Böser Bushido
Zeiten ändern sich, dich und die anderen: Bushido, ab nächster Woche Held des deutschen Kinos, ist der neue Homie von Horst Seehofer und hat Asche ohne Ende. Schön für ihn. Aber müssen ihm die großen On- und Offline-Magazine deshalb auch bis zum Anschlag in den Arsch kriechen?
Es gibt Promis der Kategorien A bis Z, über die wir eigentlich nur im absoluten News-Notfall (fickt Hund oder Lady GaGa) schreiben. Der gute alte Bitch-Reime-Bastler Bushido gehört da ganz klar dazu. Nicht, dass wir ihn nicht weniger unterhaltsam finden würden als, sagen wir mal, die Mumu von Britney Spears. Nein. Der Junge bedient nur im Moment vor allem die Bravo-, Nutella- und “Vanilla Kisses”-Deo-Zielgruppe und ist somit sowas wie die Miley Cyrus der mutterfickenden deutschen Ghettowelt. Ergo: Irrelevant und - aber Moment mal, ich glaube, Wayne hat gerade angerufen.
Wir hätten also nicht mal in einem eines besonders perversen Bloggertraum daran gedacht, dem Jungen auf sdbr jemals mehr als einen paar kleine Absätze zu widmen. Wäre da nicht etwas, dass unendlich anstrengend ist: Allseite bekannte Off- und Online-Magazine in der Größenordnung von Spiegel, Focus & Co., die Bushido in den deutsch-tunesischen Arsch kriechen und gerne auch mal einen von ihm verursachten “neuen Sozialdarwinismus” ausrufen. Geht’s noch?
Aber von vorne: Am Anfang war Aggro. Das migrantisch geprägte Musikantenstadl aus Berlin spuckte 2001 neben Sido und den anderen auch Bushido langsam aber sicher dauerhaft an die Spitze der deutschen Klingelton-Charts. Dann dissten sich alle irgendwie mal und endeten schließlich doch wieder gemeinsam bei Universal. Aber wer jetzt zu wessen Mutter das mit dem “die macht mehr Dreier als BMW” gesagt hat, weiß man leider nicht mehr so genau. Silvana, Serafina, Estefania-Celenta, Loredana, Sarjane, Lavinia, Jeremy-Pascal und Horst-Kevin fanden Bushidos Mukke dank Nutten und Sperma jedenfalls voll knorke und sorgten dafür, dass Deutschlands Vorzeige-Rüpelrapper das schaffte, wovon eine durchschnittlich gute Band nur träumen kann: Er machte mit seinem “Isch fick dich auseinander”-Sound Asche ohne Ende.
Und nicht zuletzt deshalb sind irgendwann auch die großen Medien hierzulande quasi zwangsweise darauf gekommen, dass deutsche Gangsta-Rapper nicht etwa die letzten Proleten, sondern viel eher die letzten (Euro-)Poeten sein müssen, mit denen man ein paar Extra-Klicks und Cash holen kann. Hey, der Sido, der meint das doch eigentlich alles ironisch. Und der Bushido, Mensch, in seiner Biographie da stand doch was mit Depressionen, und der soll eigentlich total der Liebe sein und noch bei seiner Muddi leben.
Den Jackpot in Sachen Schlagzeilenflut knackte Mister Elektro-Ghetto allerdings erst, als durchsickerte, dass die Verfilmung eben jener bahnbrechenden Bio hochkarätige Herren wie Bernd Eichinger und Uli Edel unter dem Titel “Zeiten ändern dich” vornehmen werden.
Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung für die großen On- und Offline-Tippsen - schließlich müssen sie ja den geneigten Lesern, die sonst schon bei Wörtern wie “Penis” hysterisch kichernd den geeisten Latte Macchiato verschütten, erstmal erklären, wie des Fäkalwort-Welt des Herrn Bushido denn eigentlich funktioniert. Das wird dann im besten “Sendung mit der Aggro-Maus”-Style mit kurzen prägnanten Hauptsätzen erledigt - und man kommt sich als Nullachtfünfzehn-Konsument immer irgendwie so vor, als würde der Autor denken, ach, die, die sich sowas bei (einem oh so seriösen Magazin wie) uns wirklich reinziehen, haben doch sowieso den IQ eines halben Wurstbrotes. Lach- und Sachgeschichten Reloaded, nur dieses Mal mit Schlampen und deren Muschis, oder wie? Der NEON, die sich ja mit dem “Bravo für Große”-Status längst abgefunden haben zu scheint, könnte man sowas ja nachsehen, aber müssen zum Beispiel auch die Autoren SZ auf Pseudo-ich-erklär-dir-die-krasse-Welt machen?
Kleine Kostprobe: “Opfer ist in dieser Welt ein Schimpfwort, genauso wie ‘Jude’. Einem Opfer sagt man, dass man seine Mutter fickt.” (‘Das Vorzeigearschloch’ / P. Bauer) oder auch “Wer Dreck macht, muss putzen. Bushido trägt als Einziger Straßenschuhe. Er muss nicht putzen, wenn er Dreck macht. Er ist der Boss.” (‘Reden wir über Geld’ / A. Hagelüken und A. Mühlauer). Dazu stehen die Jungs und Mädels, die solche Artikel schreiben, scheinbar auch darauf, mindestens einmal pro Seite den richtigen Namen von Bushido genüsslich auf das Blatt zu hämmern. Anis Mohamed Ferchichi, das hat sowas von Zuhälter gepaart mit einer Prise Al-Qaida und zeigt, dass es hier gleich sowas von zur Sache geht - Alter!
Und mit der Aussage, dass er manchmal glaubt, ganz Deutschland gefickt zu haben, liegt Bushido ja wirklich nicht so ganz falsch, liebe NEON-Redakteure. Schließlich ist er nicht nur auf alle großen Titelseiten geflutscht, sondern auch in einen Post auf sdbr. Das will schon mal was heißen. Und weil wir ja gerade sowieso schon dabei sind, uns in die Hall-of-Shame-for-Bushidos-Arschkriecher einzureihen, verkünden wir jetzt mal stolz: Bushido will seinem Homie Horst Seehofer unter die Arme greifen und kann sich gut vorstellen, einen exklusiven Song für die CSU aufnehmen.
Klingt erstmal strange - aber wenn man mal darüber nachdenkt, ist die Kooperation gar nicht mal so abwegig. In das konservativ-christliche Weltbild würde Bushidos Image jedenfalls perfekt passen. Schließlich soll Jesus ja auch mal was mit ‘ner Nutte gehabt haben und von seiner Mama ist er ja ebenfalls nicht wirklich losgekommen. Bushido vermittelt den krassen Kids von heute genau das, wofür Seehofers Partei ja schon irgendwie steht: Frauen sind Nutten, die sich vögeln lassen, Schatzi die Kippe danach anzünden, die Kinder wieder aus dem Schrank holen und schon mal den Schweinebraten in den Ofen schieben, Männer dagegen die ultraheftigen Macker, die die Asche nach Hause bringen, die Ansagen machen und jedes Wochenende eine andere vögeln - weil sie es können.
“Kleine, merk dir das: Fotze schreibt man mit Fenster-F, nicht mit Vögel-V.”
Es ist also fast wieder wie in den guten alten Fifties. Konservativ sein ist krass cool - nur, dass die Herdprämie dann dem Zeitgeist entsprechend besser in Hoeprämie umbenannt werden sollte, damit sich die Generation der cool kids auch damit identifizieren kann. Aber dafür kann der gute Bushido bestimmt auch noch sorgen. Die SZ, NEON und Konsorten helfen sicher gerne.
Von Lia R / 25. Jan. 2010 / 0:01 Uhr







→ am 25. Jan 2010 um 23:20 Uhr (#)
Oh man, da haben sich 2 gefunden…
→ am 29. Jan 2010 um 22:06 Uhr (#)
haha, toll….
→ am 30. Jan 2010 um 14:28 Uhr (#)
Bushido ist ein unfassbarer Wixer! Gestern abend war er zu gast bei diesem anderen Vollidioten Pocher und hat seinen ghettoharten Hintern zum reinkriechen hingehalten. Das ganze wurde in dem Moment ad absurdum geführt als er mit Modelmachermann Rolfe High-Five über dem hübschen Köpfchen einer Heidihuldigerin austauschte und rückradlose Bikinimädchen degradierte. Ich hatte einen heftigen Anfall von Bushido-Bulemie und schalte in den nächsten Tagen den Fernseher nicht mehr an. Mist, hier liegt ne Neon…
→ am 6. Feb 2010 um 15:25 Uhr (#)
Also, ich werde den Film von Bushido nicht sehen… niemals.
→ am 8. Feb 2010 um 11:12 Uhr (#)
Danke, der Artikel hat mir meine Betriebswirtschaftsstunde ein bisschen erträglicher gemacht