Uhh. Heute ist akustisches Weihnachten. Für einen kurzen Moment stelle ich mir vor, dass mein Notebook der Weihnachtsbaum ist und das youtube-Video auf dem Bildschirm das glitzernde, riesengroße Päckchen darunter.
Obwohl ich verdammt heiß darauf bin, das ganze Ding aufzureißen (bzw. anzuklicken), halte mich zurück und genieße noch einmal das Etikett des superleckeren Soundpakets.
Mmmh … Jack White von den White Stripes versucht sich an Drums und Vocals, Alison Mosshart von The Kills (die Band von Kate Moss’ Macker Jamie Hince) singt mit, Dean Fertita von Queens of the Stone Age macht den Gitarristen und Jack Lawrence von den Raconteurs (Jack Whites’ Zweitband, die so Blues-Rock-Zeug macht) bekommt den Bass in die Hand gedrückt. Zusammengefasst: The Death Weather.
Das „The“ im Namen (hihi) klebt dem Ganzen zusammen mit der wohlklingenden Liste der Band-Besetzung sowas wie ein Bio-Siegel im Sound-Einheitsbrei an. Auf den ersten Blick könnte man das Ding also als qualitativ hochwertige musikalische Kost, fernab von pestizidverseuchten Discounter-Gitarren aus der Dose, bezeichnen.
„Hang you from the heavens“ heißt mein Sound-Glitzergeschenk in mp3-Form übrigens und hat sogar eine B-Seite dabei. „Are Friends Electric?“ ist ein Cover von Gary Numan, sozusagen DEM englischen Elektrogott. Schon Leute wie Dave Grohl, die Nine Inch Nails und The Prodigy haben seinen Namen in ihrem Freundebuch unter „Mein größtes Vorbild“ eingetragen. Und so.
Dass eine digitale Sounddatei bei Death Weather eine B-Seite haben soll, macht die ganze Sache noch ein Stückchen sympathischer. Wie in den guten alten Zeiten, als Songs noch ein Cover hatten, eine künstlerische Mission und – aber lassen wir das. Fieser Fact dazu: Hundertfünfzig Auserwählten hat Herr White (der alte Minuskumpel) eine nostalgische 7” Vinyl mit den Tracka drauf geschenkt. Vielen Dank auch für die Hintergrundinfo, ihr Schweine.
Der Vorfreude tut dieser kleine Seitenhieb aber natürlich keinen Abbruch.
Yeahyo, denke ich mir, das wird was ganz Großes. Geht gar nicht anders. Ich verschütte meinen ersten Frühstückskaffee, wenn die Scheibe scheiße klingt. Dreimal geile Gitarren-Band-Musiker versprechen dreimal mehr geilen Sound. Mindestens. Also los: Es ist Zeit, den Lauschern ein bisschen Wellness zu gönnen und den supermegaübermäßigen neuen Sound aus seiner Glitzerverpackung zu befreien.
Ich halte die Luft an. Dann klicke ich auf Play.
Der Anfang klingt brav so düster und verzerrt, wie man es sich von Herrn White in Kombination mit dem Herren von Queens of the Stone Age erwartet. Auf Frau Mosshart (die Kills-Tussi) wartet man allerdings erstmal. Und gerade, als man „Halloooo …?“ in das Elektrogeschrammel rufen will, taucht sie auf. Jetzt ist sie da, gut so, und sie stört nicht weiter. Mehr aber auch nicht. Und spätestens in der Mitte des Songs beginnt man düster zu ahnen, dass Jack White die Lady höchstwahrscheinlich nur dazugeholt hat, um die Glitzerverpackung der ersten Death Weather-Single noch ein bisschen aufzupimpen. Nicht gerade nett von ihm. Gesamteindruck? Anfang acidmäßig, danach Gähnerei hoch zehn. „Hang you from the heavens“ ist kein schlechter Song, aber insgesamt nicht heftig und außergewöhnlich genug, um die Indie-Musikwelt bis ins Mark erschüttern zu können.
Jack White hat ein eigenes Label. Jack White hat eine tolle Band. Dazu eine Zweitband. Und jetzt auch noch eine Drittband. Klar sind die Erwartungen da hoch. Und ich finde, wenn eine Band mit dieser Besetzung an den Start geht, dürfen sie das auch sein. Vielleicht mag ich das Lied ja mehr, wenn ich es nochmal anhöre. Fairerweise müsste ich meinen ersten Frühstückskaffee aber trotzdem verschütten. Denn so umgeknallt, wie ich eigentlich gedacht hätte, hat mich das glitzernde Soundpäckchen nicht. Was lernen wir daraus? Glitzer ist scheiße. Und das akustische Weihnachten muss erstmal verschoben werden.
Neuer planmäßiger Termin: Im Juni. Dann gibt’s das erste Death Weather-Album „Horehound“ beim Download-Dealer eures Vertrauens. Und natürlich wird es auf Jack Whites eigenem Label „Third Man Records“ (faul isser ja wirklich nicht, der Junge) erscheinen. Aber Vorsicht: Meinen Kaffee würde ich zumindest schon mal nicht mehr drauf verwetten.
