Rihanna wird Autorin

Autobiographien waren eigentlich nie wirklich ein Bestandteil meines sich langsam füllenden Bücherregals. Bis ich irgendwann zufällig “Scar Tissue” von Anthony Kiedis in die Finger bekam.

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Ja genau, das ist der Sänger von den Red Hot Chili Peppers und in den darauffolgenden 544 Seiten lernte ich erstmal, dass seine Venen alles abbekommen haben, was sich in eine Spritze füllen lässt und er quasi auch jede Muschi beglückt hat, die ihm in die Quere gekommen ist. Aber was das Buch zu einem wirklichen kleinen Schätzchen in meiner Mini-Sammlung macht, ist nicht etwa der äußerst sexdrugsblognrollische Buchstaben-Rhythmus, der irgendwie immer zwischen Mukke, Drogen und Bettgeschichten hin- und herpendelt. Sondern genau die Art von Authentizität, bei der man sich mittendrin statt nur lesermäßig dabei fühlt. Weil man bei jedem Absatz mitheulen, mitgrinsen oder sich einfach nur WTF denken könnte.

Und am Ende hält man den guten Anthony tatsächlich für den alten Kumpel aus den Die-erste-Kippe-hinterm-Busch-Tagen, mit dem man zwar nicht mehr wirklich viel zu tun hat, aber immer wohlwollend grinst, wenn einem irgendwann zu Ohren kommt, was der Junge jetzt schon wieder Irres treibt. Und natürlich bewundert man ihn vor allem dafür, dass er die Stationen seiner Geschichte überhaupt bis weit in die Vierziger hinein überlebt hat.

Richtig, der Junge hat seine Memoiren praktischerweise noch im besten ozonzusammengespritzen (kein Joke!) Zustand auf den Markt geworfen, zwecks Selbstverprasserei der Kohle, die eigentlich den Erben zustehen würde. Und weil niemand das Mindestalter für das Aufschreiben seiner Lebengeschichte angesagt hat, probiert es Rihanna jetzt auch mal.

Pünktlich zur US-Tour im Juni beehrt uns die allerliebste chartige Zuckerschnecke nämlich mit ihrer 144 Seiten starken Selbstbeweihräucherung namens “The Last Girl On Earth”. Geschrieben von - Rihanna natürlich, mit den minimalen Einwürfen eines Ami-Journalisten namens Simon Henwood. Die Lady ist also genauso alt wie ich - also ganze einundzwanzig Jährchen - und haut uns nach ihrem gerade erfolgreich beendeten Teenietum einfach mal ihre Memoiren um die gespitzten Ohren und Augen.

Zumindest den Anfang können wir hier schon mal vorsichtig erahnen. Die erste prägende Station im Dasein der kleenen Robyn Rihanna Fenty: 2004 wird sie auf Barbados zur Miss Combermere School gewählt und außerdem dank einer ihrer besten Freundinnen dem dort urlaubenden Produzenten Evan Rogers vorgestellt. Der schleppt sie zusammen mit seinem Partner in die USA, um ein Demo mit ihr aufzunehmen. Beim anschließenden lustigen Tape-Verschachern hat Jay-Z das glücklichste Händchen - und der Rest ist Geschichte.
Shawn "Jay-Z" Carter Hosts Teen People Listening LoungeShawn "Jay-Z" Carter Hosts Teen People Listening Lounge

……
Mittlerweile darf die Lady auf - zum Beispiel - einen Haufen Nummer-Eins-Hits, Platin-Gedöns plus einen eigenen Nationalfeiertag zurückblicken - und da wäre ja auch noch die perfekte PR-Prügelattacke von ihrem Ex-Macker Chris Brown, die höchstwahrscheinlich ein Drittel der Seiten einnehmen wird. Den Rest stelle ich mir ungefähr so aussagekräftig vor wie die GZSZ-Romane, die man irgendwie schon mit zehn bescheuert fand.

Würdet ihr in eurem mehr oder weniger zarten Alter, das ich euch jetzt einfach mal vorwerfe, sagen, dass ihr gegen genug Kohle, wilden Groupie-Sex und einem Anti-Aufschieberitis-Mittel schon genug Stoff für die große Autobiographie aufbringen könntet?

Wahrscheinlich ja. Schließlich könnte man ja eigentlich immer mindestens über einen seiner durchaus bescheuerten Freunde einen komischen deutschen Kinofilm drehen. Das Problem wäre allerdings dasselbe wie bei den alten Tagebucheinträgen: Die Bewertung der bahnbrechenden kleinen und großen Geschichten deines Lebens. Irgendwann findet man das Ganze einfach nur peinlich. Oder geil. Oder beides.

Rihanna at the 'Good Morning America' Times Square New York

Von Lia R / 6. Jan. 2010 / 2:26 Uhr

 

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Kommentare zu Rihanna wird Autorin

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  1. Carla Croissant

    → am 6. Jan 2010 um 18:17 Uhr (#)

    Jetzt mal ehrlich, nach 25 passiert eh nix mehr im Leben. Weshalb also nicht vorher ne Autobiographie schreiben?

  2. c010depunkk

    → am 6. Jan 2010 um 23:22 Uhr (#)

    Scar Tissue war ein sehr geiler Tipp! hab’s heut morgen direkt gekauft und bin schon halb durch! einfach genial, krass, beeindruckend, witzig….

  3. Patrick

    → am 7. Jan 2010 um 18:59 Uhr (#)

    @1 Ach, ist das so? Interessant…

  4. Carla Croissant

    → am 8. Jan 2010 um 16:55 Uhr (#)

    jup. ich bin 25, ich weiß wovon ich rede. leben is vorbei. jetzt kommt nur noch haus, auto und jägerzaun. und wer will darüber schon bücher lesen…


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