mannfRed: “Ausdruck”
27. Nov 2009 | in stories

In der sdbr-Gastautorenrunde “Ausgesprochen” gegen uns Autoren und Autorinnen aus der deutschen Blogosphäre ihre Stimme zu Themen, die aufregend, alltäglich, abenteuerlich, aberwitzig, anrüchig, außen vor oder einfach da sind. Das Wort der KW 48: DRUCK.
Wenn mir jemand vor zehn Jahren einen Livestream von meinem aktuellen Dasein gezeigt hätte, wäre das für den Monitor vermutlich nicht gut ausgegangen. Mal ehrlich: Hätte ich damals gewusst, was ich alles mal tun würde, hätte ich mich zum Kotzen gefunden.
Denn mit fünfzehn ist die Welt noch einfach (kompliziert) und das Einzige, auf das ich noch geiler war als auf Sex und Musik war frei sein. Aber Daddy spielt den Wecker. Jeden Morgen auf’s Neue. Sagt dabei manchmal Dinge wie: “Wenn du die Energie, die du dagegen verwendest, dafür benutzen würdest …” Wogegen? Keine Ahnung. Wenn ihr ja sagt, sage ich nein. Ich habe mich mit jeder Faser meines Körpers gegen das Müssen gewehrt. Es geht nicht um den Inhalt, sondern um die Intention. Wer will ist cool. Wer muss ein Loser.
Also suchst du, was du willst. Was du kannst. Nicht so wie Schwimmen und Fahrrad fahren, sondern richtig, wie „Per Anhalter durch die Galaxis“ oder „Clubbed to Death“. Man will sich bewegen, um zu bewegen. Und nicht nur ein Rad sein, das den Wagen in der Spur hält.
Wenn unsere Generation ein Druckmittel gegen sich selbst in der Hand hat, dann ist das Selbstverwirklichung. Viele reichen das Paket weiter. Warum sonst ist die Gesellschaft so bedacht darauf, uns jeden Tag zu zeigen, wie beschissen es den Anderen geht? Warum sonst gibt es in fast jeder Kultur einen Erlöser, der die ganze Scheiße mit einmal Handauflegen beenden soll?
Man selbst trägt es alleine, natürlich. Und so wie Kaffee und Kippen erstmal scheiße und auf einmal lebensnotwendig schmecken, verhält es sich auch mit den Kompromissen. Meistens beginnt es schleichend. Dann kauft man sich halt mal einen Anzug, wenn es die Mama glücklich macht. Und irgendwann sitzt man dann auf einmal hinter einem Schreibtisch, mit engen Jeans, gewaschenen Haaren, unaufregenden Kopfbedeckungen und denkt in Etappenzielen.
Auch wenn man im tiefsten Herzen immer noch der Späterspüler, Leisetreter und Sitzenbleiber von damals ist, hat der Druck es über die Jahre hinweg doch geschafft, geschickt darüber hinwegzutäuschen. Früher ging das nicht. Man musste knallhart ehrlich sein. Und vor allem nichts müssen.
Mit fünfzehn will man cool sein. Obwohl. Mit mit fünfundzwanzig doch irgendwie auch?!
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“Ausdruck” mannfRed von sdbr Hier schuftet der Chef noch selbst. Auch der männlichen Part des sexuellen sexdrugsblognroll-Teams wurde zum Schichtdienst an der Tastatur verdonnert, um seinen übrigens bisher wohl längsten Text ever zu vollenden. |

















