Ist eine 2000-Euro-Jeans unmoralisch oder schlicht ein Must-Have?
Als ich diesen Satz in der April-InStyle gelesen habe, musste ich erstmal lachen. Und mir: “Alter!” denken.
Dann habe ich Klorix, Nadel, ein altes Streifenshirt, einen Cutter und Jeans-Garn zusammengekramt, um (trotz nicht vorhandener Nähskills) zu demonstrieren, dass die Damen und Herren von Balmain viel zu krass unterwegs sind. Und da die liebe Frau Frost heute zur DIY-Blogparade aufruft, bekommt ihr das Ganze ausgerechnet jetzt zu Gesicht.
Zuallerst muss ich aber noch erwähnen, dass ich es ziemlich bereue, alle meine in liebevoller Badewannen-Schwenkarbeit zerrissenen und gebleichten Jeans von früher in den Müll befördert zu haben. Hätte ich mit Edding “Balmain” draufgeritzelt und bei ebay “vintage” in die Artikelbeschreibung mit eingeflochten, könnte ich mir jetzt bestimmt ein Vivienne Tam Netbook leisten.
Aber woher soll ich denn bitte auch wissen, dass irgendwelche Nobel-Labels auf einmal auf die seltsam Idee gekommen, zerfetzte Klorix-Teile als Sammlerstücke anpreisen?
Oh Mann. Um Herrn M, Frau Frost und dem Rest der Welt zu zeigen, dass ich das schon viel früher als die Herren Bonzenlabel drauf hatte und auch heute immer noch drauf habe, habe ich mir also die bereits erwähnten Utensilien sowie eine alte Dark-Denim-Jeans von NewYorker vorgenommen, sie wegen Sommer und heiß und so abgeschnitten und neben dem perfekten Balmainsieren auch noch den “How To Make 2000-Öcken-Balmain-Hotpants-Guide for Dummies” verfasst.
Step 1: Das alte, wahlweise karierte oder gestreifte ausgeleierte Top, das ihr niemals wegwerfen wolltet, muss als Erstes dran glauben. Bedenkt, dass ihr ihm nun die einzigartige Gelegenheit bietet, aus der “Ausgeleiertes Top für drunter”-Kaste auszubrechen und sich einem höheren Ziel zu widmen, das irgendwie mit dem Balmain-Nirvana in Verbindung gebracht wird.
Also schnappt euch den Cutter, trimmt die alte Jeans – wie gesagt – erstmal rigoros auf Hotpants-Länge und schneidet in das verblieben Teil nach Lust und Laune längliche Löcher, um den Überresten des ausgeleierten Tops genügend Platz zu bieten.
Nun wird das eben beschriebene Top in Fetzen gerissen und unsauber als Flicken in doch gerade erst so sorgsam ausgeschnitten Löcher genäht. Dazu Nadel und Faden bereithalten. Am besten Jeans-Garn benutzen, ist zwar ‘n bisschen teurer, hält dafür aber auch am besten. Wer den Faden eingefädelt und daraufhin die Nadel durch den Stoff gepiekst hat, ist quasi schon fertig.
Nähkenntnisse sind an dieser Stelle nämlich absolut überflüssig, sofern man sich ansartweise an die Heftstiche aus Textilarbeit in der zweite Klasse erinnern kann. Da ich auch auf dem Gebiet des Vernähens eine absolute Nullnummer bin, empfehle ich euch einfach, nach dem Annähen den Faden irgendwie auf der Rückseite eurer Naht zu verknoten, bis alles sitzt. Die Designer und Nähspezialisten unter euch erstechen sich wahrscheinlich mit allem, was ihr Nadelkissen hergibt. Tut mir leid.
Nun kommen wir zu Step 2 und damit zur eigentlichen Paradedisziplin im Balmainia-Hotpants-Verfahren: Dem kunstvollen und zugleich höchst anspruchsvollen Durchlöchern des verbliebenen Jeans-Gebildes.
Wer schon einmal wahllos mit dem Teppichmesser auf eine Jeans eingestochen hat, weiß, wovon ich spreche.
Die schicke Weiße-Fäden-Optik entsteht leider erst, wenn man engelsgeduldig mit der ganzen Klinge über den Stoff schabt.
Positiver Nebeneffekt: Ihr fühlt euch innerhalb von zehn Minuten wie nach einem exklusiven Arm-Workout mit David Kirsch (Heidi Klums Fitness-Folter-Gott). Aufgrund der Vermeidung des Auftretens von Madonna-Muskeln ist auch hier eine Hotpant als Arbeitsfläche sehr zu empfehlen
Step 3 beinhaltet das Charakteristikum der (tatsächlich schon fast fertiggestellten Balmain-Jeans): Den krassen Klorixflecken. Dazu bitte einen handelsüblichen Klorix-Hygiene-Reiniger für drei bis fünf Euro im Discounter eures Vertrauens erwerben (eignet sich übrigens zur ersten Hilfe bei verstopften Abflüssen und Rohren und ist sicher auch gut gegen Zähne).
Wer unglaublich Bock hat, nach der Hotpants-Behandlung zehnmal hintereinander den Boden abzuschrubben, sollte es mir gleich tun und eine dünne Folie über den heimischen Wohnzimmerboden legen, das Bald-ein-Balmain-Produkt darüber werfen und literweise Klorix draufschütten.
Alle anderen dürfen sich einen Schwamm und Gummi-Handschuhe besorgen und die Bleaching-Substanz sorgfältig auf dem Jeansstoff verreiben. Falls erstmal gar nichts passiert, nicht ausflippen (und dem Teil inklusive Unterlage noch eine weitere 1,5-Liter-Dosis verpassen), sondern abwarten und bei Bedarf die Prozedur noch zwei- bis siebenmal wiederholen.
So, und jetzt können sich die besagten Damen und Herren Bonzenlabel mal warm anziehen.
Denn unser Balmain-Produkt sieht täuschend echt aus und ist tatsächlich fertig. Gott, bin ich gut.
Lustig geschriebene, gute Anleitung!
Aber… das Wort “Hotpant” gibt es nicht, richtig heißt das “Hotpants”, auch wenn es sich nur um ein Exemplar handelt (eine “pant” gibt es nicht, das würde dann übersetzt ein einzelnen hosenbein beschreiben…).
Super Beitrag!!!
Bin gespannt, was manFred dazu meint und ob ihm ein gegenschlag einfällt
Ui, danke für den Hinweis, Sarah. Du hast natürlich recht. Das kommt davon, wenn man früher immer die Englischsstunden geschwänzt und stattdessen im Hinterhof Drogen verkauft hat^^ Oder so.
Dann werde ich zur Strafe mal gefühlte siebenhundert -s dranhängen.
ist klorix eig. schädlich für die haut?
Also angenehm fühlt es sich jedenfalls nicht an. Deshalb auch die Idee mit den Handschuhen
Ich bin das erste Mal auf deinem Blog und finds mega schade, dass ich dich nicht schon früher entdeckt hab.
Dein Schreibstil ist einfach nur toll, von diesem Beitrag mal ganz abgesehen!
Und mir gings beim Lesen dieses Artikels in der InStyle so: “WTF??”
Sehr cool
Und gar nicht SO schwer!
Ich könnt mich tot lachen
Finde deinen Schreibstil genial! Nicht nur. dass dein Ergebnis super ist und du mich inspiriert hast, ich hab zudem noch so gelacht
LG
Hahah “krasse Klorisflecken”
Du bist definitiv die Göttin des DIY Balmain jeans! Und es schaut super aus!
PS: du hast es auch sehr lustig geschrieben!
Pingback: fashionaire.de » Blog Archive » Balmain für Arme (aber sexy!)
Hat nen riesen Spaß gemacht das zu lesen, vielen vielen Dank!!!