Oasis: Bühne oder Tonne?

Ja, nein, vielleicht. Gerade gehen die Prügelknaben von Oasis “offiziell” getrennte Wege, in drei Tagen teilen sie der Welt wahrscheinlich fröhlich mit, dass sie wieder Bock aufeinander haben. Viel wichtiger: Hat die Welt eigentlich noch Bock auf Oasis?
Oasis

Wenn man auf den Land wohnt, ist Oasis nicht einfach just another Britpop-Band. Oh nein. Oasis ist “Wonderwall”. Und “Wonderwall” im besten Fall der Song, der im Hintergrund geklampft wird, wenn du beim Zelten zum ersten Mal knutscht. Vielleicht ist er auch der allererste Song, den du fehlerfrei auf der Gitarre spielen kannst - doch im schlimmsten, aber todsicheren Fall handelt es sich bei “Wonderwall” um den Song, den schlechte Cover-Bands auf als Dorffest getarnten Komasauf-Parties grundsätzlich immer spielen.

Deshalb war es für mich als Buschlandkind schon ein Erlebnis, die Jungs damals auf dem Southside mal live zu hören. Sehen konnte man vom Zeltplatz aus nämlich leider nichts, aber schon allein die Tatsache, die sich offensichtlich nach “Hey, ich sitze hier gerade vor meiner Instant-Nudelsuppe und im Hintergrund spielt Oasis” anfühlt, machte die ganze Sache unglaublich sexy.

Ein paar Jahre später und mehrere Kilometer weiter weg lief alles irgendwie anders ab: Oasis sollten letztes Wochenende bei Rock am See in Konstanz als Headliner spielen. Der Auftritt fiel aber aus - wegen is’ nich. Deep Purple sprang ein und das Ding war gerettet. Erstmal.

Und dann, OMG, sickerte die Todesnachricht langsam aber sicher durch das Netz: OMG-Oasis OMG haben OMG sich OMG getrennt OMG! Oder im Klartext: Noel Gallagher, seines Zeichens Gitarrist und Bandchef, steigt aus.

“It takes a lot more than blood to be my brother” - dass Sänger Liam Gallagher den Satz, adressiert an sein Bruderherz, durchaus ernst gemeint hat, wissen wir ja spätestens seit den ungefähr im halbjährlichen Rhythmus stattfindenden Prügelattacken zwischen Bruder 1 und Bruder 2.
Oasis

Auslöser für das endgültige Ende von Aggro-Oasis sollen allerdings nicht Schläge, sondern ein dummer Spruch gewesen sein. Entwarnung: Es gab keine, in diesem Fall auch durchaus unpassende, quotenmäßige Mutter-, sondern eine Tochter-Beleidigung. Liam soll angeblich böse in Richtung Noel gemeint haben, dass er doch dringend mal ‘nen Vaterschaftstest machen sollte (seine Tochter Anais ist neun Jahre alt und von seiner Ex Meg Mathews, mit der Liam vier Jahre lang verheiratet war) - und zack! Schon war’s vorbei mit Noels Gitarristentum bei Oasis. Für’s Erste.

Denn der “Deine Tochter is’n Bastard”-Spruch setzt den skurrilen Mythen rund um Gallagher 1 und 2 nur das Sahnehäubchen auf. Schon 1994 hat Noel eine komplette USA-Tour hingeschmissen, weil Liam “seine” Songtext “beleidigend” verändert haben soll.

Nerdy Noel ist nämlich der Songwriter und dank seinen Urheberrechten an den Oasis-Songs auch der Rich Boy der Band: Wenn er nicht gerade kokst oder Blur AIDS wünscht, lässt er sich als Nichtschwimmer Swimming-Pools bauen oder kauft sich noch ‘ne Karre, um darin als Beifahrer mitzucruisen. Und weil ich ja leider nicht seine Ische sein kann, wünsche ich mir ab sofort, doch wenigstens eine von Noels Gitarren zu sein: Die bekommen im Flieger öfter mal einen eigenen Erste-Klasse-Sitz!

Das Ausstiegs-Drama wäre also nicht die erste absolute kranke Aktion von unserem Gitarristen-Gallagher und langweilt ihn möglicherweise nach einer Woche bereits wieder. Der perfekte Zeitpunkt für eine Oasis-Reunion (am liebsten mit einem blauen Auge für Liam) - oder?

Am besten weiß es ja bekanntlich immer noch die Mama. Und Mrs. Gallagher meinte zu dem Streit ihrer Söhnchen bei laut.de: “Die beiden sind nur müde, am Ende der Tour. Sie hatten auch davor schon Streitigkeiten, sind aber darüber hinweggekommen.”

Angenommen, die Lady hat Recht: Wollen wir die Jungs von Oasis dann eigentlich wiederhaben?

Ach nö! Sage ich. Ich behalte “Wonderwall”. Der Rest darf in die Tonne. Danke.


Bild: Freshwill via CC

Von Lia R / 2. Sep. 2009 / 10:00 Uhr

 

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Kommentare zu Oasis: Bühne oder Tonne?

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  1. eisbaerin

    → am 2. Sep 2009 um 17:02 Uhr (#)

    Mich wundert es, dass Noel die Sache hinschmeißt. Irgendwann in den 90ern (war 1995 oder 1996 denke ich) stand mal in der Bravo (es muss einer meiner ersten gewesen sein, denn Oasis kannte ich noch gar nicht), dass Liam alles kaputt macht, weil der große Bruder als Songwriter ja mehr Geld verdient und ohnehin mehr zu sagen hat.

  2. stiller

    → am 5. Sep 2009 um 18:39 Uhr (#)

    Ich mag noch mal auf ein Konzert. Frankfurt 2005 war groß!


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