Bulletproof.

Bulletproof
Bild: Robert Couse-Baker / Helico 

Ja!
Als oh so hipstermäßiger Twentysomething-Mensch darf man ja schon mal behaupten, dass vielleicht nicht alles, aber vieles schon mal dagewesen ist. Wenn man Pech hatte, musste man irgendwann mal erleben, dass sein Hamster nach gefühlt tausend Jahren Haustiertum wie schockgefrostet in seinem Käfig lag. Wenn man Glück gehabt hat, weiß man, wie es sich anfühlt, wenn etwas den Bach runtergeht, dich dein Lieblingsmensch verarscht und du statt dem, was du am liebsten wolltest, einen Arschtritt bekommst.

Ja, eigentlich ist das wirklich gut. Denn in einer Welt, die ungefähr genauso viele Möglichkeiten wie Sexshops zu bieten hat, kann es durchaus von Vorteil sein, jede erdenkliche Situation mindestens schon einmal erlebt zu haben – und sei es nur, um zu wissen, was du aushalten kannst. Wie. Und vor allem, dass du es kannst.

Denn du bist schließlich noch da. Also heißt das, dass du dich durchgebissen hast und auch wenn dich dein Leben mit seiner täglichen Flut an Stress, Flüssig-Scheiße und Coldplay-Songs fast ertrinken lässt – sollte dich noch einmal die eine Welle treffen, die du bereits in- und auswendig kennst, wirst du nicht untergehen, weil von nun an weißt, wie du mit ihr umzugehen hast. Das Erlebnis ist eine imaginäre kugelsichere Weste und egal, wie oft die selbe Situation versuchen wird, dich in ihren Sog zu ziehen – du wirst ihr trotzen, easy, beschwingt und fit wie ein Spermium von Spider-Man. Nicht.

Ich habe während der letzten dreizehn Jahre meines Lebens unzählige Prüfungen, Exen, Schularbeiten und Klausuren geschrieben und bisher fast immer bestanden. Trotzdem kann ich seit zwei Wochen nicht mehr richtig essen, weil mir der Gedanke, am ersten Februar etwas über Serotonine und Dopamine auf’s Papier zu kritzeln, wie ein Eisblock im Magen liegt.

Jeden Morgen klingelt der Wecker und seit ungefähr dreizehn Jahren auch immer im denkbar schlechtesten Moment. Und obwohl sich das Aufwachen anfühlt, als hätte dein Körper nachts heimlich eine Koks-Orgie mit den Backstreet Boys gefeiert, zu der dein Bewusstsein nicht eingeladen war, weiß ich, dass ich Aufstehen kann, natürlich, was für eine Frage. Trotzdem muss ich jeden Morgen überlegen, ob ich es heute wirklich nochmal schaffe, mich aus den Laken zu schälen. Überlebensinstinkt gegen die Snooze-Taste. Die Snooze-Taste gewinnt immer.

Wenn du seit dem zarten Alter von neun Jahren maßgeblich von GZSZ-Folgen sozialisiert wirst, weißt du natürlich, dass dich deine Freundin irgendwann mit deinem Macker bescheißen wird, sich deine Lieblingskollegin deinen Job krallen will und eine heiße Bumsgeschichte mit Rosenblättern vor allem statistisch selten ist (entweder heiß oder Rosen, das ist der Deal). Als es passiert ist, ging’s mir trotzdem schlecht und als es nochmal genauso beschissen gelaufen ist, habe ich mich immer noch gefühlt, als hätte mir jemand den Fußabstreifer unter den Absätzen weggerissen, damit ich auch schön mit der Fresse voraus auf den Granitboden knalle.

Dass du nicht alles haben kannst, was du willst, schon gar nicht den einen Job und dass es erst recht kein Eis zum Frühstück gibt, ist normalerweise schon klar. Absagen sind nichts Schlimmes und obwohl die Chancen seit Monaten gegen null tendierten, hätte ich mir am liebsten die Augen ausgeheult, als ich meine allererste Herzblut-Arbeit in die Tonne kicken konnte.

Und natürlich sollten auch Dinge dieser Art lieber unausgesprochen bleiben, aber: Auch wenn seine Ursache nur deine Wirkung hervorrufen kann und man sich zum hundertsten Mal in einem Knäuel an Vorwürfen, Falschheit und unnötigen Verletzungen verstrickt, bleibt man trotzdem. Zumindest Chancen gibt es dann nämlich genug. Zum Beispiel jetzt. Und man ist sich ganz sicher: This time, baby, I’ll be bulletproof.

Von Lia R / 19. Jan. 2010 / 1:18 Uhr

 

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Kommentare zu Bulletproof.

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  1. Berlinessa_in_NY

    → am 19. Jan 2010 um 01:33 Uhr (#)

    Ich sage: Oh, so schön. So wahr. So Leben.

  2. Toby

    → am 19. Jan 2010 um 10:25 Uhr (#)

    wow. Schöner Text. Dieser ganze GZSZ shice prägt viele viel zu sehr. Und an der StudiVZ Gruppe mit Disney hat mein Leben zerstört ist auch vieles dran :p Das Leben ist hart, aber wenn du “bulletproof” sein willst oder es bist, dann lässt man ja keine Gefühle mehr zu. Nicht der Sinn……..

  3. Not quite like Beethoven

    → am 19. Jan 2010 um 11:14 Uhr (#)

    bulletproof oder nicht, das hat schon seinen (guten) Sinn wenn man bleibt, weil man bleiben will

  4. Conny

    → am 21. Jan 2010 um 19:37 Uhr (#)

    wahre worte an einem ach so wahren tag in der ungeschminkt mega wahren realität!


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