
“Was wäre, wenn …?” ist eine Nutte.
Also jetzt mal ehrlich. Wenn es eine Frage in meinen Leben gibt, die so dreckig und verbraucht ist wie keine andere, dann ist das ganz klar diese magische Drei-Wörter-Kombination. Dass man aber meistens doch nicht die Finger von ihr lassen kann, sollte einem zu denken geben.
Schließlich würden mir gerade fünfhundertundeine Sache einfallen, die sinnvoller wären, als über einem ausweglosen Gedanken zu knobeln. Den Tisch abwischen, Kippen holen, das dopaminerge Modell auswendiglernen. Alles Dinge, die mir im Moment definitiv mehr bringen würden, als mein Leben in verpasste Chancen einzuteilen und mir zu überlegen, was ich wohl genau in diesem Augenblick machen könnte, wenn ich nicht gerade darüber nachdenken würden?
Es ist also mehr als kompliziert, diese fiesen drei Wörter aus seinem Alltag zu verbannen. Schließlich gibt es nach zwanzig Jahren mehr als eine Handvoll Augenblicke, die mein Leben nachhaltig in eine andere Richtung schubsen hätten können. Oder auch nicht, denn was gewesen wäre, wenn, kann man ja nur wissen, wenn man es durchgezogen hätte. Natürlich ist es undramatischer, als es klingt – denn zumindest kann ich schon mal behaupten, dass ich mich bisher noch nie in eine gummizellenartige Sackgasse hineinmanövriert habe.
Bequemerweise muss ich mich nicht mit einer Überlegung wie, ob ich jetzt nicht vielleicht doch bei Victorias’ Secret laufen würde, wenn in Nacht A ein Gummi im Spiel gewesen wäre, weil der fünfjährige Ernst und die Schwangerschaftsstreifen dadurch ja dann eventuell verhindert worden wären, auseinandersetzen. Und mir ist gerade auch nicht klar geworden, dass ich jetzt bestimmt Tierärztin wäre, hätte ich damals in der Achten die Hauptschule geschmissen.
Oberflächlich betrachtet stehen mir alle Möglichkeiten offen. Und genau das macht es kompliziert. Woher soll ich denn wissen, ob ich auf der Siebentrilliardenspurigen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung gerade auf die richtige Bahn gewechselt habe, mich dringend nach links außen durchschlängeln oder doch eher mal lieber ruhig weiterfahren und mich freuen sollte, dass ich gerade keinen katastrophalen Crash verursacht habe?
Bisher schwankte meine Lebensplanung vor allem zwischen ‘Mitnehmen, was geht’ und ‘Gehen lassen, was dich mitnehmen will’, das Zufallsprinzip war dabei fast immer die einzige Konstante. Ich nehme an einer Kreuzung gerne mal die linke Abzweigung, obwohl der rechte Weg beleuchtet und kuschelig ist, weil ich wahrscheinlich immer noch mehr Naivität und Neugierde bieten kann als Verstand – und welche Matrix-Pille ich nehmen würde, sollte sich damit eigentlich von selbst erklären, tut es aber leider nicht.
Und so heule ich mich also sätzeweise durch die Qual der Wahl, obwohl ich ganz und gar nicht damit einverstanden wäre, wenn sie mir abgenommen werden würde. Im Gegenteil. Ich wäre abgrundtief angepisst. Ölkrisenartige Endzeit-Bücher wie “Ausgebrannt” machen mich so sauer, weil ich erst bemerke, wie sehr mich die siebentrilliardenspurigen Wege anmachen, wenn ich darüber nachdenke, wie alles aussehen könnte, wenn es sie nicht geben würde.
Und überhaupt, was wäre denn, wenn ich wissen würde, dass mir ein inoperabler Hirntumor noch zwei Wochen Lebensqualität einräumt, bis ich mich verabschieden muss? Würde ich mich den 57 Prozent der Deutschen anschließen, die laut einer Forsa-Umfrage “so weiterleben würden wie bisher”, falls ihr Abgang bereits feststehen sollte? Oder doch eher eine finale To-Do-Liste abhaken, frei nach dem Motto: Mal in die USA fliegen, mit Pete Doherty vögeln und einen Auftragskiller auf meinen Ex-PK Schweinekotze hetzen – und dann? Abgehakt und servus, schönes Leben noch?
Aber das ist ja eigentlich gar nicht die Frage. So lange gedanklich beackern noch vor bereuen kommt und man auf das richtige Navi setzt, ist man auf der Siebentrilliardenspurigen doch ganz gut unterwegs. Finde ich zumindest. Denn der Tag, an dem du dich entscheiden musst, ob du jetzt die rote oder doch lieber die blaue Pille haben willst, kommt sowieso noch früh genug. Morpheus, ich zähl’ auf dich!
What if…jojo…IS aber nich so! Sonst müsste man die Frage nicht stellen.
Sag mal, welches Navi nimmst du denn?
Meistens ist das Navi eher das Gefühl und nicht etwa die Vernunft
Ich glaub das ist auch besser so
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Was wäre wenn…ich jetzt sage, dass wir alles verwöhnte Jammerlappen sind? Weil wir die Möglichkeit haben wählerisch zu sein und uns dann darüber beschweren. Was für ein Luxus. Gott, bin ich tiefsinnig heute
Im ersten Moment dachte ich, du gehst wirklich den ganzen Weg und verlinkst hier Basis – Wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte. http://www.youtube.com/watch?v=OG3mC_6q_XM
hm, da is nochjemand in der quarter life crisis… kenn das gefühl…