Mix it, Baby!

Dass ich ein Musiknazi bin, habe ich nicht mal bemerkt, als ich vor Jahren mein Beatsteaks-Shirt trotzig in die unterste Schrankschublade gepfeffert habe, weil die Jungs es doch tatsächlich gewagt hatten, diese unglaublich chartige Platte namens Smack Smash rauszubringen (und damit auch noch - pfui! Mainstream! - Erfolg zu haben).

Diese Tatsache ist mir tatsächlich erst bewusst geworden, als ich mannfRed kennengelernt habe. Dass jemand nicht mit den Ärzten, Slime und den Libertines sondern mit DJ Premier, Samy Deluxe und „Bambule“ aufgewachsen ist, fand ich nicht nur entsetzlich, sondern auch hochgradig unsympathisch.

Ja, ich konnte den Mann auf meiner Seite, damals noch mit Baggy, erstmal nicht ausstehen und höchstwahrscheinlich würde es diese sensationelle Sammlung von Online-Anekdoten namens sexdrugsblognroll gar nicht geben, hätte ich mich nicht dazu herabgelassen und mannfRed noch eine letzte Chance in Sachen Musikgeschmack gegeben.

Obwohl mein erstes Album von Tic Tac Toe wohl im weitesten Sinne auch deutscher HipHop war (mannfRed wird mich, sobald er das liest, sofort mit seinen Gangster-Caps verprügeln) und ich eine schrecklich unmusikalische Psychobilly-Phase hinter mir habe, bin ich nämlich durch einen egozentrischen Gehörgangsdefekt damals wie heute davon überzeugt, dass die Musik, die ich höre, auch die Beste ist. Deshalb entschloss ich mich dazu, mannfRed mit einem Mixtape zu bekehren.

Ja, ich weiß, das ist so Neunzehnhundertschulterpolster und es wäre wirklich wahnsinnig cool gewesen, wenn ich tatsächlich eine Kassette aufgenommen hätte. Aber als Kind der 90ies habe ich jedes meiner Mixtapes auf eine CD gebrannt und so überreichte mannfRed natürlich auch stolz eine Silberscheibe voller unvergleichlicher Indie-Songs plus Cover, dass ich aufwendig und anfixend (in liebevoller Handarbeit!) mit einer Collage aus intro-Ausschnitten beklebt hatte.

Dass mein Mixtape für immer begraben unter Chamillionaire & Co. in mannfReds CD-Regal vergammeln würde (und bis heute nicht ein einziges Mal den Weg in seine Anlage gefunden hat!), wusste ich damals ja noch nicht.

Trotz seiner Vorliebe für den bösen Beat fand ich den Mann auf meiner Seite irgendwann dann doch noch einigermaßen erträglich und wenn sie nicht gestorben sind, dann bloggen sie noch heute.

Na gut, sie macht das zumindest gerade. Mit einem erneuten Versuch, ein Mixtape an den Mann (und gerne auch an die Frau) zu bringen. Deshalb, liebe Leserin, lieber Leser, schluck die Sticheleien runter und genieße die akustische Wellness-Behandlung, die ich deinem Trommfell verpassen werde. Keine Angst, es gibt keine kreischenden Björk-Klone und elektronische Attaken. Eher eine feine musikalische Führung durch den hauptsächlich gitarrenlastigen Mainstream-Dschungel.

Und wer die Musik nicht mag, kann sich ja immer noch die natürlich wieder in liebevoller Handarbeit angefertigen Bilder angucken:

Die Rock&Roll-Queen wollte ich auch immer sein. Oder?

Sportfreunde Stiller // Rock&Roll-Queen //
MTV Unplugged in New York // Vertigo, Universal

Wenn man so will, ist ein MTV Unplugged das Ziel einer langen Reise für eine Band, die sich das Etikett „Legende“ durchaus verdient hat. Siehe Nirvana und so.

Flo von den Sportfreunden Stiller ist zwar nicht gerade das, was man sich unter einem deutschen Kurt Cobain vorstellt – aber dass er, trotz Stimme und Gitarrenskills auf Lagerfeuer-Niveau, mit seiner Band ordentlich abräumt, darf man durchaus als legendär bezeichnen.

 

Und dass das brandneue stromlose Sporties-Werk „MTV Unplugged in New York“ heißt, obwohl es in den Bavaria Filmstudios in München aufgenommen wurde und es da „halt irgendwie nach Brooklyn aussah“, charakterisiert die Herren Stiller perfekt: Strange, schrammelig, aber unglaublich sympathisch - gerne auch zusammen mit den Subways. Trotzdem, ihre Rock&Roll-Queen werde ich auch in Zukunft nicht werden.

Nice. Nice. Nice.

The Ting Tings // We Walk //
We Started Nothing // Columbia, Sony BMG

Die Ting Tings haben mit „We Started Nothing“ ein Debütalbum hingelegt, das nur so schwitzt vor Tanzbarkeit und guter Laune.

 

Dass Frauen sich beim Thema Gute Musik besser schleunigst vom Mikro verpissen sollten, muss ich dank Katie White also jetzt wieder streichen.
Liebe Musik-Mädels, wenn ihr so singt wie Frollein Doppel-T, dürft ab sofort gerne auch zu Indieklängen trällern. Erstes Lernbeispiel: „We Walk“.

Augen zu und durch.

Lady GaGa // Poker Face, Acoustic Version //
Original auf The Fame // Interscope, Universal

Sie ist eine unerträgliche Transen-Tussi, die höchstwahrscheinlich keinen Spiegel zu Hause hat. Und wenn sie nochmal erzählt, dass Songwriting wie Sex ist und sie den sowieso nur mit Mackern mit Megaschwänzen hat, werde ich mir vermutlich eine Dartscheibe aus ihren Fotos basteln.

 

Deshalb machen wir jetzt alle die Augen zu und konzentrieren unsere Gehörgänge auf das, was Stefani Germanotta unter den drei Tonnen Schminke, der ausgebleichten Pony-Frise und den unmöglichen Outfits wirklich ist: Eine verdammt geile Sängerin.

Achtung: Suchtgefahr.

Eagles of Death Metal // Addicted To Love //
Bonus-Track auf Death By Sexy // Gun, SonyBMG

Wenn ihr dem Southside oder dem Hurricane dieses Jahr einen Besuch abstattet, dann tut mir den Gefallen und stellt euch vor die Bühne der Eagles. So habe ich sie 2005 nämlich auch kennengelernt - eigentlich eher zufällig, weil ich unbedingt den Auftritt der Ärzte von ganz vorne mitverfolgen wollte und so gezwungenermaßen alle Bands, die vor ihnen gespielt haben, angucken musste.

 

So richtig verliebt in den Sound der absolut atzengestylten Jungs aus Amiland bin ich aber erst seit meinem letzten Urlaub: Sommer, Sonne, Meer, ein Bus und dazu dieses Wahnsinns-Cover von Robert Palmer im Ohr. Fast schon zu kitschig für eine anständige Roadmovie-Szene.

Coolness, Rest in Peace.

Kings of Leon // Sex On Fire //
Only By The Night // RCA, SonyBMG

Auf Razorlight zu stehen ist ja noch irgendwie vertretbar: Johnny Borrell ist ja schließlich nicht umsonst mal mit Pete Doherty rumgehangen. Aber die Herren von Kings of Leon fand ich prinzipiell schon immer scheiße. Hippies mit Jesus-Gelaber, mal mit Pseudo-harter, mal mit Weichspül-Gitarre.

Dann hab ich quasi die Tracklist von „Only By The Night“ live (im Fernsehen) gesehen und - schneller als ich „Indie“ sagen konnte - knallte die pornöse Stimme von Caleb in meine Gehörgänge, kitzelte den letzten Rest Anti-Mainstream aus meinem Kopf und hinterließ dort ganz viel Platz für „Ahh, was sind die Songs doch hammermäßig“-Gedanken.

So. Das sind die Songs, die ich heute mag. Habt ihr Stoff für morgen - oder noch weitere Bonbons für die Ohren? Nichts wie her damit: Ich will eure ganz persönlichen Playlist-Highlights!

Oder gehört ihr doch tatsächlich zu den Vertretern des Musikfaschistentums, die ihre Tracks hüten wie Kanye West seine Goldzähnchen, damit die den bösen Mainstream-Menschen ja nicht in die Hände fallen?

Von Lia R / 26. Mai. 2009 / 15:06 Uhr

 

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Kommentare zu Mix it, Baby!

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  1. Marcel

    → am 26. Mai 2009 um 19:20 Uhr (#)

    Ting Tings.. jaaaaa!!

    Kings of Leon. jjjaaaa!!!

    und die Sportis.. jaaaa!!!

    so genug rumgejubelt..

  2. Lisa F.

    → am 26. Mai 2009 um 20:48 Uhr (#)

    Oder gehört ihr doch tatsächlich zu den Vertretern des Musikfaschistentums, die ihre Tracks hüten wie Kanye West seine Goldzähnchen, damit die den bösen Mainstream-Menschen ja nicht in die Hände fallen?

    Du hast es erraten :D Obwohl auf der Blogger plattform hab ich da nicht so ein Problem mit. Eher bei meinen 15 jährigen Mitmenschen auf svz die plötzlich alle auf einmal Kid Cudi, MGMT oder Crookers hören mit keds rumlaufen und unglaublich indie sind. BÄH!

  3. the.strange

    → am 26. Mai 2009 um 21:28 Uhr (#)

    Ich habe viele songs die ich liebe.
    Naja und meist sind sie hip-hop.
    1.Ich liebe Kanye West.
    Yeezy ist hammer und
    80&heartbreack ist einfach nur ein tolles Album.
    (Kanye hat gar keinen Grill(z)!)
    2.J-zay ist zwar sehr Brooklyn aber trozdem cool.
    The black Album ist gut und
    99 problems ist mein Lieblings lied.
    3.RUN D.M.C .
    Der geilste hip-hop classic den es gibt .
    Von sucker MC über it´s tricky
    bis hin zu walke this way .
    Der erste hip-hop und rock song ever .
    Naja ich bin halt ein MTV URBAN
    Kind .

  4. isa*

    → am 27. Mai 2009 um 00:16 Uhr (#)

    kleine auswahl:)
    vielleicht ist ja was neues dabei, dass du magst!indie ist irgendwie schon lange nicht mehr das was er mal war!zuviele komische menschen hören indie, nicht weil sie indie gut finden, sondern weil sie denken das es cool ist!nicht gut!
    here we go
    le tigre.im so excited
    tiger lou.oh horatio
    art brut.direct hit
    cake.i will survive
    death cab for cutie.i will follow you into the dark.
    the postal service.against all odds
    klaxons.golden skans
    modest mouse.bankrupt on selling
    monta.good morning stranger.
    muff potter.die etwas oede Ballade der tristes
    phoenix.1901
    orson.already over
    plain white t’s.hey there deliah(ich weiß, bissl peinlich:D)
    the rakes.violent
    rufio.one slow dance
    rantanplan.nur der mond ist schuld
    razorlight.golden touch
    rise against.savior
    the shins.new slang
    SLUT.GLOBAL CUT
    white lies.heat dies down
    the teenagers.homecoming
    weezer.best friend
    the whitest boy alive.fireworks
    the wombats.lets dance 2 joy division
    lostprophets.burn, burn
    du schreibst nice!
    beste grüße!

  5. KSHINSKY

    → am 27. Mai 2009 um 22:45 Uhr (#)

    Also ich muss ja sagen, dass ich keiner Musikrichtung unaufgeschlossen bin. Deswegen hier nix gegen Lady Gaga, Eminem, Sido und Co.
    Die sind alle neben Pete auch fest in meinem Herz verankert!

    Aber ich hab mir grad das MTV Unplugged Album von den Sportsfreunden runtergeladen und ich kann nur sagen: allererste Sahne!

  6. yeezy.lady

    → am 26. Jun 2009 um 17:49 Uhr (#)

    Ich bin ein hip-hop Fan .
    Es gibt für mich nix besseres wie oldschool .
    RUN D.M.C ist der best shit den es gibt .
    Ich stehe so sehr darauf das ich als ich 13 oder 14 Jahre war angefangen habe mich als DJ auszuprobieren .
    Mittlerweile arbeite ich als DJ und lege in einem hip-hop Club auf .
    Da seht ihr das der Musikgeschmack
    viel auwirkungen haben kann .


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