Autobiographien waren eigentlich nie wirklich ein Bestandteil meines sich langsam füllenden Bücherregals. Bis ich irgendwann zufällig “Scar Tissue” von Anthony Kiedis in die Finger bekam.
Ja genau, das ist der Sänger von den Red Hot Chili Peppers und in den darauffolgenden 544 Seiten lernte ich erstmal, dass seine Venen alles abbekommen haben, was sich in eine Spritze füllen lässt und er quasi auch jede Muschi beglückt hat, die ihm in die Quere gekommen ist.Und am Ende hält man den guten Anthony tatsächlich für den alten Kumpel aus den Die-erste-Kippe-hinterm-Busch-Tagen, mit dem man zwar nicht mehr wirklich viel zu tun hat, aber immer wohlwollend grinst, wenn einem irgendwann zu Ohren kommt, was der Junge jetzt schon wieder Irres treibt. Und natürlich bewundert man ihn vor allem dafür, dass er die Stationen seiner Geschichte überhaupt bis weit in die Vierziger hinein überlebt hat.
Richtig, der Junge hat seine Memoiren praktischerweise noch im besten ozonzusammengespritzen (kein Joke!) Zustand auf den Markt geworfen, zwecks Selbstverprasserei der Kohle, die eigentlich den Erben zustehen würde. Und weil niemand das Mindestalter für das Aufschreiben seiner Lebensgeschichte angesagt hat, probiert es Rihanna jetzt auch mal. Pünktlich zur US-Tour im Juni soll uns die allerliebste chartige Zuckerschnecke laut DigitalSpy mit einer Biographie in Buchform beglücken. Geschrieben von – Rihanna natürlich, mit den minimalen Einwürfen eines Ami-Journalisten namens Simon Henwood. Die Lady ist also genauso alt wie ich – also ganze einundzwanzig Jährchen – und haut uns nach ihrem gerade erfolgreich beendeten Teenietum einfach mal ihre Memoiren um die gespitzten Ohren und Augen.
Würdet ihr in eurem mehr oder weniger zarten Alter, das ich euch jetzt einfach mal vorwerfe, sagen, dass ihr gegen genug Kohle, wilden Groupie-Sex und einem Anti-Aufschieberitis-Mittel schon genug Stoff für die große Autobiographie aufbringen könntet? Wahrscheinlich ja. Schließlich könnte man ja eigentlich immer mindestens über einen seiner durchaus bescheuerten Freunde einen komischen deutschen Kinofilm drehen. Das Problem wäre allerdings dasselbe wie bei den alten Tagebucheinträgen: Die Bewertung der bahnbrechenden kleinen und großen Geschichten deines Lebens. Irgendwann findet man das Ganze einfach nur peinlich. Oder geil. Oder beides.
Jetzt mal ehrlich, nach 25 passiert eh nix mehr im Leben. Weshalb also nicht vorher ne Autobiographie schreiben?
Scar Tissue war ein sehr geiler Tipp! hab’s heut morgen direkt gekauft und bin schon halb durch! einfach genial, krass, beeindruckend, witzig….
@1 Ach, ist das so? Interessant…
jup. ich bin 25, ich weiß wovon ich rede. leben is vorbei. jetzt kommt nur noch haus, auto und jägerzaun. und wer will darüber schon bücher lesen…