshalb war ich tierisch begeistert, dass mich Lia und mannfRed gebeten haben auch mal meine Gedanken zum Thema Machen niederzuschreiben.
Doch nach und nach ist mir aufgefallen, dass meine Gedanken gar nicht so leicht in Worte zu fassen sind, wie ich mir gewünscht hatte. Mein Kopf sprudelte vor Ideen, aber sie alle aufs Papier oder eher auf den Bildschirm zu bringen, war schlicht unmöglich. Also musste ich erstmal meine Gedanken ordnen und mein Skizzenbuch bot mir dafür die ideale Möglichkeit. Hier wurde ich nicht von irgendwelchen anderen Programmen abgelenkt und der kreative Prozess ist ein ganz anderer als am Rechner.
Ich besitze ein unstillbares Verlangen nach Wissen, Inspiration und Ideen, welches meist erst befriedigt wird, wenn am Ende auch ein Resultat dabei herauskommt. Eine Idee ist nicht viel wert, wenn sie eine Idee bleibt, sondern erst, wenn sie auch realisiert wird. Natürlich ist manchmal auch der Weg das Ziel, wie es so schön heißt. Aber Ideen müssen realisiert werden, sonst sind sie wertlos.
Und gerade hier kommt das Machen ins Spiel. Ich habe viele Ideen, manche sind gut, manche sind auch verdammt schlecht. Aber ich mag auch diese schlechten Ideen, sie helfen mir, zu reflektieren und die guten Ideen in Form zu bringen, sie zu perfektionieren.
Genauso ist es beim Machen, das Resultat ist zweitrangig. Hauptsache, man hat etwas gemacht. Dadurch lerne ich unvergleichbar viel. Und die Befriedigung, etwas “gemacht” zu haben, motiviert mich andere Ideen auch umzusezten. Es ist eine Sucht, eine positive Sucht.
Was für eine Idee das sein kann, ist so vielfältig wie kaum etwas anderes. Imagination und Kreativität beschränken Ideen, aber der Prozess des Machens fördert wiederum Imagination und Kreativität. Es ist also ein selbsterhaltendes System. Manchmal habe ich die Idee einen Schreibtisch zu bauen oder eine Veranstaltung zu planen und durchzuführen, es können aber auch Gedanken sein, die ich dann verschriftliche. Wie gesagt, wichtig dabei ist, dass die Idee nicht im Kopf oder auf dem Papier bleibt. Denn so richtig sieht man auch erst beim “Machen”, ob es eine gute oder schlechte Idee ist.
Besonders wichtig ist es auch Ideen zu teilen. Eines meiner Lieblingszitate ist von George Bernard Shaw: “If you have an apple and I have an apple and we exchange these apples then you and I will still each have one apple. But if you have an idea and I have an idea and we exchange these ideas, then each of us will have two ideas.”
Das haben nicht wirklich viele Menschen verstanden. Ideen müssen geteilt werden, dadurch gewinnen alle, die Personen aber vorallem die Ideen. Das Social Web bietet bei diesem Prozess unzählig neue Möglichkeiten. Zunächst bietet es Inspiration. So viel Inspiration, dass man selten all den Input verarbeiten kann. Aber man findet auch viele Personen, die sich für das Gleiche begeistern und die Leidenschaft teilen, Ideen umzusetzen. Deshalb sind sie meistens auch bereit, bei der Umsetzung zu helfen. Man inspiriert und unterstützt sich gegenseitig, reflektiert gemeinsam und dadurch entsteht ein Austausch mit anderen, welcher Gold wert ist. Es entstehen Ideen, die das Web verlassen und gemeinsam realisiert werden. Man macht etwas mit Menschen, die man kaum kennt, aber man teilt eine Begeisterung und diese resultiert meist im Machen.
Das soll nicht heißen, dass ich ausschließlich Ideen im Web verbreite und abgeschottet vor dem Computer sitze. Nein, ganz im Gegenteil, ich liebe es auch Ideen komplett analog zu verwirklichen. Sei es zu basteln oder nur zu skizzieren. Das Web bietet aber die Möglichkeit die Grenzen seiner Imagination und Kreativität auszuweiten.
Ich finde es einfach großartig, denn genau das, was ich hier mache, ist ein Beispiel für diesen gesamten Prozess. Lia und mannfred haben mich gefragt, ob ich einen Text/meine Meinung mit ihnen und euch teilen will. Wie oben beschrieben, musste ich zunächst meine Gedanken ordnen, dann niederschreiben. Schließlich wird mein Resultat veröffentlicht, dadurch teile ich sie mit anderen. Ich bekomme hoffentlich Feedback und schon ist dieser selbsterhaltende Prozess von Imagination, Kreativität, Ideen, Machen und Teilen in Gang gesetzt. Danke!
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Roitsch von bettertastethansorry.com “Machen” Der Herr macht hier das, was ihm gefällt – rausgekommen ist ein schickes Lifestyleblog, das Englisch spricht und alle heiß machen wird, die auf Design, Visualisierungen, Alltagsbeobachtungen oder Musik abfahren. |


Ich finde es schön, dass ihr Markus zu dem Thema herangezogen habt. Markus ist ein Mensch, der zum ‚Machen‘ motiviert. Wir inspirieren uns gegenseitig im Realen, wie im Web, mit Gedankenanstößen, Links, Tweets usw.. – für mich sehr wertvoll.
Was mir allerdings in letzter Zeit verstärkt auffällt, ist, dass Inspiration auch ein ‚Killer‘ des eigentlichen MACHENS ist. Wir haben durch das Internet z.B. einen unfassbaren Zugang zu Wissen und Inspirationen – es ist ein Meer aus Gedanken, Emotionen und Dingen, die einen inspirieren.
Die Idee ist für mich jedoch nur der ‚Funke‘ der im besten Fall ein Feuer des Machens auslöst – das bleibt allerdings, wie ich feststelle, immer häufiger aus, weil man mit dem Inspirieren beschäftigt ist – bis man keine Zeit mehr hat zum machen oder schlimmer – keine Lust mehr hat!
Ein Leitsatz, um den ich den Artikel von Markus ergänzen möchte und der mich schon oft vorangebracht hat, bzw. der wichtig für das eigentliche MACHEN ist – nämlich dort wo die Idee aufhört:
In diesem Sinne ein schöner Artikel – ich mache dann mal weiter …
So, nun aber nicht lang quatschen sondern auch “machen”!
@roitsch und @malte: Ich lese Euch immer so gern!
Danke, Malte und Stilpirat für eure Kommentare. Ich muss Malte ganz klar zustimmen, das Web ganz klar auch ein “Killer”, wenn es um die Umsetzung von Ideen geht.
Aber da ist wieder die Kompetenz des einzelnen gefragt, auch mal abschalten zu können. Man muss sich auf eine Sache konzentrieren und diese dann laufen lassen. Deswegen habe ich ja auch fürs Schreiben mein Notiz-/Skizzenbuch gekrallt und mich vollkommen der Sache hingegeben. Habt ihr mal für eine längere Zeit einen Text handschriftlich geschrieben? Das ist ein ganz komisches Gefühl, man ist es gar nicht mehr gewöhnt.
Ich habe mir für dieses Jahr fest vorgenommen wieder vermehrt analog tätig zu sein: Basteln, Malen, Skizzieren, Handwerken, rausgehen in die Natur, etc.
Einerseits um den Kopf frei zu bekommen, diesen Input zu verringern und mich mehr auf die einzelne Sachen zu konzentrieren. Aber auch um wirklich nach dem ganzen inspiriert werden, Ideen sammeln und Machen auch mal ein Produkt in der Hand halten zu können. Man bekommt dadurch auch einen ganzen anderen Bezug zu seinem “Gemachten”.
Grandios ist es auch mit Leuten wie Malte und dem Stilpirat, Leuten aus dem Web, in die analoge Welt hinauszugehen und Sachen zu machen. Sei es ein Photowalk oder sonst irgendwas.