“Geh aus mein’m Gesicht”: Der aufmerksame Leser wird mitbekommen haben, dass uns nach dem Genuß der allerersten Kitty Kat-Single mit dem wunderschönen Namen “Bitchfresse (L.M.S.)” nur ein fettes WTF?! ins Gesicht geschrieben stand. Freundlich ausgedrückt.
Aber vielleicht kennt ihr das ja auch: Wenn ein Song – egal ob positiv oder negativ – einen bleibenden Eindruck hinterlässt, muss man als bekennender Netzstalker schon irgendwie mal gucken, wer dahinter steckt. Im Fall Kitty Kat entdeckt man erstmal eine Künstlerin, die wie ein typisches Aggro Berlin-Vermächtnis rüberkommt: Das Aussehen der Frau, die als einziges weibliches Wesen bei dem (mittlerweile beerdigten) Rap-Label unter Vertrag stand, wurde über zwei Jahre geheim gehalten.

Erinnert nur ganz leicht an Sido und seine Maske – und wo wir gerade beim Stichwort sind: Mister “Mein Block” ist es zu einem Großteil zu verdanken, dass Kitty Kat mittlerweile einen Universal-Deal in der Tasche hat. Als der Vertrag mit dem Major-Label unterschrieben war, hat sie sich “Kitty” auf ihren Handrücken tätowieren lassen. Und jetzt kommt ihr Album auf der altbewährten “Ich bin ‘ne Frau, aber wäre ich ‘n Mann, würd’ ich dir jetzt sagen ‘Alter, lutsch meinen Schwanz’”-Holzhammer-Rapwelle angesurft. Okay.
Der zweite Blick auf die Lady hinter der Krallen-Fassade überrascht allerdings: Bevor Kitty Kat ihre Brötchen mit Rappen verdient hat, war sie Bankangestellte und Assistentin in einer Werbeagentur. Sie ist nicht im MV-Plattenbau, sondern ganz beschaulich in Bayern aufgewachsen und den meisten Jungs ihres Genres zumindest in Sachen Körpergröße haushoch überlegen. Die eine Seite findet Kitty Kat einfach nur peinlich, die andere Seite sieht in ihr ein Paradebeispiel für den “neuen Feminismus” in der Rapszene. Und wir? Hatten mit der Lady genau deshalb ein kleines Online-Date und quetschen sie an dieser Stelle schriftlich, exklusiv und höchstpersönlich aus …
Und, wer weiß, vielleicht ist das ja der Beginn einer wunderbaren neuen Strombrief-Freundschaft?

sdbr: Fangen wir mal ganz von vorne an: Du bist in Augsburg aufgewachsen – nicht gerade die Partycity Deutschlands. Dort hast du als Teenie auch begonnen, Songs zu schreiben und zu rappen. Kannst du dich noch an deinen allerersten Text erinnern?

sdbr: Mit 21 bist du nach Berlin gegangen und wurdest entdeckt. Wäre eine Castingshow wie DSDS oder Popstars eine Option für dich gewesen?
sdbr: Die BILD nennt dich “Deutschlands härteste Sex-Rapperin” und stellt dich in eine Reihe mit Mädels wie Lady Bitch Ray – eine Frau, die du ja anscheinend nicht so toll findest. Siehst du die Gefahr, dass irgendwann einfach nur noch dein hartes Bitch-Image im Vordergrund steht und nicht mehr deine Musik?
sdbr: Sabrina Setlur, mit der du ja auch öfter mal verglichen wirst, sucht bei “Die Promi-Singles” auf Sat.1 gerade mit Maja Prinzessin von Hohenzollern und Desiree Nick ihren “Traummann”. Ziehst du dir sowas oder auch andere trashige TV-Sachen gerne mal rein?
sdbr: Sido war und ist ja quasi dein Mentor. Was sollten wir über ihn wissen, das bisher noch niemand weiß?
sdbr: Justin Timberlake. Curse. Frank-Walter Steinmeier – wenn die Welt im Arsch wäre und nur noch du und die eben genannten Jungs existieren würden: Wen würdest du nehmen, um die Menschheit vor dem Aussterben zu retten?
sdbr: Gehst du eigentlich gerne shoppen? Und was trägst du zur Zeit am liebsten?
sdbr: In deinen Texten machst du ja teilweise ziemlich heftige Ansagen an die Macker auf diesem Planeten. Hast du trotzdem auch eine total romantische und typisch mädchenmäßige Angewohnheit?
Freunde der gepflegten Deutschrap-Beschallung: “Miyo!”, das Debütalbum von Kitty Kat, besteht aus vierzehn Tracks, Features mit Sido und Cassandra Steen, ist ab morgen (04.09.09) beim Plattendealer eures Vertrauens zu haben und wird sich so anhören:
httpvh://www.youtube.com/watch?v=0Ko5GBUANC8
Weiterlesen: Schöner und fast schon biographiemäßiger Text über Kitty Kat auf jetzt.de
Bild: Martin Häusler, Katja Kuhl, Gene Glover via Universal Music / myspace.com/kittykatofficial / fourartists.org / Joe Shlabotnik, baranek via CC








also ich muss sagen, ich finde das Interview erstaunlich reflektiert… die lieder haben mich total abgeschreckt… aber wahrscheinlich sprechen sie einfach eine andere klientel an…
Seit diesem Interview höre ich heimlich und mit schlechtem Gewissen der Gesellschaft gegenüber ihre Musik. Bitte für Euch behalten…