Bayern ist Papst. Rumgevögelt wird in unserer Heimat natürlich trotzdem und das immer brav dem Motto “Je kleiner das Dorf, desto versauter die Kids”. Zumindest wenn man Mirjam Dreer, einer zweiundzwanzigjährigen frischgebackenen Schriftstellerin, glauben darf. In ihrem Debütroman “Kleinstadtschlampe” erzählt sie die Geschichte von Mia, einer Provinz-Partybraut, die sich die Zeit vorwiegend mit Rauchen, Saufen und Rumhuren vertreibt.
Sind Kaffkinder also die wahren Partypeople und Sexgötter? Können einem Coverbands durch dauerhafte akustische Vergewaltigung wirklich die Lieblingssongs verleiden? Und wer gewinnt das Meine-Dorfdisse-ist-assiger-als-deine-Battle? Wir haben mit Mirjam Dreer über Sex, Drogen und Kleinstadt-Rock’n'-Roll gesprochen.

sdbr: Wie viel “Kleinstadtschlampe” steckt denn in dir drin?
Mirjam: Genügend, um ein Buch zu schreiben (lacht). Nein, ich denke mal, dass man gewisse Dinge einfach selbst erlebt haben muss, um darüber schreiben zu können. Ich bin sicherlich kein Kind von Traurigkeit. Aber so krass wie die Mia im Buch bin ich dann doch nicht.
sdbr: Was machst du eigentlich im richtigen Leben, wenn du nicht gerade an zukünftigen Bestsellern rumwerkelst?
M: Gerade mach ich eine Ausbildung zur Buchhändlerin in München. Bringt mir natürlich den Vorteil, dass ich mein Buch gleich selbst verkaufen kann. Letztens wollte eine Kundin direkt im Laden eine Widmung, da hab ich mich total gefreut. Außerdem ist es ein angenehmer Ausgleich zu meinem ach-so-wilden-Lebensstil (lacht).
sdbr: “Kleinstadtschlampe” ist dein Debütroman, den du mit Neunzehn geschrieben hast – und daraufhin mit dem Manuskript unter’m Arm quasi direkt über die Leipziger Buchmesse gestiefelt bist und dir einen Verlag klar gemacht hast. Klingt ja fast zu schön, um wahr zu sein. Wie darf man sich sowas vorstellen?
M: Was mir gleich aufgefallen ist, ist dieser Standardsatz, den wohl alle Vertreter auf Buchmessen eingetrichtert bekommen: „Wenn wir alle Manuskripte, die wir hier bekommen, mitnehmen würden, dann bräuchten wir dafür einen extra LKW.“ Dann drücken sie dir ihre Visitenkarte in die Hand und im besten Fall bekommst du dann ein paar Wochen später eine schriftliche Absage. Ich hatte das Glück, Jana Krivanek zu kennen, deren Buch „Nachbar günstig abzugeben“ auch bei Ubooks erscheint. Und dann bin ich einfach auf Andreas Köglowitz zumarschiert, hab ihm mein Exposé gegeben und gesagt: „Schöne Grüße von Jana.“ Erst war er ein wenig skeptisch. Aber dann hat er’s genommen. Aber sonst sind alle immer wahnsinnig hektisch und gestresst. In Leipzig ist das noch etwas lockerer, aber in Frankfurt schauen immer gleich alle ganz böse, wenn ich ganz lieb nach Leseexemplaren frage.
sdbr: In deinem Buch spielt Musik eine wichtige Rolle – sogar die Kapitelüberschriften bestehen aus Songtiteln. Auf dem Land kommt man in Sachen Livemusik ja zwangsweise mit nicht vielen guten, dafür aber mit umso mehr Coverbands in Berührung, die sich alle immer an denselben Songs versuchen (oder soll ich besser sagen: vergehen?). Mir fällt es dank solcher Kapellen zum Beispiel unheimlich schwer, “Zombie” von den Cranberries anzuhören, ohne dabei in den nächsten Papierkorb zu kotzen.
M: Ich hab immer versucht diese Coverband-Parties weiträumig zu umgehen. Was ich aber ab und zu dann doch mitgemacht hab, sind die sogenannten Stadlfeste. Deshalb kann ich bis heute niemanden ernst nehmen, der behauptet er mag ACDC wegen der Musik. Ich hab dann vor meinem geistigen Auge immer die grenzdebile Dorfjugend, die sich so lange mit Jacky-Cola einen ansäuft, bis der DJ endlich „Highway to hell“ spielt und danach gleich „TNT“. Das sind dann deren fünf Minuten Ruhm und sie bangen, was das Zeug hält.
sdbr: Kannst du “W2″, “Basement Bar” und “Joe’s House” mit einem noch übleren Dorfdisko-Namen aus deiner Heimat toppen?
M: Hm, wie wärst mit „Baghira“ oder „Imperio“? War bei uns immer die gleiche Disse, hat aber sicherlich alle 1-2 Jahre den Besitzer und damit auch den Namen gewechselt. Nur an die beiden kann ich mich noch erinnern. Mann, das waren noch Zeiten, als alle Minderjährigen, die nach Mitternacht immer noch in der Disko waren, aber ja eigentlich nicht mehr durften, in die Kühlkammer gesperrt wurden, wenn mal wieder Razzia war. Mittlerweile hat der Laden aber ganz dichtgemacht.
sdbr: Mir kommt es so vor, als würden seit Charlotte Roches Ekel-Bestseller “Feuchtgebiete” die Bücher von jungen Autorinnen, die jetzt auch mal über Sex schreiben, nur so aus dem Boden schießen. Glaubst du, du hast von diesem Trend profitiert?
M: Wenn man mein Buch tatsächlich liest, wird man sehr schnell feststellen, dass es überhaupt nicht in die Richtung geht. Man darf sich einfach nicht vom Titel blenden lassen. Wenn man mein Buch nur wegen Cover und Titel kaufen würde und sich nicht groß mit dem Inhalt beschäftigt, dann hab ich definitiv davon profitiert. Deswegen kann ich die Leute durchaus verstehen, die aufgrund von Cover, Titel und den „Blick-ins-Buch“-Seiten auf Amazon nur die Augen verdrehen und sich denken, noch so eine, die sich in diese Feuchtgebiete-Bitterfotze-Fucking Berlin-Frühling und so-Sparte einreiht. Deshalb betone ich auch immer, dass ich „Kleinstadtschlampe“ bereits 2 Jahre bevor „Feuchtgebiete“ erschienen ist, geschrieben habe und daher ja noch gar nichts von diesem Hype wissen konnte. Mir ging es genauso mit „Bitterfotze“ von Maria Sveland. Ein unglaublich tolles, wunderschönes Buch, mit einem leider sehr dämlichen Titel. Hätte ich es nicht geschenkt bekommen, hätte ich es wohl auch nicht gelesen. Aber eigentlich sollte man immer erst lesen und sich dann ein Urteil bilden und dies nicht aufgrund der Verpackung tun.
sdbr: Du hast mal in einem Interview erzählt, dass du bei Lesungen die Sex-Szenen weglässt. Ist an dem Gerücht mit den “prüden (Ex-)Provinzbewohnern” also vielleicht doch ein Stückchen Wahrheit dran?
M: Hm, kann gut sein, dass ich privat überhaupt nicht prüde bin, aber sobald es ans Vorlesen geht, trau ich mich nicht mehr. Es würde wohl doch schon zuviel verraten. Diese Stellen soll mal schön jeder selbst lesen. Außerdem sind’s ja eh bloß zwei, wo so ein bisschen Schweinkram drin vorkommt, aber es hält sich alles im Rahmen. Eine Stelle, die ich aber trotzdem immer wieder gern vorlese, ist die Blasestelle. Da könnte ich mich jedes Mal selbst kaputtlachen.
Neugierig geworden? Dann schnapp dir doch einfach DAS Buch:
Darum geht’s: Mia, Kellnerin in einem bayerischen Provinznest kurz vor München, steht auf Rauchen, Saufen und Rumhuren (das wissen wir ja bereits). “Schlampe” ist für sie kein Schimpfwort, sondern eine Art Lifestyle. Männer? Gerne, wenn sie spätestens nach dem Frühstück wieder abhauen. Aber dann ist da auf einmal Noah, der sich irgendwie hartnäckig in ihr Gefühlsleben schleichen zu scheint …
Kleiner Eindruck: „Hey, kann ich eine Zigarette haben, bitte?“ Der Typ schaut auf. Seine Haare hängen ihm wirr ins Gesicht. Dann greift er in seine Manteltasche, zieht eine Schachtel American spirit raus und hält sie mir hin. „Ach Gott,“ denke ich, als ich die Zigarettenmarke sehe, „ein Gesundheitsraucher.“

Gewinnen:
Und weil wir so sexuell spendabel sind, bekommt ihr nicht nur Insiderwissen und Infos, sondern das gleich das ganze Buch in Analogform nach Hause geschickt.
Wir verlosen ein Exemplar von “Kleinstadtschlampe” und um das gute Stück zu gewinnen, müsst ihr wie immer nichts anderes tun, als uns eine Mail zu schicken oder einen Kommentar mit gültiger Mailadresse (die bitte einfach brav ins dafür vorgesehene Feld unter “Name” eintragen) zu posten.
Bitte beachtet die Teilnahmbedingungen in unserem Impressum. Einsendeschluss ist am Donnerstag, 26.11.09 um 23:59 Uhr.
EDIT: Gewonnen hat Julia (Kommentar Nr. 12) und die findet in diesem Moment übrigens eine Mail in ihrem Posteingang. Herzlichen Glückwunsch! Und an alle anderen: Nicht traurig sein. Bald ist ja Weihnachten. Auch bei uns (mehr verraten wir aber noch nicht).
Und eine lange Leseprobe gibt’s übrigens hier.
Leute, das ist MEIN Buch
Voll das Frauenbuch, aber ich muss sagen, dass Frauen aus so Kuhdörfern echt immer sehr sexuell aktiv sind..
Ich möcht gewinnen ^.^
Ich will’s haben
das hört sich verdammt nach meiner besten freundin an… das müsste man ja mal gelesen haben um zu wissen warum dorf gleich dorf ist..und wieso es ein kulturschock ist in ein dorf zu ziehen.. würde ich keinem empfehlen,macht keinen spAß
ich möchte auch gewinnen
Hört sich interessant an, also HER damit.
<3
Wenn ich gewinne, würd ich mich auch sehr höflich bedanken.
ohhh wie geil …
ich brauch eh mal wieder nen neues buch nach “schlechter sex 1 und 2″ xD
n neues Buch braucht man immer mal
Aaah ich möcht’s auch gewinnen
klingt nach einem interessanten leseerlebnis. (:
nichts wie her damit. Ich komme auch aus der Gegend
Ich würde es gerne lesen!
Würde es sehr gerne lesen
Das perfekte Buch für mich.
Haha, geniales Interview und ein Buch das ich sehr gern auch mal “analog” lesen würde.
Nyaaa ich will gewinnen >< will das unbedingt lesen und brauch neuen Lesestoff :3
Nettes Interview und das Buch klingt gut. Ich steh ja auf dieses Genre. Die Hälfte meines Bücherregals besteht aus solchen Schinken. Na gut, ist übertrieben, aber Coming of Age und Twens Rock’n'Roll Lifestyle ist schon mein Ding.
ich wills gewinnen!
Kleinstadtschlampe. Das hört sich interessant an. Ich komme aus einem Dorf … und irgendwie klingt das spannend
Ich bin gespannt, ich wills lesen!
Die kleine Leseprobe bei neon.de hat mich auf mehr Neugierig gemacht und mir verdeutlicht, dass ich es haben muss^^
Meine Konkurrenten können sich das im nächsten Buchladen selber besorgen. Ich hingegen habe es in dieser Hinsicht schwer, denn ich befinde mich nicht in einer deutschen Stadt weder in einem Dorf. Paris ist mein momentaner Standort und trotz das es Büchereien gibt mit aktuellen deutschen Werken, führen sie dieses Buch nicht. Ich habe mich persönlich davon vergewissert. Also bitte, bitte macht eins locker für mich