Dass sich deutsche Touristen laut Statistik im Flieger am meisten darüber beschweren, dass sich gerade andere Leute beschweren und die Kellner im Urlaub mit einer Mini-Trinkgeldsumme dissen, ist uns natürlich völlig fremd. Denn wir existieren völlig individuell neben den “All Inclusive”-Krauts mit den weißen Pauschaltouri-Tennissocken in den Sandalen. Oder?
Pünktlich zum Sommerferien-Start überschwemmen Leute wie Angela, 43 aus Darmstadt und André, 23 aus Sinzing meine allerliebsten Schund-Shows im Fernsehen. Während Angela plus Family & Co. alljährlich von einem dubiosen Reiseveranstalter leider nicht in der angepriesenen All-Inclusive-Butze, sondern in den abgefucktesten Baracken Istanbuls untergebracht wird und dann vom RTL-Reisereporterengel live bei “Explosiv” aus dem letzten Loch gerettet werden muss, demonstrieren Menschen wie André zusammen mit den drei besten Kumpels uns und dem “Stern TV-Reportage”-Kamerateam Jahr für Jahr auf Malle, Ibiza oder in der Ukraine am Bumsparty-Schlauchsauf-Beach, dass man nach drei Press-Eimern Sangria garantiert keinen Stich mehr macht. In einem Satz: Deutscher Tourismus ist gleich Fremdschämen deluxe.
Zum Glück ist man selbst ja oh so individualurlaubermäßig unterwegs. Fress-Freibrief-Armbändchenträger aus unserem Heimatland, die um Punkt 6 die Liege mit ihrem Handtuch blockieren und anschließend die weiße Speedo unter der Bierwampe zurechtrücken, werden von mannfRed und mir natürlich nur belächelt. Wir reisen schließlich vorwiegend mit Rucksack, um an versteckten Stränden in Spanien und Portugal abseits der Hotelmeute in unserem Lieblingszelt auf Insider-Campingplätzen zu nächtigen, in der Acid-Lagunen, geheime Super-Hippiedrogen und Aussteiger, die schon seit drei Jahren dort wohnen, die heimlichen Hauptrollen spielen. Ähem. Oder so.
Nach dem Weg fragen wir dort grundsätzlich (und ganz im Global-Player-Style) nur in unserem schönsten Ex-Schulenglisch, und auf die darauffolgende Frage “Hey, are you from Germany?” kann man eigentlich nur ein verlegenes Weggucken erwidern. Man fühlt sich ertappt vor lauter Deutschtum, fragt sich insgeheim, ob man wirklich so ein Billig-Englisch drauf hat und freut sich nur, wenn man das Glück hat, aus Bayern zu kommen (weil es sich bei unserem wunderschönen Heimat-Bundesland insgeheim ja sowieso um ein längst autonomen Stoibi-Staat handelt) und deshalb das Gespräch zu 99% in die rettende “Munich, Beer, Oktoberfest”-Richtung lenken kann.
Natürlich ist es ein bisschen komisch, wenn man sich irgendwo mit den neugewonnenen portugiesischen Campingplatz-Freunden in der Stadt verabredet und pflichtbewusst fünf Minuten vor dem vereinbarten Zeitpunkt am Treffpunkt steht, während die anderen mindestens eine dreiviertel Stunde später eintrudeln. Das kann man aber noch hinnehmen.
Doch spätestens, wenn man sich im Supermarkt den einen Satz, für den man die Herrschaften Ballermann in der allährlichen Malle-Reportage immer gerne schlagen würde (“Krass, der Frischkäse / die Nüsse / die Chips sind ja hier viel teuerer als bei uns.”) sagen hört, ist es vorbei. Knauserigkeit, Quengeln und Vergleichen in Einem: Der “Schaut mich alle an, ich bin ein Kraut!”-Jackpot. Autsch. Zusammen mit einer mittelschweren Depression sitzt man danach also am Strand und fragt sich, ob man nicht auch ohne “All Inclusive”-Bändchen und Sangria-Eimer intuitiv dasselbe Urlaubsverhalten an den Tag legt wie die Angela und der André. Bleibt man als Deutscher also Tennissocken-Touri auf Lebenszeit?
Möglicherweise. Aber hey, das ist gar nicht so schlimm. Immerhin gehören deutsche Urlauber zu den Top 5 der beliebtesten Touristen und ich verkünde hiermit stolz, dass wir Krauts nicht nur Papst, sondern auch noch Reiseweltmeister sind. Urdeutsche Quengelei und Knauserigkeit hin oder her: Die Franzosen mögen zwar die stylishten Urlauber des Planeten sein, nerven aber spätestens, wenn sie sich weigern, in einer anderen als ihrer Landessprache mit der unbaguetteigen Außenwelt zu kommunizieren. Japaner sind die Höflichsten, stressen aber jedes Auge durch stetige Blitzlicht-Signale aus ihren Supercams. Amis sind spendabel, spielen aber gerne Krieg und haben laut Statistik weder Style noch Manieren. Und die Briten haben nachts ‘nen Riesen-Rausch und tagsüber einen noch größeren Sonnenbrand in der Fresse.
Deutschsein im Urlaub hält sich also im Rahmen des Erträglichen. Es sei denn, man ist André aus Sinzing oder ein “No Touris at all”-Nazi. Vor lauter Doku-Gekotze auf Mallotze hätten wir diese ganz besondere Gattung von Urlaubern doch tatsächlich beinahe vergessen.
Als “No Touris at all”-Nazi bezeichne ich die Form von deutschen Reisenden, die europäische Urlaubsländer für unter ihrer Würde halten. Sie fliegen grundsätzlich nur nach Asien, Indien und Lateinamerika, um dort das Paradies jenseits von allen Mainstream-Urlaubern zu finden. Das bedeutet: Der “No Touris at all”-Nazi wohnt bei den ärmsten Einheimischen in der rancigsten Dschungelhütte, die er finden kann, denn als erfahrener Dritte-Welt-Reisender weiß er ja, dass die Menschen, die am wenigsten haben, am meisten geben (und schließlich hat er gerade mindestens 600 Öcken für den Flug hingelegt, also muss gespart werden).
Undefinierbarer Nudel-Garnelen-Pampf, erworben auf diversen Straßenmärkten, wird trotz einwöchigem Durchfall das Geilste sein, was er je in seinem Leben gegessen hat. Zumindest offiziell. Und so zieht er sich bei gastfreundlichen Hütten-Familien durchfressend und nur nach einheimischen Preisen kaufend durchs Land und wenn er nicht irgendwo entführt wird, weil Reisewarnungen sowieso was für Luschen sind, wird er nach seinem mindestens einmonatigen Trip (denn 2-Wochen-Urlaub ist viel zu mainstream) wieder zu Hause angekommen sein und sich angeekelt von Konsum, Neid, Erfolgsdruck und übertriebener Hygiene in unserer schrecklichen Gesellschaft für immer Fische fangend an seinen indonesischen Traumstrand zurückwünschen, um dem unerträglichen Stress der ersten Welt für immer zu entfliehen.
Und ihr? Kotzt ihr auf Mallotze? Hängt ihr gerade in einem Internetcafé im spanischen Hinterland oder lebt ihr vielleicht schon längst in eurer indonesischen Antikapitalismus-Dschungelhütte (glücklicherweise mit W-Lan-Anschluss)? Deutschtouri-Geständnisse und Grenzfahrungen, ob nun auf dem Ballermann oder im Dschungel, sind an dieser Stelle absolut erwünscht.
Gut, dass ich sowieso keine Kohlen hab, um in den Urlaub zu fahren.
Ich kann leider nicht mit Touri Geständnissen trumpfen, da ich bis Abschlussklassenfahrt nach Prag, noch nie im Ausland war :/ Wir hatten halt nie Geld für den Urlaub, und meine Eltern auch nie Lust. Habe aber trotzdem manchmal Fernweh.
Okay, als ich in Berlin war und einen Freund von mir besuchte ,da war ich ein wenig Touri ” Das muss ich noch fotografieren..und das und ach warte das auch noch.” Knips.Knips.Knips.
Ansonsten bin ich recht friedlich was das angeht.
war vor ner woche in portugal und habe auch die erfahrung gemacht,dass die engländer nur “munich & oktoberfest” kennen.
war trotzdem nett mit den ganzen prinz harrys.
Meine “schönste” Erfahrung waren die Shoppingtouristen in Holland. Kreischen, brüllen, meckern, lästern und dabei völlig vergessen, dass 99% aller Niederländer der deutschen Sprache mächtig sind. Und dann übers “Feindbild” wundern und alles auf den Fußball schieben.
urlaub war gestern
praktikum im ausland ist der anlass von heute o_O
das ich nach 6wochen arbeit in tokyo eine urlaubswoche nachschieb is erstmal 2.!
Eine Freundin von mir war in der Türkei und hat zwei Wochen lang sich und ihren türkischen Gastgebern beweisen wollen, dass sie das Leitungswasser genauso gut verträgt wie die Einheimischen. Sie hat die gesamten zwei Wochen mit Durchfall im Bett gelegen, denn sobald es ihr wieder besser ging, hat sie wieder versucht das Leitungswasser zu trinken.